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Stadt lässt sich ein Konzept 240.000 Euro kosten

Wie soll der Verkehr in Waldkraiburg künftig fließen? Die Bürger sollen mit entscheiden

In den Verkehrsentwicklungsplan soll auch der Goetheplatz stärker in den Fokus genommen werden. Hier stellt sich die Frage, wie eine städtebauliche Aufwertung gelingt und der Verkehr strukturiert werden kann.
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In den Verkehrsentwicklungsplan soll auch der Goetheplatz stärker in den Fokus genommen werden. Hier stellt sich die Frage, wie eine städtebauliche Aufwertung gelingt und der Verkehr strukturiert werden kann.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Wie bewegen sich künftig die Waldkraiburger in der Stadt? Welche Verkehrsmittel nutzen sie? Und wo müssen Schwerpunkte gesetzt werden? Das Thema Verkehr und Mobilität will die Stadt mit einem Verkehrsentwicklungsplan (VEP) in den Fokus rücken.

Waldkraiburg – Vom Stadtentwicklungsausschuss gab es grünes Licht für den Verkehrsentwicklungsplan. Die vorhandenen Verkehrspläne der Stadt sind längst überholt, beim Thema Mobilität hat sich seitdem viel verändert. Die Frage nach einem Radwegenetz ist immer wieder in der Diskussion. Auch wie sich der Verkehr steuern lässt, wo Parkplätze gebraucht werden. Doch ohne einen Blick aufs Ganze ist das nur schwer zu realisieren. Das soll nun ein VEP leisten und Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer finden, sagt Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im Ausschuss.

In einem ersten Schritt geht es darum, das Konzept für den VEP an den Start zu bringen. Um damit ein Büro für die Umsetzung zu finden. „Es gibt noch keine konkret durchgeplante Maßnahme“, erklärte Bauamtsleiter Carsten Schwunck.

Die Bürger sollen mitmachen beim Verkehrskonzept

Stattdessen sollen aus der Situation und den Bedingungen heraus die richtigen Maßnahmen abgeleitet werden. Nicht ohne eine „breite öffentliche Beteiligung“, sagt Schwunck: „Es braucht die Akzeptanz, sonst erleidet das Ganze Schiffbruch.“

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Doch gründliche Recherche und Bürgerbeteiligung braucht Zeit. Mit etwa zwei Jahren rechnet er. Zwei Jahre, in denen Verkehrszählungen stattfinden, in denen die Verkehrsinfrastruktur unter die Lupe genommen wird und die Bürger in Workshops beteiligt werden. Wie das Konzept aussieht, das stellte Frank Trebus vom Ingenieurbüro Vössing vor.

Verkehrliche Schwerpunkte bereits aufgenommen

Bereits mitaufgenommen sind die verkehrlichen Schwerpunkte, die im Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) als Ziele definiert worden sind. Dazu gehören der Goetheplatz, der Stadtplatz, die Nordtangente, die Erzgebirgsstraße zwischen Aussiger und Reichenberger Straße und eine mögliche alternative Verwendung für das Werksgleis. Mit Kosten von rund 240.000 Euro rechnet Frank Trebe für das VEP, das etwa zwei Jahre in Anspruch nimmt.

Gibt es eine alternative Verwendung für das Werksgleis? Auch dieser Frage will der Verkehrsentwicklungsplan nachgehen.

Noch länger warten geht für Anton Sterr gar nicht

Noch länger über den Verkehr bei Bebauungsplänen zu diskutieren, ohne den Blick aufs Ganze zu haben, das dauert Anton Sterr (CSU) zu lange. „Wir brauchen einen VEP, aber das muss schneller gehen. Wir haben schon viel Zeit in der Vergangenheit verloren.“ Bereits 2018 beim ISEK hätte man erste Ziele vereinbart. Bis nun Handlungsempfehlungen und konkrete Maßnahmen folgen, rechnet er mit dem Jahr 2027. Noch in diesem Jahr sollte man die Ausschreibung auf den Weg bringen.

