Liebenswerte Aufgabe

Stachlige Hausgenossen: Familie Distler aus Waldkraiburg päppelt unterernährte Igel auf

„Igel-Mama“ Agnes Distler und ihr Mann Bruno freuen sich über jedes Gramm, das die unterernährten Viecherl in ihrer Obhut zulegen. Privat
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„Igel-Mama“ Agnes Distler und ihr Mann Bruno freuen sich über jedes Gramm, das die unterernährten Viecherl in ihrer Obhut zulegen. Privat
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Seit vielen Jahren ist Bruno Distler, den alle nur „Pauli“ nennen, nicht mehr im Polizeidienst. Doch eins gilt bis heute: Der „Pauli“ ist ein Freund und Helfer geblieben. Mit seiner Frau Agnes hat er zwei kleinen Igelchen das Leben gerettet.

Waldkraiburg –Vor knapp zwei Wochen nahmen die Distlers die beiden völlig unterernährten Tiere zu sich. Und freuen sich über jedes Gramm, das die stachligen Hausgenossen zulegen.

Igel-Großfamilie fühlt sich pudelwohl

Seit sie keinen Hund mehr haben, haben es den Distlers die Stacheltiere angetan. Eine Igel-Großfamilie fühlt sich in ihrem Garten pudelwohl: Vater und Mutter, zwei Halbstarke und zwei Nachzügler, die wohl zu spät geboren wurden, um ohne Hilfe durch den Winter zu kommen.

Überwachungskamera am Igelhaus

Das wurde den Distlers klar, als sie die Bilder der Überwachungskamera sahen, die der „Pauli“ am Igelhaus angebracht hat, das sie mit viel Laub zu einem richtig gemütlichen Unterschlupf gemacht hatten. „Im Herbst haben wir angefangen, ein bisschen zuzufüttern“, sagt der 74-Jährige. Doch als die Sechserbande zum Essen Fassen kam, war unschwer zu erkennen: Aus eigener Kraft würden die zwei Fliegengewichtler es nicht durch die kalte Jahreszeit schaffen. „Der eine wog nur 210 Gramm, der andere hatte 215 Gramm.“ Also deutlich weniger als ein Pfund. So viel sollten Jungigel Anfang November laut Bund Naturschutz (BN) wiegen, um eine gute Prognose für den Winter zu haben.

Bruno Distler mit einem Schützling

Besonders geschützte Tierart

Der Igel sei eine besonders geschützte Tierart, betont der BN-Kreisverband. Nur unterernährte Jungtiere, die leichter als ein Pfund sind, sowie kranke und verletzte Igel dürfen häuslich aufgenommen und gepflegt werden.

„Wir haben uns natürlich schlau gemacht“, sagt Bruno Distler, der als Jäger ohnehin Sachkenntnis im Umgang mit Wildtieren mitbringt. Im Supermarkt hat er Katzenfutter gekauft, aus Altötting Igeltrockenfutter geholt. „Das wird gemischt. Und zu trinken gibt es Fencheltee. Auf keinen Fall Milch.“ Die können Igel nämlich nicht verdauen.

Nach einer Woche haben sie schon ganz schön zugelegt

Das Futter bei Distlers scheint ihnen ganz gut zu bekommen. Beide haben zugenommen, bringen nach gut einer Woche 290 und etwas über 300 Gramm auf die Waage. „Die beiden machen uns eine Mordsfreude.“ Den ganzen Tag schlafen die nachtaktiven Stachler eingerollt in einer Kiste mit viel Laub, die die Distlers in der Waschküche aufgestellt haben. Manchmal nach 17 Uhr lassen sich die scheuen Tiere ganz kurz beim Fressen zuschauen.

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Vielleicht klappt es sogar, dass sie schon bald wieder in die Freiheit entlassen werden können. Das ist das Ziel, sobald die Igel sich eine Fettschicht angefressen haben und es draußen nicht zu kalt ist. Mit dem Tierarzt haben sie das schon besprochen. Dr. Thomas Drechsel, der bei Wildtieren nichts verlange, habe die Viecherl gegen Würmer und Parasiten behandelt, so Distler: „Die waren nämlich voller Flöhe und Läuse.“

Laubhaufen und Rühreier: BN gibt Tipps für Igelfreunde

Nur kranke, verletzte, unterernährte Igel dürfen in Pflege genommen werden, betont der Kreisverband des Bund Naturschutz. Allen anderen Tieren kann jeder Gartenbesitzer aber helfen, um gut durch den Winter zu kommen.

Damit Igel gut durch den Winter kommen, sollten Gartenbesitzer wilde Laubecken im Garten einrichten. Für die Stacheltiere sind das Quartiere und Vorratskammern zugleich.

Der November ist für die Igel ein tückischer Monat. Manche sind bereits im Winterschlaf, Weibchen und Jungtiere suchen häufig noch nach Nahrung und einem Quartier. Die Ordnungsliebe vieler Menschen, die das Laub aus Gärten entfernen, macht ihnen das schwer. Denn Laufhaufen sind für den Igel gewissermaßen Vorratsschränke. Dort leben Würmer und Insekten, seine bevorzugte Nahrung.

Der BN-Kreisverband appelliert deshalb an alle Gartenbesitzer, wilde Ecken mit Laubhaufen einzurichten. Werden Winterquartiere durch übertriebene Gründlichkeit zerstört, dann muss der Igel einen neuen Schlafplatz suchen. Das kostet Energie, kann tödlich enden.

Wer Igel durch Zufütterung helfen will, kann ihnen Rühreier oder Katzenfutter geben, keine Milch. Und ein Unterschlupf in der Nähe der Futterstelle ist wichtig. Die Tiere brauchen ein Versteck, damit sie bei kühlen Temperaturen weit laufen müssen und Energie verlieren.

Infos auf www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/igel

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