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Finanzierung nicht gesichert

Sterben in Würde: Hat die Waldkraiburger Hospiz-Insel eine Zukunft?

Hospiz-Insel in Waldkraiburg: Die krebskranken Beate (links) und Margit (Mitte) könne hier - liebevoll betreut von Pflegerin Isabella Maier - würdevoll Abschied vom Leben nehmen.
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Hospiz-Insel in Waldkraiburg: Die krebskranken Beate (links) und Margit (Mitte) können - liebevoll betreut von Pflegerin Isabella Maier - würdevoll Abschied vom Leben nehmen.
  • Jörg Eschenfelder
    VonJörg Eschenfelder
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Das Lebensende würdevoll zu gestalten ist schwierig. Wie es geht, zeigt die Hospiz-Insel des Anna-Hospiz-Vereins. Ihre dauerhafte Finanzierung ist aber nicht gesichert. So könnte es weitergehen.

Waldkraiburg – Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Wohnung im Adalbert-Stifter-Wohnheim: Flur, vier Zimmer, Bad, ein kleines Büro und eine Wohnküche mit Esstisch und Couch. Die Einrichtung ist freundlich, auf dem Tisch steht ein Adventskranz, eine Fototapete mit Sandstrand schmückt die Stirnwand. Auf den ersten Blick deutet nichts darauf hin, dass es sich um einen Ort handelt, zu dem Menschen kommen, um Abschied zu nehmen. Abschied vom Leben. Dem eigenen Leben.

Es handelt sich um die Hospiz-Insel des Anna-Hospiz-Vereins. Hier verbringen Menschen, die zuhause nicht mehr versorgt werden können, qualifiziert betreut ihre letzten Tage und Wochen, bis sie sterben.

„Die verwöhnen uns und versuchen, uns jeden Wunsch zu erfüllen“, erzählt die 69-jährige Beate Ringwitz-Witzmann. Sie hat Speiseröhren- und Mundhöhlenkrebs. „Da kann man nichts machen.“  Sie konnte dank der Betreuer und des Wünschemobils des BRK erstmals in ihrem Leben reiten. „Ich habe immer davon geträumt. Es war ein Traum.“ Auch Margit Wieshuber (75), die Brustkrebs hat, wurde ein Lebenstraum erfüllt: die Begegnung mit einer Eule. Für sie kam ein Falkner mit einem Uhu in das Adalbert-Stifter-Heim.

„Ich nehme starke Medikamente“, erzählt Margit, die daheim nicht mehr alleine leben kann. Auch die Kinder können sie nicht pflegen. „Die sind berufstätig. Die müssen selber schauen, dass sie über die Runden kommen.“ Daher verbringt sie ihre letzten Wochen ihres Lebens hier.

Die Hospiz-Insel, ins Leben gerufen mit Spendengeldern aus der Weihnachtsaktion der OVB-Heimatzeitungen, bietet seit vier Jahren bis zu vier Gästen ein letztes Zuhause, finanziert durch Spenden, durch den Anna-Hospiz-Verein, das Adalbert-Stifter-Wohnheim und einen Eigenbetrag der Gäste. Rund 46 Gäste hat die Insel im Jahr. Insgesamt bisher knapp 160 aus dem ganzen Landkreis. Durchschnittliche Wohndauer: 25 Tage.

„Wir teilen das gleiche Schicksal“, erzählt Beate. „Wir reden und weinen miteinander. Wir lachen aber auch und müssen es nicht so ernst nehmen. Wir erleben, dass es noch was anderes gibt als den Tod.“ Margit ergänzt: „Abschiednehmen ist immer ein großer Schritt. Er ist schwer, egal ob daheim oder hier. Aber man ist nicht allein.“

Ein Ort, an dem die Würde des Menschen gewahrt wird

„Wir wollen unseren Gästen einen Ort bieten, wo ihre Würde gewahrt wird“, sagt Petra Zimmermann-Schwier, Geschäftsführerin des Anna-Hospiz-Vereins.  Krankenhäuser könnten das nicht leisten, immer mehr Ältere lebten alleine und die Hospize in Bernau und Vilsbiburg seien zu weit weg. Deshalb fülle die Hospiz-Insel in Waldkraiburg eine wohnortnahe, niederschwellige Lücke. „Oft geht es nur um die letzten Wochen oder Tage“, sagt Zimmermann-Schwier.

