Waldkraiburger Fotografen kämpfen wegen Corona noch immer um ihre Existenz

Andrea Drees blickt verhalten optimistisch in die Zukunft: „Es geht leicht bergauf.“
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Andrea Drees blickt verhalten optimistisch in die Zukunft: „Es geht leicht bergauf.“
  • Robert Wagner
    vonRobert Wagner
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Die Corona-Krise hat die Fotografen hart erwischt. Denn selbst nach den Lockerungen hebeln die Beschränkungen das Geschäftsmodell der Fotografen noch immer aus. Josef Sahlstorfer aus Waldkraiburg und Andrea Drees aus Kraiburg schildern die Situation aus ihrer Sicht.

Waldkraiburg/Kraiburg – Der Betrieb läuft langsam wieder an im Laden von Josef Sahlstorfer in der Berliner Straße. Der Lockdown war geprägt von Umsatzeinbußen im hohen zweistelligen Prozentbereich, der Sorge um die Mitarbeiter und einer gehörigen Portion Frustration.

75 Prozent Minusbeim Umsatz

Frust hat ihm vor allem sein Vermieter beschert, nachdem Sahlstorfer eine Stundung der Miete beantragt hatte. Eine Reaktion in Form von Mahnungen gab es erst, als der Fotograf die Mietzahlung einstellte. Auf seinen Wunsch zur Stundung reagierte der Vermieter zunächst nicht, später hieß es, er könne von April bis Juni stunden. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Aprilmiete bereits bezahlt. Sein Vorschlag von Mai bis Juli zu stunden, wurde abgelehnt. Für seine Mitarbeiter beantragte er Kurzarbeit. Ein Umstand, der für ihn in seinen fast 40 Jahren Selbstständigkeit nie ein Thema war, wie er sagt.

Die Digitalisierung alter Datenträger hat Josef Sahlstorfer in sein Angebot aufgenommen.

Der extreme Umsatzrückgang sei vor allem darin begründet, dass etwa 75 Prozent des Umsatzes auf die Personenfotografie entfallen: „Durch den plötzlichen Stillstand gab es keine Familienfeiern, Hochzeiten oder Firmenfeste mehr. Veranstaltungen, aus denen wir unsere Haupteinnahmen generieren, waren von heute auf morgen weggebrochen“, sagt Josef Sahlstorfer und unterlegt dies mit Zahlen: 77 Prozent Umsatzrückgang im April, 62 Prozent im Mai und 55 Prozent im Juni, wo es schon Lockerungen gab.

Hochzeiten fehlen den Fotografen

Zahlen, die man in Relation setzen müsse, betont der Fotograf: „Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Dort, wo die größten Gewinnmargen zu erzielen sind, ist immer noch ein wenig Licht am Ende des Tunnels.“ Doch für 2020 sehe es nach wie vor düster aus, Hochzeiten würden immer noch abgesagt werden. Die Umsätze im nächsten Jahr aufzuholen, wird nicht möglich sein: „Der Kalender für 2021 ist voll, da kann man nichts mehr einschieben“, erklärt Sahlstorfer. Doch er hat ein weiteres Geschäftsmodell für sich entdeckt.

Alte Datenträger digitalisieren

Während des Lockdowns hätten viele zu Hause aufgeräumt und alte Datenträger, wie zum Beispiel Super 8 Filme, entdeckt, die nun digitalisiert werden sollen. Hier sieht er Potenzial, ebenso wie mit neuen Konzepten für Kindergarten und Schulen. Beim Blick in die Zukunft stehen dennoch Sorgenfalten auf seiner Stirn: „Es herrscht angesichts der Pandemie eine große Unsicherheit, ob Aufträge überhaupt stattfinden werden. Eine erneute Verschärfung der Situation, kann alles wieder zunichtemachen.“

Dem nicht genug treibt die Fotografen auch die Diskussion um die Erstellung von Passbildern um. Innenminister Horst Seehofer hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, demzufolge Passbilder auch auf den Ämtern erstellt werden können. Schwierig, mit Optimismus nach vorne zu blicken: „Passbilder und Bewerbungsfotos sind ein Standbein in unserem Handwerk, das nicht nur saisonal Umsätze kreiert.“ Wenigstens habe man nun die Fotografen miteinbezogen und den Entwurf überarbeitet.

Fotografie gerade nicht an erster Stelle

Berufskollegin Andrea Drees mit ihrem Studio in Kraiburg widmet sich überwiegend der Boudoir- und Portraitfotografie, nimmt aber auch andere Fotoaufträge, wie für Hochzeitsfotos, Neugeborenenbildern oder Kinder- und Familienfotos an. „Es ging mir beim Lockdown miserabel, ich musste komplett schließen, alles ist weggebrochen.“ Mit der Soforthilfe konnten zwar die laufenden Kosten gedeckt werden, der Lebensunterhalt musste aber weitgehend von der Substanz bestritten werden.

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Nach den ersten Lockerungen hat sie bei Kunden Außenaufnahmen gemacht, dennoch sei nach wie vor alles sehr schleppend: „Schließlich steht die Fotografie in Zeiten von Kurzarbeit und Kündigungen nicht an erster Stelle.“ Doch sie sieht auch wieder eine Perspektive: Die Menschen reagieren wieder aufgeschlossener und es gehe wieder bergauf. Doch sie ist realistisch: Einen zweiten Lockdown werde sie nicht mehr durchstehen. „Dann ist Schicht im Schacht.“

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