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Gefahrgut-Experten in Niederbayern im Einsatz

„Das war eine Materialschlacht“: Waldkraiburger Feuerwehr bei Tanklaster-Unfall gefordert

Über 17 Stunden lang war die Bundesstraße 299 am Wochenende nach dem Unfall des Tanklastzuges gesperrt, rund 300 Einsatzkräfte wurden laut Polizeiangaben alarmiert, mittendrin die Feuerwehrleute aus Waldkraiburg.
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Über 17 Stunden lang war die Bundesstraße 299 am Wochenende nach dem Unfall des Tanklastzuges gesperrt, rund 300 Einsatzkräfte wurden laut Polizeiangaben alarmiert, mittendrin die Feuerwehrleute aus Waldkraiburg.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Einen ganzen Tag lang hatten Einsatzkräfte damit zu tun, einen leck geschlagenen Tanklastzug nach einem Unfall bei Geisenhausen von der B299 zu bringen. Mittendrin die Spezialisten vom Gefahrgutzug der Waldkraiburger Feuerwehr.

Waldkraiburg/Geisenhausen – Seit 32 Jahren ist Rainer Englmeier an vorderster Front dabei, wenn die Waldkraiburger Feuerwehr zu Gefahrguteinsätzen ausrücken muss. Doch was sich am Samstag auf der B 299 nicht weit von Geisenhausen abspielte, das kommt auch dem erfahrenen Feuerwehrmann nicht allzu oft unter. Nach dem Unfall eines Tanklastzugs, der zigtausend Liter Kraftstoff transportierte, war die Straße über 17 Stunden lang gesperrt. Weil Diesel aus einem leck geschlagenen Tank austrat, waren laut Polizei Vilsbiburg rund 300 Einsatzkräfte alarmiert worden. Mittendrin: 27 Aktive der Feuerwehr Waldkraiburg.

Tanklastzug hatte 35.000 Liter Treibstoff geladen

Seit drei Jahrzehnten gehört Rainer Englmeier dem Gefahrguttransport an: Der Einsatz in Niederbayern zählt zu den größeren Herausforderungen.

Kurz nach 10 Uhr war der Tanklaster aus ungeklärter Ursache auf Höhe der kleinen Ortschaft Johannesbergham von der Straße abgekommen. Beim Zurücklenken kippte das Fahrzeug und blieb liegen. Der Fahrer kam mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Am Laster, der 20.000 Liter Super und 15.000 Liter Diesel geladen hatte, entstand Schaden in Höhe von 100.000 Euro.

Spezialist mit Heli eingeflogen

Und für die Feuerwehren, die dafür sorgen mussten, dass so wenig wie möglich Diesel austritt und das Erdreich verseucht, begann ein langer Tag. Die normale Abladevorrichtung des Tanklasters war bei dem Unfall völlig zerstört worden. Neben Fachleuten vom THW und vom Wasserwirtschaftsamt wurde sogar ein Spezialist der Herstellerfirma des Aufliegers mit dem Polizeihubschrauber eingeflogen, um zu entscheiden, wie die Einsatzkräfte vorgehen sollen.

27 Aktive aus Waldkraiburg stundenlang im Einsatz

„Der Tankzug lag sehr ungünstig, quer über der Bundesstraße. Man kann einen gefüllten Tanklaster nicht einfach aufstellen. Er könnte brechen“, sagt Rainer Englmeier, der den Einsatz des Waldkraiburger Gefahrgutzuges als Zugführer leitete. Mit 21 Aktiven und dem Gerätewagen Gefahrgut waren sie ausgerückt, sechs weitere kamen später noch hinzu.

Explosionsgefahr überwacht

Der Part der Waldkraiburger war es, die Explosionsgefahr zu überwachen. Permanent sei dies mit den Messgeräten des Spezialfahrzeugs gecheckt worden, so Englmeier. Doch darin bestand nicht die große Herausforderung. „Dieses Risiko war gering, Es war ja kein Gift“, so wie vor mehreren Jahren, beim Unfall eines Lastzuges in Albaching, der Essigsäure geladen hatte.

Hochzeit im Nachbarort musste nicht abgesagt werden

Eine Hochzeit, die in einem Eventstadl in der nahegelegenen Ortschaft stattfand, musste wegen des Unfalls nicht abgebrochen werden.

Die große und zeitaufwendige Herausforderung bestand darin, den Treibstoff aufzufangen und „irgendwie zu versuchen, die Menge, die ausläuft, zu verringern“. Unter dem Tanklastzug wurde mit dem Bagger ein Loch gegraben, um Platz für einen Behälter zu schaffen und über Rinnen darin den Diesel aufzufangen. Von dort wurde er in Behälter gepumpt und von einem Tanklastzug aufgenommen und abtransportiert. „Wir haben auf der einen Seite gearbeitet, die Landshuter auf der anderen.“

Gewitter am Abend erschwerten Einsatz

Rainer Englmeier hat schon viel erlebt, den Zusammenstoß von Kesselwaggons am Mühldorfer Bahnhof oder den schweren Unfall eines Tanklasters in Mühldorf-Ehring.

Am Vormittag wurden sie alarmiert, gegen 22 Uhr war der Einsatz für den Großteil der 27 Waldkraiburger Feuerwehrleute beendet.

Doch der Einsatz vom Samstag „hatte es in sich. Das war eine Materialschlacht. Unsere Leute waren zum Teil bis zu viermal unter Atemschutz. Wir haben die gesamte Schutzbekleidung aufgebraucht.“

Gegen 19 Uhr gingen schwere Gewitter über Niederbayern nieder. Die Arbeiten dauerten auch da noch an. Gegen 22 Uhr war für den Großteil der Waldkraiburger Feuerwehrleute der Einsatz beendet. Ein letztes Fahrzeug sei erst um Mitternacht heimgekehrt. Englmeier fast stoisch: „Solche Einsätze dauern. Das muss man wissen.“

Unklar, wie viel Diesel tatsächlich ausgelaufen ist

In der Nacht zum Sonntag, gegen 3.30 Uhr, konnte der Tanklaster geborgen und die Bundesstraße wieder für den Verkehr frei gegeben werden. Mit einem Bagger wurde verseuchtes Erdreich abgetragen. 14.000 Liter Diesel, wie es am Wochenende in diversen Presseveröffentlichungen hieß, seien nicht ausgelaufen, erklärt eine Sprecherin der Vilsbiburger Polizei. Wie viele tausend Liter tatsächlich ausgetreten sind, dafür gibt es derzeit keine amtliche Zahl.

Gerätewagen Gefahrgut

Der Gerätewagen Gefahrgut dient zur Bereitstellung von Geräten zum Messen und Nachweisen gefährlicher Stoffe, zum Auffangen, Umfüllen, Abdichten von Gefahrgütern und -stoffen. Im GW-G wird die persönliche Sonder- und Schutzausrüstung einer Gruppe für den ABC-Dienst mitgeführt. Gefahrgut-Wagen stehen in Waldkraiburg, Rosenheim, Bad Reichenhall, Eggenfelden, Landshut und Erding.

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