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Naturnahe Gräber

Urne unter einem Baum: So können Angehörige jetzt ihre Toten am Waldfriedhof beerdigen

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Das neue Grabfeld für Baumbestattungen nicht weit von der Aussegnungshalle: In der Mitte hat die Friedhofsgärtnerei eine Fläche mit zwei Platanen gestaltet, dort gibt es auch die Möglichkeit, sich auf Ruhebänken niederzulassen und innezuhalten. An vier Eichenstehlen können die Namen der Verstorbenen angebracht werden.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Immer mehr Menschen verbinden wenig mit kirchlichen Gräbern oder klassischen Bestattungen. Sie beginnen nach Alternativen zu suchen. Am Waldfriedhof in Waldkraiburg sind daher nun zum Beispiel Baumbestattungen möglich.

Waldkraiburg – „Ist das nicht eine schöne Idee? Wenn Menschen sterben, für sie einen Baum zu pflanzen?“ Brigitte Ruchlinski weiß, ihr verstorbener Mann, Stadtrat Gerd Ruchlinski, würde das sicher so sehen. Er wird der erste sein, dessen Urne unter einem Baum im Waldfriedhof bestattet wird. 

Im Waldkraiburger Waldfriedhof gibt es viele Möglichkeiten, Verstorbene würdig zu bestatten. Seit Kurzem bietet die Stadt eine neue Form an: Urnenbeisetzungen an Gemeinschafts- und Familienbäumen, bald auch in einem Rosengarten. Damit greift sie die Idee auf, aus den sterblichen Überresten etwas Neues in der Natur entstehen zu lassen. 

Für den Toten einen Baum pflanzen 

Eine Vorstellung, die vielen Menschen gefällt, Menschen wie Brigitte Ruchlinski. Die Waldkraiburgerin hat vor drei Monaten ihren Mann verloren. Gerd Ruchlinski (74), Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz und Umweltreferent des Waldkraiburger Stadtrates, wurde mitten aus dem Leben gerissen. Völlig unerwartet ist er im Februar gestorben. Wenige Stunden nach einer Stadtratssitzung. Am Abend vor dem Zubettgehen habe sie sich noch mit ihm unterhalten, erzählt die 70-Jährige. Am Morgen war er tot.

Brigitte Ruchlinski blättert in der Kondolenzpost, vor einem Foto ihres verstorbenen Mannes, dessen Urne sie in einem neuen Grabfeld für Baumbestattungen auf dem Waldfriedhof beisetzen möchte. Auch sie selbst möchte einmal auf diese Weise bestattet werden.

 „Für mich lebt er in meinen Kindern und Enkelkindern weiter und in all den schönen Erinnerungen aus den gemeinsamen 50 Jahren.“ Wie es nach dem Tod wirklich weiter geht? „Letztlich weiß das niemand“, sagt die Yogalehrerin, die sich selbst als „religiös, aber nicht kirchlich“ beschreibt. „Seine Seele ist jetzt irgendwo, da gibt es viele schöne Ideen. Energie kann ja nicht sterben.“ 

Keinen Bezug zu Gräbern

Sie habe nie einen Bezug zu Gräbern gehabt, bekennt Brigitte Ruchlinski, „schon gar nicht zu Urnenhainen“. „Um mich mit meinen Verstorbenen in Verbindung zu fühlen, brauche ich persönlich keinen bestimmten Ort.“ In ihrem Wohnzimmer gibt es ein „Toteneckerl“. Da hängen die Fotos derer, die schon gegangen sind. Da stehen ein paar Blümchen. Dort zündet sie eine Kerze an, wenn sie das Bedürfnis dazu hat. 

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Sie hätte sich gut vorstellen können, die Urne mit der Asche ihres Mannes daheim im Garten zu bestatten, erzählt sie. Doch das ist in Deutschland nicht erlaubt. Auch die Beisetzung in einem Friedwald hätte zu ihrem Mann gepasst, einem so naturverbundenen Menschen. Davon hat sie auch Bürgermeister Robert Pötzsch erzählt, als dieser als einer der ersten kondolierte. Pötzsch hat sie damals darauf aufmerksam gemacht, dass es auch im Waldfriedhof bald die Möglichkeit der Baumbestattungen geben wird. Und Brigitte Ruchlinski hat an dieser Form mehr und mehr Gefallen gefunden. „Da schließt sich ein Kreis“, sagt sie im Blick auf ihren Mann, der sich so stark mit der Stadt Waldkraiburg verbunden gefühlt hat. 

Neue Formen der Bestattung

Die Stadt setze mit dem Grabfeld ein Zeichen, auch neue Formen der Bestattung zu akzeptieren, findet die 70-Jährige. Bislang ist die Urne mit der Asche ihres Mannes nicht beigesetzt. Nach der Eröffnung der neuen Grabfelder für die Urnenbestattung an Gemeinschafts- und Familienbäumen vor wenigen Tagen kann dies nun geschehen. 

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Die schöne Vorstellung von der Bestattung im Einklang mit der Natur wollten die Friedhofsverwaltung und die Mitarbeiter im Friedhof stimmig umsetzen, wie Norbert Meindl bei der Eröffnung der neuen Grabfelder betonte. Auch praktische Gründe haben eine Rolle gespielt: Die Baumbestattungen sind ebenso wie der Rosengarten pflegefreie, naturnahe Formen und entlasten die Angehörigen bei der Grabpflege. Mit den Baumbestattungen entsteht aber kein Bestattungswald. Im Waldfriedhof musste eine eigene Form gefunden werden, „etwas Besonderes, das unseren Friedhof weiter aufwertet“, so Meindl. 

Schönster Friedhof im Landkreis

Der parkähnlich angelegte Waldfriedhof, der 2015 als „schönster Friedhof im Landkreis“ ausgezeichnet wurde, sei „fast schon ein magischer Ort“, sagte Bürgermeister Pötzsch. Ein Ort, an dem der Besucher zur Ruhe kommen und positive Energie tanken könne. Pfarrer Simon Stritar und sein katholischer Kollege Pater Bernhard Stiegler, die den ökumenischen Segen spendeten, gratulierten der Stadt „zu diesem Friedhof“. Pfarrer Stritar: „Als Stadt und Kirche tun wir gut daran, wenn wir flexibel mit den verschiedenen Bestattungsformen umgehen.“ Die Höhe der Gebühren für Baumbestattungen steht noch nicht fest. Derzeit überplant ein Kommunalberatungsbüro die gesamte Friedhofsgebührensatzung. 

Weitere Informationen über die neue Bestattungsform gibt es bei der Friedhofsverwaltung im Rathaus.

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