Waldkraiburg: Wimpel der Landsmannschaft wird aufbewahrt

Wandern in den Speicher der Erinnerungen: Klaus Ertelt (links) gibt den Wimpel, Trachten sowie eine Bergmannsuniform an den Stadtarchivar Konrad Kern.
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Wandern in den Speicher der Erinnerungen: Klaus Ertelt (links) gibt den Wimpel, Trachten sowie eine Bergmannsuniform an den Stadtarchivar Konrad Kern.

Der Wimpel ist für Klaus Ertelt etwas zum Festhalten, nachdem sich der Waldkraiburger Ortsverein „Landsmannschaft Schlesien“ Ende 2019 nach 65 Jahren aufgelöst hat. Fast 50 Jahre führte der 86-Jährige den Verein. „Wir zählten zum Schluss nur noch elf Mitglieder, alle betagten Alters“, bedauert Ertelt.

Waldkraiburg–Der Wimpel ist für Klaus Ertelt etwas zum Festhalten, nachdem sich der Ortsverein „Landsmannschaft Schlesien“ Ende 2019 nach 65 Jahren aufgelöst hat. Fast 50 Jahre führte der 86-Jährige den Verein. „Wir zählten zum Schluss nur noch elf Mitglieder, alle betagten Alters“, bedauert Ertelt. „An unserem letzten Abend hatten wir Tränen in den Augen.“

Zu wenigNachwuchs

Der Verein schaffte es nicht, junge Menschen für eine Mitgliedschaft zu begeistern, was der vormalige Vorsitzende so interpretiert: „Die Nachkommen erlebten unsere ehemalige Heimat ja nicht. Daher gibt es für sie auch keine Erinnerungen wie bei uns Älteren.“

Was von 65 Jahren Ortsverein übrig geblieben ist, überreichte Ertelt an den Stadtarchivar Konrad Kern. Das kleine Vereinsarchiv der Landsmannschaft enthält neben Aufzeichnungen und Fotos einen Wimpel sowie drei Kindertrachten. Wie Ertelt betont, stand der Wimpel, der einst von der Firma Pöschmann hergestellt wurde, bei allen Versammlungen auf dem Tisch. Auf eine Fahnenabordnung verzichteten die Schlesier. Umso mehr rückte der Verein den Wimpel mit dem Wappen in den Vordergrund. Im Hause Ertelt zierte der Wimpel sogar das Wohnzimmer.

Trachten fürbesonderen Besuch

Die Kindertrachten – jeweils für ein Mädchen sowie für einen Buben angefertigt – und eine extra produzierte Bergmannsuniform sind keine Originale. Sie wurden für den Besuch des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke in Waldkraiburg im Mai 1969 genäht. Zur Begrüßung des hohen Gastes studierten Kinder der verschiedensten Landsmannschaften und Heimatgruppen einen Tanz ein.

Nun wandern die schlesischen Trachten bei Kern im wahrsten Sinne des Wortes in den Speicher der Erinnerung hinein, wobei der Stadtarchivar betont: „Schade, dass sich eine organisierte Erinnerungskultur aufgelöst hat. Die Schlesier verkörpern immerhin ein Stück Waldkraiburger Stadtgeschichte.“ huc

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