Petra Zimmermann-Schwier, Geschäftsführerin des Anna-Hospiz-Vereins Mühldorf

Entscheidende Tage für die Gäste und ihre Familien. Wie bei einer 45-jährigen Mutter mit Krebs im Endstadium. „Sie wollte ihrer Familie das eigene Haus als unbelasteten Rückzugsraum lassen“, erzählt Zimmermann-Schwier. Daher verbrachte sie ihre letzten Tage in der Insel. Ihre 13-jährige Tochter und ihr Mann besuchten sie viel und oft, fanden Gesprächspartner, konnten sich auch mal zurückziehen und Luft holen. „Sie konnten nochmal für ein paar Tage einfach wieder Familie sein, nachdem sie sich nicht mehr um die Pflege kümmern mussten.“ Und die 45-Jährige starb in Würde und Ruhe.

Altenpflege wie sie sein sollte

„Wir haben hier noch Zeit für unsere Gäste“, sagt Isabelle Maier. Die Altenpflegerin arbeitet seit vier Jahren in der Hospiz-Insel. „Wir können unsere Gäste adäquat versorgen, können uns um den Einzelnen kümmern. Wenn es nicht so wäre, wäre ich nicht da.“

Der Tod ist ein ständiger Begleiter, auch für die Gäste. Beate erzählt von einer 86-jährigen Mitbewohnerin, die sie miterlebt hat. Zum 63. Hochzeitstag kam ihr Mann (86) mit Sekt und Rosen aus dem eigenen Garten. Beate: „Wir waren alle bei ihr. Sie ist schon weggedämmert, aber sie hat es bestimmt noch gemerkt.“ Danach ist sie gestorben. „Ihr Mann hat es sehr gefasst aufgenommen und sich für alles bedankt. Diesen Tod zu begleiten, war schön.“

Jährliches Defizit von 220.000 Euro - Anna-Hospiz-Verein bittet Kommunen um Hilfe

Im Gegensatz zu den Hospizen, die je 60.000 Einwohner einen Platz bieten, wird die Hospizinsel nicht von den Krankenkassen finanziert und hat jährlich ein Defizit von rund 220.000 Euro; davon übernimmt der Anna-Hospiz-Verein gut 180.000 Euro. Deshalb bemüht sich der Verein, dass die Insel künftig auch von den Krankenkassen finanziert wird. Um das zu erreichen, wird die Arbeit seit dem Sommer mit Unterstützung des Bayerischen Gesundheitsministeriums wissenschaftlich begleitet.

Bis die Regelfinanzierung kommt, kann der Verein das Defizit nicht mehr im bisherigen Umfang tragen. Daher bat die Geschäftsführerin des Anna-Hospiz-Vereins, Petra Zimmermann-Schwier, die Bürgermeister und den Landrat bei ihrer Versammlung um einen Zuschuss von 20 bis 50 Cent je Einwohner.

Die Bürgermeister und Landrat sind aufgeschlossen

„Das ist ein vertretbarer Betrag“, meinte Bürgermeister-Sprecher und Buchbachs Bürgermeister Thomas Einwang. Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch war auch dafür und hoffte, „dass wir alle an einem Strang ziehen.“ Waldkraiburg sei nur der Standort, die Insel sei für alle Landkreis-Bürger da. Auch Landrat Max Heimerl unterstützte das Anliegen: „Ich hoffe, dass wir da nicht intensiv diskutieren müssen.“ Er sprach sich dafür aus, dass auch der Landkreis seinen Beitrag leistet. Die Arbeit der Hospiz-Insel dürfe „nicht an der konjunkturellen Entwicklung hängen“.

Trotz dieser positiven Rückmeldung ist die Finanzspritze der Kommunen noch nicht gesichert. Die Mittel müssen erst noch von den jeweiligen Gemeinde-, Stadt- und Kreisräten beschlossen werden.

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