12,50 EURO FÜR EINSTEIGER

Vor Waldkraiburger Vion-Betrieb: Schlachter und Gewerkschaften kämpfen um höhere Löhne

Manuel Halbmeier von der Gewerkschaft NGG (links) und Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner vom DGB wollen höhere Löhne in der Fleischbranche durchsetzen.
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Manuel Halbmeier von der Gewerkschaft NGG (links) und Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner vom DGB wollen höhere Löhne in der Fleischbranche durchsetzen.
  • vonPeter Becker
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Im Vion-Schlachthof in Waldkraiburg ist das neue Arbeitsschutzkontrollgesetz umgesetzt. Jetzt kämpfen die Gewerkschaften um höhere Löhne für die ausländischen Mitarbeiter.

Waldkraiburg – Er ist einer der modernsten Betriebe seiner Art in ganz Europa. Doch auch der 2018 nach zwei Jahren Umbau eröffnete größte Rinderschlachthof Deutschlands ist Teil der Fleischindustrie, deren unhaltbare Zustände im Zuge des Corona-Skandals bei Branchenführer Tönnies in Nordrhein-Westfalen zutage traten und die Bundesregierung auf den Plan rief. Ein neues „Arbeitsschutzkontrollgesetz“ soll nun die Arbeitssituation der Beschäftigten verbessern.

Ein mühsamer Prozess

Doch das ist ein mühsamer Prozess, wie Vertreter des DGB und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bei einer Aktion vor den Toren des Vion- Schlachthofs in der Traunreuter Straße bestätigten.

„Deutschland ist nach den USA und Brasilien der drittgrößte Fleischexporteur der Welt“, erklärt Oskar Brabanski, der für die Initiative „Fair Arbeiten“ bzw. „Faire Mobilität“ des DGB ausländische Beschäftigte in der Branche über ihre Arbeitsrechte aufklärt.

4200 Rinder werden pro Woche in Waldkraiburg geschlachtet, und 800 Tonnen Rindfleisch zerlegt.

250 ausländische Mitarbeiter angestellt

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten in der Fleischindustrie, die sich in den vergangenen 20 Jahren immer mehr in Großbetriebe verlagert habe, komme inzwischen aus dem Ausland. In Waldkraiburg kommen sie vor allem aus Rumänien. Der Personalverantwortliche des Vion-Schlachthofs, Christian Jung, hat bereits im Februar die Einstellung von rund 250 Arbeitskräften abgeschlossen. Gut 400 Beschäftigte zählt die Belegschaft damit insgesamt.

Bislang nur Mindestlohn

Doch dass es darüber hinaus noch viel zu tun gebe, davon ist Sevghin Mayr vom DGB überzeugt: „Deutsch können die wenigsten hier und sie bekommen, obwohl sie qualifizierte Arbeit leisten, nur den Mindestlohn.“

Betriebsrat Franz Eder fällt ein kurzes, aber klares Urteil: „Das ist blanker Hohn!“ Seit 30 Jahren arbeitet er bereits im Waldkraiburger Schlachthof, schon als das Unternehmen noch als Südfleisch firmierte. Auch er ist überzeugt, dass in der Branche deutlich zu wenig bezahlt werde.

Jeder andere Mitarbeiter bekomme mehr, doch die Fließbandarbeiter mit ihrem Knochenjob würden mit 9,50 Euro in der Stunde abgespeist. Seiner Ansicht nach muss auch dort ein ordentliches Grundgehalt her, zumal die neuen Mitarbeiter ja nun auch hier sozialversicherungspflichtig sind und entsprechende Abzüge auf ihrem Lohnzettel finden.

Gewerkschaftsforderungen von Arbeitgeberseite abgelehnt

Die deutschlandweite Forderung der Gewerkschaft NGG lautet daher: 12,50 Euro für Einsteiger, 14 Euro nach einer Einarbeitungszeit und 17,50 Euro für eine ausgelernte Arbeitskraft. Diese Forderung wurde allerdings am Montag in Hamburg seitens der Arbeitgeber der Fleischindustrie abgelehnt, wie Manuel Halbmeier kritisiert.

NGG-Sekretär droht mit Arbeitskampf

„Die Konzerne müssen sich daher auf einen Arbeitskampf einstellen!“, erklärt der NGG-Sekretär vor den Toren des Werks in Waldkraiburg. Lediglich 10,50 Euro Stundenlohn sei das pauschale Angebot der Arbeitgeberseite.

Zwar verzichte die Gewerkschaft mit Blick auf Corona und die nötige Hygiene in den Betrieben vorerst auf große Streikaktionen. Aber nach den neuen gesetzlichen Regelungen könne nun niemand mehr die Gewerkschaften daran hindern, auch im Waldkraiburger Schlachthof aktiv zu werden und aufzuklären. „Das war auch schon mal anders: es gab Zeiten, da durften wir nicht mal hier auf dem Parkplatz stehen“, sagt Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner vom DGB.

Sevghin Mayr vom DGB, die mit den Arbeitern vor Ort in ihrer Muttersprache sprechen kann, hat bei den beiden Informationsterminen der Gewerkschaften herausgefunden: „Die meisten Schlachter in Waldkraiburg können sich nur über den Vorarbeiter verständigen.“ Dabei seien wohl zumindest in der Vergangenheit oft nach dem deutschen Recht nicht zulässige Arbeitszeiten und Schichtpläne entstanden und auch bei den Urlaubstagen habe es Unstimmigkeiten gegeben.

Vion-Vertreter: Neue gesetzliche Vorgaben werden längst eingehalten

Dass diese Zeit nun vorbei sei, beteuert Christian Jung: „Wir erfassen die Arbeitszeiten an verschiedenen Stellen inzwischen elektronisch“, sagt der Personalverantwortliche darüber, dass die neuen gesetzlichen Vorgaben bei Vion Waldkraiburg eingehalten werden. Zu den Lohnforderungen wollte er sich nicht äußern.

Das neue Arbeitsschutzkontrollgesetz

Bisher hatte auch Vion Waldkraiburg ausländische Subunternehmen für die Werkverträge engagiert, die dann selbst für die Arbeitskräfte sorgten. Nach dem neuen Arbeitsschutzkontrollgesetz sollen ab dem 1. April auch keine Leiharbeiter mehr eingestellt werden, wobei der Gesetzgeber eine Übergangszeit von drei Jahren festgeschrieben hat, um die Unternehmen bei Produktionsspitzen nicht vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Ziel ist es aber, dass auch langfristig immer alle Mitarbeiter direkt beim Schlachthof angestellt sind. Weiterhin wurden in dem neuen Gesetz Mindestanforderungen für etwaige Gemeinschaftsunterkünfte festgelegt und wie das Landratsamt Mühldorf auf Nachfrage mitteilt, wird die Regierung von Oberbayern als Kontrollbehörde künftig vermehrt Kontrollen in den Betrieben durchführen. Die Bußgelder für Verstöße gegen die neuen Regelungen wurden dabei empfindlich angehoben.

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