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ERTRINKENDEN GERETTET

Waldkraiburger Polizisten ziehen Mann in letzter Minute aus dem Innkanal

An einer Boje im Innkanal konnte sich ein Mann noch festhalten, bevor ihn zwei Polizisten aus dem Wasser retteten. Zuvor hatten Passanten den Mann an der Steinbrunner Brücke gesehen, scheinbar entschlossen zum Suizid.
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An einer Boje im Innkanal konnte sich ein Mann noch festhalten, bevor ihn zwei Polizisten aus dem Wasser retteten. Zuvor hatten Passanten den Mann an der Steinbrunner Brücke gesehen, scheinbar entschlossen zum Suizid.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Ein 46-jähriger Mann aus dem Landkreis Mühldorf wollte sich offenbar am Donnerstag das Leben nehmen. Zwei Spaziergänger sind auf den völlig aufgelösten Mann am Innkanal aufmerksam geworden und haben die Rettungskette in Gang gesetzt. Es war Rettung in letzter Minute.

Waldkraiburg – „Wenn es um Menschenleben geht, entwickelt man übernatürliche Kräfte“, sagt Mustafa Comuk. Die hat es gebraucht, damit der 39-jährige Polizeihauptmeister von der PI Waldkraiburg und sein 25-jähriger Kollege, Polizeimeister Maximilian Markl, am Donnerstag einen Mann aus dem reißenden Innkanal ziehen konnten. Der 46-Jährige war vor den Augen der Beamten ins Wasser gesprungen, in der Absicht, sich das Leben zu nehmen.

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Am Donnerstag gegen 13.22 Uhr ging bei der Polizeiinspektion die Mitteilung von Spaziergängern ein: Ein völlig aufgelöster Mann stehe auf der Kanalbrücke zum Steinbrunner Berg. Den Mitteilern kam vor, als sei der Mann zum Suizid entschlossen. Sie lösten die Rettungskette aus.

Eine Streife der PI war wenige Minuten später vor Ort. Als die Beamten eintrafen, hatte sich der 46-jährige Mann auf dem Kanalweg in Richtung St. Erasmus in Bewegung gesetzt. Um Kontakt mit ihm aufzunehmen, folgten sie ihm. Doch in etwa hundert Meter Entfernung sei der Mann plötzlich ins Wasser gesprungen, sagt Polizeihauptmeister Comuk. Durch die Strömung sei er mit hoher Geschwindigkeit Kanal abwärts getrieben worden, „Gott sei dank in Richtung Ufer“.

Gesprintet zum nächsten Rettungsring

Durch Zurufen erreichten die Polizisten, dass sich der Ertrinkende an einer Boje festklammerte. Während Mustafa Comuk versuchte, „gut auf ihn einzureden“, sprintete sein Kollege zum nächsten Rettungsring, den er dem Mann zuwarf.

„Wenn er in diesem Moment nicht zugegriffen hätte, wäre er untergegangen. Eine Minute später hätte er nicht mehr die Kraft gehabt, sich festzuhalten“, glaubt PHM Comuk. Kaum zwei Minuten sei er zu diesem Zeitpunkt im Wasser gewesen. „Er war schon total untergekühlt, ganz blau und zitternd“, sagt Maximilian Markl.

Zu zweit, einer den anderen sichernd, versuchten die Beamten den Mann, der kurz vor der Ohnmacht stand, auf die Böschung zu ziehen, unter größter Kraftanstrengung und erheblichen Risiken aufgrund des abschüssigen Kanalrands.

Bis zum Eintreffen des Notarztes leisteten die Beamten Erste Hilfe. Nach ersten ärztlichen Maßnahmen stabilisierte sich der Zustand des stark Unterkühlten, sodass er ins Krankenhaus gebracht werden konnte.

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Im Polizeidienst haben Comuk und Markl, der Rettungssanitäter und Wasserwachtler ist, noch keinen solchen Einsatz erlebt. Sie seien „sehr erleichtert“, sagen die Beamten am Tag danach. „Er hätte auch vor unseren Augen sterben können.“

Der 46-jährige Mann aus dem Landkreis Mühldorf wurde laut Polizei nach Abschluss der Untersuchungen in einer psychiatrischen Fachklinik untergebracht.

Wie verhält man sich im Notfall?

Etwa 10 000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. Was kann man tun, wenn man befürchtet, dass sich jemand das Leben nehmen will? In einer solchen Extremsituation ist es immer richtig, den Notruf zu wählen, sagt Psychologin Theresa Honervogt. In einem zweiten Schritt gehe es darum, Zeit zu gewinnen und mit der Person ein Gespräch zu beginnen. „Man sollte besonnen herangehen, keine Ratschläge erteilen, sondern zum Beispiel fragen, wie es zu dieser ausweglosen Situation gekommen ist.“Auf keinen Fall sollte man sich selbst in Gefahr begeben. Sollte sich die Situation entspannen, sollte man die Person nicht alleine lassen, bis Hilfe gekommen ist. Vielleicht brauchen eine solche später auch die Beobachter. „Man sollte darauf achten, was diese Extremsituation mit einem selbst gemacht hat“, sagt Theresa Honervogt. Wer sich in psychischer Not befindet, kann sich Rund-um-die-Uhr an die Telefonseelsorge unter Telefon 0800/1110-111 oder den Krisendienst (Telefon 0180/65 530 00) wenden. Die Beratungsstelle „Die Arche“ bietet für Betroffene und Angehörige eine ambulante Suizidprävention und Krisenintervention (Telefon 089/334041).

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