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„Zwischenschritte“ (Pötzsch) werden zwar möglich sein, der „fachliche Prozess lässt sich aber nicht abkürzen“ (Schwunck). „Ein VEP in der Größe ist selten, und das machen in der Regel Großstädte, denen aber bereits ein Zahlenwerk vorliegt. Außerdem braucht es ein Büro, das nicht nur das Konzept übernimmt, sondern auch parallel Maßnahmen anschaut“, sagt Schwunck.

Keine Aussicht auf Universallösung

Die Verkehrsströme zu unterschiedlichen Zeiten, die Anbindung der Nachbargemeinden und Außenbereiche werden laut Trebe ebenfalls in die Analysen miteinfließen. „Eine Universallösung wird es aber nicht geben“, machte Verkehrsreferent Harald Jungbauer (CSU) klar. Wichtig sei, dass parallel zum VEP erste Einzelmaßnahmen durchgeführt werden. „Dringliche Maßnahmen müssen auch passieren“, bestätigte auch Schwunck.

Perspektiven für die Zukunft erwünscht

So schnell wie möglich Ergebnisse erhofft sich Richard Fischer (SPD). Um den Verkehr so zu steuern, dass es eben auch im Berufsverkehr kein Chaos gibt. Aber er wünscht sich auch Perspektiven für die Zukunft: „Wo hat der Verkehr nichts mehr zu suchen? Wie lässt sich der öffentliche Nahverkehr in der Stadt bewerkstelligen?“

Als positiv bewertete es Frieder Vielsack (UWG), dass sich die Stadt auf den Weg macht. Den müsse man aber „gründlich gehen“, um am Ende Ergebnisse vorliegen zu haben, mit denen zu arbeiten ist. Wenn es nach dem Stadtentwicklungsausschuss geht, kann das Konzept für den VEP gebilligt werden. Gegenstimmen gab es nicht. Am Ende entscheidet aber der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung darüber.

So werden die Grundlagen für den Verkehrsentwicklungsplan geschaffen

Das Thema „Verkehr und Mobilität“ war eines der Handlungsfelder, mit denen sich das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) auseinandergesetzt hat. Ziele, für die nun konkrete Maßnahmen im Verkehrsentwicklungsplan (VEP) erarbeitet werden und bei denen der Kfz-Verkehr nicht im Zentrum steht. Es geht um nachhaltige Mobilität, bei der Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer gesucht sind.

Dazu zählt die Optimierung und Ausbau des Straßennetzes für eine ortsverträgliche Abwicklung des Verkehrs, die Etablierung eines zusammenhängenden innerörtlichen Wegenetzes für den Fuß- und Radverkehr, Erhalt und Steigerung der Attraktivität des Öffentlichen Verkehrs und die bedarfsgerechte Bereitstellung und verträgliche Integration von Stellplätzen im Stadtgebiet. Straßenbereiche, in denen besonders dringender Handlungsbedarf ist, sollen untersucht werden, um Maßnahmen unabhängig vom VEP zeitnah umzusetzen.

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Doch wie geht man vor? In einem ersten Schritt beschreibt eine Bestandsanalyse die gesamte Infrastruktur für alle Verkehrsarten. Dazu wird es Verkehrszählungen an mehreren Knotenpunkten im Stadtgebiet geben. Eine Kennzeichenerfassung und Verkehrsbefragung soll Antworten auf den Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehr liefern. Befragungen auf dem Wochenmarkt oder über das städtische Online-Portal soll die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer erreichen.

Auf Grundlage der gesammelten Daten soll ein Verkehrsmodell erstellt werden, das zum einen die Bestandssituation aufzeigt und die zukünftige Entwicklung berücksichtig. Auch die Bürger können sich einbringen und Impulse für Zielvorgaben geben: In einem Workshop können sie Verkehrsprobleme benennen, die es zu lösen gilt. In einem zweiten Workshop werden die Analyseergebnisse vorgestellt, auch hier können die Bürger nochmals Feedback geben, bevor in einem letzten die Ergebnisse des VEP vorgestellt werden. Das Realisierungskonzept soll schlussendlich nicht nur die nötigen Maßnahmen darstellen, sondern sie auch priorisieren.

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