Azubis verzweifelt auf der Suche

Wohnungsnot in Waldkraiburg: AWO warnt vor dem Kollaps auf dem Wohnungsmarkt

Noch haben sie die Hoffnung nach einer eigenen Wohnung nicht aufgegeben: Michelle Matthes (von links), Eko Sahin und Nicole Eggersdorfer.
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Noch haben sie die Hoffnung nach einer eigenen Wohnung nicht aufgegeben: Michelle Matthes (von links), Eko Sahin und Nicole Eggersdorfer.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Die Konkurrenz um Wohnraum wird größer – nicht erst seit Fertigstellung der A94. Ganz schwierig ist es für Jugendliche in einer prekären Situation, deren Ausbildung von einer eigenen Wohnung abhängt. Längst kein Einzelfall mehr, heißt es beim AWO Projektehaus Jagus. Die Situation werde immer schlimmer.

Waldkraiburg – Draußen ein grauer November-Tag, drinnen sprechen Eko Sahin (21), Nicole Eggersdorfer (22) und Michelle Matthes (21) über ein Thema, das sie seit Monaten eint: die Wohnungssuche. Nicole macht bei Jagus eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement, Eko und Michelle befinden sich in einer berufsvorbereitenden Maßnahme.

Seit Monaten auf der Suche nach einer Wohnung in Waldkraiburg

Seit Februar suchen Eko und Michelle nach einer Unterkunft, vor zwei Monaten hat Nicole angefangen zu suchen. Mittlerweile aber schon wieder aufgegeben: „Ich schließe erst meine Ausbildung ab, suche einen Job und schaue erst dann wieder nach einer Wohnung. Vielleicht bin ich dann für Vermieter interessanter“, sagt Nicole.

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Innerlich die Hoffnung aufgegeben haben auch Eko und Michelle, aber keine Wohnung ist keine Option. Eko wohnt mit ihrer Mutter gemeinsam in einem Zimmer in Mühldorf – ohne Küche und eigenes Bad. Eine unhaltbare Situation, weshalb sie oft bei Freunden schläft. „Ich muss da raus.“ Michelle wohnt bei ihrer Mutter, muss aber aus familiären Gründen bis spätestens Ende Januar für sich und ihren Sohn eine eigene Wohnung finden. Doch für beide Frauen sind die Aussichten schlecht.

Schlechte Karten, wenn die Miete vom Jobcenter kommt

„Zu jung, Jugendliche machen nur Party, nehmen Drogen oder weil ich türkische Wurzeln habe: Die Gründe der Vermieter sind ganz unterschiedlich“, erzählt Eko. Für viele Wohnungen bekomme sie keinen Besichtigungstermin, wenn klar sei, dass das Jobcenter die Miete überweise. „Bei Wohnungen, die von bestimmten Maklern vermittelt werden, braucht man gar nicht erst nach einem Termin fragen“, bestätigt auch Michelle. Hartz IV-Empfänger hätten hier keine Chance.

Vermieter würden es Nicole nicht zutrauen, alle Herausforderungen des Alltags zu schaffen: Ausbildung, Kind und Haushalt. „Das Kind ist oft ein Kriterium, weshalb ich eine Absage bekomme.“ Ein Vermieter hätte ihr sogar eine Wohnung gegeben – aber ohne Kind.

Die Auswahl an Wohnungen ist begrenzt in Waldkraiburg

Sandra Eigner und Andrea Lüppen arbeiten als Pädagoginnen im Projektehaus und kennen die Sorgen der drei jungen Frau sehr gut. Die schwierige Wohnungssuche werde zu einer großen Belastung. „Es wird immer schlimmer, es hört gar nicht mehr auf. Aktuell haben wir etwa sechs, sieben Leute bei uns, die eine Wohnung suchen.“

Die Auswahl ist ohnehin begrenzt. Weil die Auszubildenden auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind, kommen viele Wohnungen ohnehin nicht in Frage.

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Die Pädagoginnen unterstützen bei der Wohnungssuche, gehen mit zu Besichtigungsterminen und sind auch Ansprechpartner für die Vermieter. „Sonst haben die Jugendlichen keine Chance, sie brauchen einen Fürsprecher“, sagt Andrea Lüppen. Das nehme mittlerweile einen großen Teil ihrer Arbeit ein. Trotzdem würden viele Vermieter skeptisch bleiben.

Die aussichtslose Suche nach einer Wohnung zermürbt. „Wenn ich keine Wohnung finde, muss mein Sohn übergangsweise zu seinem Papa“, sagt Michelle. Dauere die Situation weiter an, müsse sie in eine Mutter-Kind-Einrichtung. So weit will sie es gar nicht kommen lassen: Zuvor suche sie sich einen Job, um genügend Geld zu verdienen. Eine Ausbildung würde sie dann aber nicht machen können.

Keine Angebote für Auszubildende

Das Projektehaus will den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive bieten. „Unsere Teilnehmer versuchen, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Dazu braucht es aber oft auch eine Wohnung“, sagt Andrea Lüppen. Denn über ihr Leben könnten sie sich nur schwer Gedanken machen, wenn sie nicht wüssten, wo sie am nächsten Tag schlafen sollen.

Die Suche nach einer Wohnung ist schwierig, der Markt angespannt. „Durch die Autobahn kommen noch mehr Leute in die Region, die Mieten werden teurer“, befürchtet Nicole. Mit einem Lehrlingsgehalt eine eigene Wohnung zu finanzieren, sei generell schwierig. Sich gegen andere Interessenten zu behaupten, sei sogar noch schwieriger.

„Mit festem Arbeitsvertrag tut man sich leichter, eine Wohnung zu bekommen“, sagt auch Eko. Die Hoffnung auf eine eigene Wohnung hat sie noch nicht aufgebeben. „Für Studenten werden Wohnungen gebaut, wieso nicht auch für Auszubildende?“ Dann wäre die Suche deutlich einfacher.

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