AUF SCHMALEN SCHIENEN

Waldkraiburger Kleinbahnfreunde wollen nach Corona-Pause heuer wieder loslegen

In die alte Lok aus den 80er Jahren haben Simon Gutzeit (links) und sein Vater Jürgen satte vier Motoren mit 36 Volt und 350 Watt eingebaut. Verwendet werden heute Motoren für E-Scooter.
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In die alte Lok aus den 80er Jahren haben Simon Gutzeit (links) und sein Vater Jürgen satte vier Motoren mit 36 Volt und 350 Watt eingebaut. Verwendet werden heute Motoren für E-Scooter.
  • vonSonja Hoffmann
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Die Kleinbahnfreunde Waldkraiburg stehen in den Startlöchern für die neue Saison. 2020 ist coronabedingt komplett ausgefallen. Ob heuer gefahren werden darf und wann sie die geplante Erweiterung der Bahn im Stadtpark realisieren können, steht allerdings in den Sternen.

Waldkraiburg– Die Gleise und Schwellen liegen in großen Stapeln in und neben den Werkstätten der Kleinbahnfreunde am südlichen Ende des Stadtparks. „Gut die Hälfte haben wir schon besorgt, 540 Schwellen und ungefähr 250 Meter Gleise. Aber weil es 2020 so gut wie keine Einnahmen gegeben hat, warten wir jetzt erst mal.“

Simon Gutzeit zeigt den leistungsstärksten und den kleinsten Motor, die die Werkstatt zu bieten hat.

Simon Gutzeit, der seit 1996 Mitglied der Kleinbahnfreunde und seit 2010 im Vorstand ist, hat in und um die Werkstätten des Vereins eine Menge Zeit und Herzblut investiert, hat gekauft, gebaut, verlegt und – vor allem – geschaffen.

Die Loks und Waggons, die in den Schuppen stehen, sind meist komplett selbst gebaut – vom Schneiden der Bleche, über das Biegen, das Schweißen, das Drehen der Räder und den Einbau der Elektrik ist alles Handarbeit. „Es gibt keinen großen Markt für solche Fertigteile, also muss man selbst ein großes Interesse für Technik mitbringen. Neumitgliedern helfen wir natürlich beim Bauen und bei der Elektrik. Da muss man selbst keine komplette Werkstatt zu Hause haben“, sagt der Elektrikermeister.

Hygienekonzept war zu aufwendig

Man hatte schon alle Flyer für das Jahr gedruckt, was ungefähr 300 Euro kostet. Dann kam der erste Lockdown. Wenn man 2020 im weiteren Verlauf hätte fahren wollen, hätte es ein Hygienekonzept gebraucht mit zusätzlichen Einbauten. „Ich habe das in Düsseldorf gesehen, die sind gefahren im Sommer. Zwischen den einzelnen Wagen waren große Plexiglasscheiben angebracht. Aber so konnten und wollten wir das nicht machen“, winkt Gutzeit ab.

Für das Biegen der Gleise musste der Verein erst einmal eine Maschine selbst bauen.

Man hätte auch nicht garantieren können, dass auf einem Waggon immer nur ein Haushalt sitzt und hätte dafür ja die Verantwortung tragen müssen. Dann lieber aussetzen und auf 2021 warten.

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Dass heuer gefahren werden kann, ist alles andere als sicher. Auf das Drucken der Flyer mit den Terminen habe man deshalb lieber verzichtet. Wenn das Landratsamt die Erlaubnis erteilt, dann werde man weitersehen. Auch die Erweiterung mit rund 400 Metern Gleisen durch den Park, die mit der Stadt mündlich schon abgeklärt war, wurde bis dahin ausgesetzt.

Das Vereinsleben kam fast komplett zum Erliegen. „In anderen Jahren haben wir sukzessive neue Batterien gekauft. Die fünf, die wir Anfang 2020 gekauft haben, konnten wir überhaupt noch nicht hernehmen. Aber die Strecke wäre komplett fahrbereit, wir könnten sofort loslegen.“

Probleme mit dem Nachwuchs

Sein Vater Jürgen Gutzeit unterstützt den Verein tatkräftig. „Ich bin in Rente, ich kann alles vorbereiten, die Strecke instand halten. Mir macht das Spaß.“ Auch dieser Verein hat, wie viele andere, Probleme mit dem Nachwuchs. „Wo wir angefangen haben, waren hier 20 Leute. Heute ist noch ein harter Kern von fünf, sechs Leuten da.“ Viele der eigentlich knapp 40 Mitglieder wohnen nicht mehr in Waldkraiburg, und die Jüngeren arbeiten alle.

540 Schwellen und 250 Meter Gleisteile für die Erweiterung lagern schon in und um die Vereinsgebäude im Stadtpark.

Simon Gutzeit ist schon als Jugendlicher in den Verein eingetreten. Von 2009 bis 2011 hat er in Eigeninitiative vieles angepackt, Kabel und Leitungen wurden erneuert, die Gleisanlage überarbeitet, eine hydraulische Hebebühne ein- und eine Schiebebühne selbst gebaut. Ein zweiter Container wurde angeschafft und der Bahnhof neu gestaltet.

Kein Wunder, dass die Kleinbahn im Stadtpark zu den großen Attraktionen bei vielen Kindern gehört. Am Lichterfest im November entstehen lange Schlangen, wenn 500 Kinder und Eltern einmal eine Runde drehen wollen. Mit vier bis viereinhalb Kilometern in der Stunde geht es dann durch den baumbestandenen, schön beleuchteten Park.

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„Wir denken, wenn wir in diesem Jahr starten dürfen, fangen wir vielleicht mit einem Tag im Monat an und sehen, wie es läuft. Unsere Fixkosten laufen ja weiter“, sagt der Vorsitzende. „Und wenn wir dürfen, fahren wir, auch wenn es stürmt und schneit.“ Dann darf vielleicht auch endlich die alte Lok aus Tittmoning auf die Schiene, die sie schon im letzten Winter liebevoll hergerichtet haben.

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