In Waldkraiburger Supermarkt: Frau geht mit dem Kinderwagen auf Diebestour

Tatwerkzeug Kinderwagen: Im November 2019 war eine Frau damit auf Diebestour in einem Waldkraiburger Supermarkt. Ob es die 29-jährige Angeklagte war, gegen die jetzt in Mühldorf verhandelt wurde, ließ sich nicht eindeutig beweisen. dpa
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Tatwerkzeug Kinderwagen: Im November 2019 war eine Frau damit auf Diebestour in einem Waldkraiburger Supermarkt. Ob es die 29-jährige Angeklagte war, gegen die jetzt in Mühldorf verhandelt wurde, ließ sich nicht eindeutig beweisen. dpa

Waren im Wert von 63 Euro hat eine Frau bei einer Diebestour mit Hilfe eines Kinderwagens in einem Supermarkt in Waldkraiburg erbeutet. Als dringend tatverdächtig galt die 29-jährige Mutter dreier Kinder, die jetzt vor dem Amtsgericht stand. Oder war es doch eine ominöse Verwandte aus Frankreich? 

Waldkraiburg/Mühldorf – Ein Kinderwagen musste als Tatwerkzeug herhalten, bei einem Ladendiebstahl im November 2017 in einem Waldkraiburger Supermarkt. Jetzt landete der Fall vor dem Amtsgericht Mühldorf, das die 29-jährige Angeklagte, die schon mehrfach wegen ähnlicher Delikte verurteilt wurde, aus Mangel an Beweisen freisprechen musste.

Waren im Wert von 63 Euro gestohlen

Die Rechtsreferendarin Tanja Rumpf von der Staatsanwaltschaft Traunstein warf der Frau vor, dass sie zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten in einem Waldkraiburger Supermarkt Waren im Wert von 63 Euro gestohlen habe. Die Mutter dreier Kinder hat sich inzwischen von ihrem Partner getrennt und lebt in einem Frauenhaus in München.

Der Ex-Partner, als Zeuge von Richter Florian Greifenstein geladen, war wegen Krankheit nicht erschienen. Die Angeklagte machte während des gesamten Prozesses von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

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Als Zeuge sagte der ehemalige Supermarktdetektiv aus. Er hatte die Tat per Überwachungsvideo aus seinem Büro beobachtet und die Polizei verständigt. Im Verkaufsraum traf er nur den Mann mit dem Kinderwagen an, in welchem sich ein Baby und die gestohlenen Waren – von Puddingpulver über Limonade bis hin zu Duschgel – befanden. Während die Frau mit zwei größeren Kindern das Weite gesucht hatte, wurde der Mann mitsamt dem Kinderwagen auf die Polizeiwache gebracht und die Personalien festgestellt. Nach der weiblichen Begleiterin befragt, gab er zu Antwort, dies sei eine Cousine aus Frankreich gewesen, die zu Besuch in Waldkraiburg weile. Ein zweiter Zeuge, ein Beamter der Polizeiinspektion Waldkraiburg, bestätigte im Wesentlichen diese Aussage.

Anwalt bemängelt Zeugenbefragung

Rechtsanwalt Hanns Barbarino stellte nach der Aussage des Detektivs den Antrag, diese nicht zu verwerten, da sie nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden wäre. Dem Detektiv wurden acht Bilder vorgelegt, die er sich nacheinander ansah. Es handelte sich um acht unterschiedliche Damen. Dann musste er eine Entscheidung treffen, ob er eine Person erkannt hätte. Richtig wäre es gewesen, so der Verteidiger, jedes Bild einzeln zu betrachten und sofort auf „ja“ oder „nein“ zu entscheiden.

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Als Sachverständige sagte Dr. Stefanie Holley aus. Die Expertin in Anthropologie, also der Lehre vom menschlichen Körper, hatte die Aufnahmen der Überwachungskamera des Supermarktes studiert mit Körpermerkmalen der Angeklagten verglichen. Dabei kam sie aber zu keinem eindeutigen Ergebnis, da die Aufnahmen des Supermarktes aus technischen Gründen verzerrt beziehungsweise gestaucht waren.

Angeklagte ist bereits mehrfach vorbestraft

In ihrem Plädoyer hielt die Vertreterin der Staatsanwaltschaft der Angeklagten nur zugute, dass sie sich der Verhandlung stelle. Als negativ bewertete sie die einschlägigen Vorstrafen im Bereich Ladendiebstahl. Die s29-Jährige war deshalb schon inhaftiert und stand bei der ihr zur Last gelegten Tat noch unter Bewährung. Gegen eine Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Diebstahls in Landshut hat ihr Anwalt Berufung eingelegt. Erschwerend kam für sie hinzu, dass der damalige Lebensgefährte der Angeklagten wegen des hier verhandelten Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt worden war. Rumpf forderte eine Haftstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung.

Der Verteidiger argumentierte kurz und bündig, dass seiner Mandantin eine Täterschaft nicht nachgewiesen werden könne. Er verlangte für sie einen Freispruch.

Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse

Richter Greifenstein folgte der Argumentation des Rechtsanwalts, auf Grund der Beweislage könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei der Frau tatsächlich um die französische Verwandte gehandelt hat. Es bestehe zwar ein Verdacht gegen die 29-Jährige, der aber nicht bewiesen werden könne. So sprach er sie frei. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse.

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