GROßE HERAUSFORDERUNGEN

„Waldkraiburg wird weiter wachsen“: Bürgermeister Robert Pötzsch im Interview

Während der Anbau der Diesel-Grundschule im Sommer fertig werden soll, stehen schon die nächsten Schulprojekte an: die Erweiterung der Beethoven-Grundschule, für die die Planungen bereits im Gange sind, und vor allem die Sanierung der Liszt-Mittelschule, die wohl einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingt. Archiv/Grudnner/Stadt
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Während der Anbau der Diesel-Grundschule im Sommer fertig werden soll, stehen schon die nächsten Schulprojekte an: die Erweiterung der Beethoven-Grundschule, für die die Planungen bereits im Gange sind, und vor allem die Sanierung der Liszt-Mittelschule, die wohl einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingt. Archiv/Grudnner/Stadt

Waldkraiburg – Zu strittigen Themen wie der Nachverdichtung und zu den großen städtischen Projekten nimmt Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im Interview mit der Heimatzeitung Stellung. Und er verrät, worüber er sich im alten Jahr besonders gefreut hat und im neuen Jahr am meisten freuen würde.

2020 hat Corona geprägt. Wie haben Sie die Pandemie in der Stadt Waldkraiburg erlebt? Wie schätzen Sie die Stimmung in der Bevölkerung ein?

Robert Pötzsch: Nach dem ersten großen Lockdown haben wir alle gehofft, dass wir schnell zu einer gewissen Normalität zurückkehren können. Wir haben uns darauf eingestellt, mit vielen Einschränkungen zu leben. Es wurde in allen Bereichen viel Zeit und Geld, zum Beispiel in Hygienekonzepte, investiert. Dass die Maßnahmen einen weiteren Lockdown nicht verhindern konnten, ist ernüchternd, weckt Ängste und führt zu Ungewissheit und Unzufriedenheit. Noch überwiegt aber das Verständnis und ein Durchhaltevermögen, diese schwierige Zeit zu überstehen.

Corona-Strategie: Söder oder Aiwanger?

Die Debatten über die richtige Corona-Strategie werden kontroverser. Wo stehen Sie in der Diskussion? Eher bei Söder, der für den harten Lockdown steht, oder bei Aiwanger, der sich für baldige Lockerungen stark macht?

Pötzsch: Es geht hier nicht um Schwarz oder Weiß. Jeder Mensch, der Verantwortung übernimmt, muss in einer Krise Entscheidungen treffen. Ich habe großen Respekt vor den Entscheidungen Söders. Auch die Argumente Aiwangers finde ich richtig. Für mich ist es wichtig, dass beide mit ihren Vorschlägen eine gemeinsame Strategie entwickeln, um uns eine Perspektive in dieser Krise zu geben.

Die Sicherstellung der Kinderbetreuung ist eine Pflichtaufgabe. Was wollen Sie heuer auf den Weg bringen?

Pötzsch: Zum neuen Schuljahr wird der Anbau an der Diesel-Grundschule fertig. Die Planungen zur Erweiterung der Beethoven- Grundschule starten derzeit. Die Verhandlungen und Planungen für weitere Gruppen an der Kindertagesstätte Christophorus laufen. Wenn die Ergebnisse der Bedarfsplanung im Kindergarten-Bereich im Frühjahr vorliegen, werden wir mit allen Trägern eine Strategie für die zukünftige Entwicklung erstellen.

2020 hat sich der Tausch der Schulgebäude zwischen städtischer Liszt-Mittelschule und Förderzentrum des Landkreises zerschlagen. Wie soll es bei der sanierungsbedürftigen Mittelschule weiter gehen?

Pötzsch: Wir wollen den Standort halten. Dazu müssen wir uns die Gebäudesubstanz anschauen, Gespräche mit den Vertretern der Schulseite führen und dann in die Planungen einsteigen. Im Haushalt 2022 sind Kosten dafür angesetzt. Die gesamte Sanierung der Schule war schon mal mit zehn Millionen Euro veranschlagt, aber diese Zahlen sind fast ein Jahrzehnt alt.

Zwei weitere Großprojekte sind schon weiter: der Rathaus-Neubau und die Waldbad-Sanierung. Wie stehen die Chancen der Realisierung?

Pötzsch: Wir haben keine andere Wahl! Beim Rathaus ist dringender Handlungsbedarf. Jedes weitere Jahr kostet uns eine Menge zusätzliches Geld. Das Waldbad muss Ende 2024 fertig sein, damit wir 1,6 Millionen Euro Fördergelder nicht verlieren.

Wo wollen Sie bis Ende 2021 in Sachen Rathaus-Neubau stehen? Was muss erledigt sein?

Pötzsch: Wir starten jetzt mit dem Wettbewerb, der im Laufe des Jahres abgeschlossen wird. Dieser Entwurf wird vertieft, um nach der Baugenehmigung mit den ersten Bauvorbereitungen zu beginnen. Parallel wird das Bauleitverfahren durchgeführt.

Und was ist das Etappenziel 2021 beim Waldbad?

Pötzsch: Das Bad läuft parallel zum Rathaus mit identischen Schritten.

Rathaus, Waldbad, Schulen und Kitas belasten Haushalt mit über 50 Millionen

Wie schätzen Sie die Finanzsituation der Stadt ein? 2021 rechnen viele mit einem negativen Corona-Faktor. Was bedeutet das für den Kommunalhaushalt?

Pötzsch: Es wird eine enorme Herausforderung, den Pflichten und Erwartungen in den kommenden Jahren gerecht zu werden. Allein die beiden Großprojekte und die Investitionen im Bereich Schulen und Kitas werden unseren Haushalt mit über 50 Millionen Euro belasten. Die Auswirkungen von Corona auf zu beziffern, wäre unseriös. Das kann niemand sagen.

Für manche Bürger, insbesondere im Umfeld von größeren Wohnungsbauprojekten, ist das Wort „Nachverdichtung“ fast zum Waldkraiburger Unwort des Jahres geworden. Warum setzt die Stadt auf Nachverdichtung? Manche zweifeln schon, dass es für Geschosswohnungsbau noch weiteren Bedarf gibt.

Pötzsch: Wenn wir den Absatz dieser Wohnungen sehen, ist der Bedarf klar vorhanden. Wir haben wenig Möglichkeiten, in die Fläche zu wachsen. Es ist die einzige Möglichkeit, dem Flächenverbrauch entgegenzuwirken. Im Übrigen ist Nachverdichtung eine klare Forderung der Regie, auch im Hinblick auf Verhandlungen bei möglichen Erweiterungsflächen. Ich bin froh, dass wir bei allen Bauvorhaben qualitativ hochwertigen Wohnraum erhalten haben. Dies ist auch bei den derzeit auf dem Tisch liegenden Planungen der Fall.

Warum soll Waldkraiburg wachsen? Wo sehen Sie das Ende dieser Entwicklung?

Pötzsch: Waldkraiburg soll nicht wachsen, Waldkraiburg wird wachsen. Da eine Einwohnerzahl als Ziel zu nennen, halte ich nicht für sinnvoll. Kein Wachstum würde aber Stillstand und Rückschritt bedeuten. Als Stadt haben wir einen klaren Auftrag. Was in der Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen wird, ist die interkommunale Zusammenarbeit, auch im Bereich der Ausweisung von Baugebieten.

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Wohnungsbau treibt Einwohnerzahl in Waldkraiburg hoch: Senioren- und Ausländeranteil steigt

Zwei Trends bestätigt die aktuelle Bevölkerungsstatistik. Der Anteil der Zuwanderer ohne deutschen Pass ist erneut gestiegen. Wie stellt sich die Stadt auf die Entwicklung ein?

Pötzsch: Eines unserer Merkmale ist die Vielzahl der Nationalitäten und Kulturen, die hier leben. Seit Beginn unserer Geschichte sind wir stolz darauf. Es war und ist ein anhaltender Prozess, der es Wert ist, ihn weiter zu verfolgen. Wir haben gegenseitig von dieser Vielfalt profitiert und werden dies auch in der Zukunft tun.

Eine zweite Tendenz: Der Anteil der Bürger im Rentenalter steigt. Wie stellt sich die Stadt auf die demografische Entwicklung ein?

Pötzsch: Hier spielt genau die vorhin gestellte Frage eine wichtige Rolle: Warum soll Waldkraiburg wachsen? Wir brauchen für unsere jungen Familien günstigen Baugrund und Wohnraum, damit eine ausgewogene demografische Verteilung stattfinden kann. Darüber hinaus müssen wir weiter für Seniorenangebote sorgen. Bei der ärztlichen Versorgung, dem Freizeitangebot und der Betreuung. Hier haben wir zuletzt hervorragende Angebote durch private Anbieter erhalten. Weitere sind aktuell im Bau!

Was war für Sie persönlich das wichtigste Ereignis im vergangenen Jahr?

Pötzsch: Ganz klar die Wiederwahl am 15. März. Ich bin froh und dankbar über das deutliche Ergebnis. Es ist eine Bestätigung der Arbeit der letzten Jahre und ein großer Vertrauensvorschuss.

Worauf freuen Sie sich 2021 als Bürgermeister besonders?

Pötzsch: Dass wir Schritt für Schritt aus dieser Corona Pandemie heraustreten, das öffentliche Leben wieder hochfahren, uns bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten persönlich treffen, austauschen und uns gemeinsam über die positiven Entwicklungen unserer Stadt Waldkraiburg freuen.

Interview: Hans Grundner

Robert Pözsch

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