Von Null auf Sprachprofi

Wie drei Zuwanderinnen bei der VHS Waldkraiburg auftrumpften

Nach dem bestandenen „berufssprachlichen Deutschkurses mit Ziel C1“ loben Simona-Andreea Stoian (von links), Camelia-Calina Mirea und Eszter Péntek ihren Lehrer Walter Theil.
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Nach dem bestandenen „berufssprachlichen Deutschkurses mit Ziel C1“ loben Simona-Andreea Stoian (von links), Camelia-Calina Mirea und Eszter Péntek ihren Lehrer Walter Theil.
  • vonUschi Huckemeyer
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„Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – Camelia-Calina Mirea, Eszter Péntek und Simona-Andreea Stoian wissen um die Tücken der deutschen Sprache. Erst vor einigen Jahren haben sie ihren ersten Deutsch-Kurs belegt, jetzt haben sie den Deutsch-Berufskurs an der VHS Waldkraiburg abgeschlossen.

Waldkraiburg – Lehrer Walter Theil wirkt fast ein bisschen verlegen ob der Lobeshymen seiner Schülerinnen, die ihm einen abwechslungsreichen und äußerst kompetenten Deutschunterricht attestierten. Die anerkennenden Worte stammen von Camelia-Calina Mirea, Eszter Péntek und Simona-Andreea Stoian, die kürzlich bei der Volkshochschule den Kurs mit der Prüfung „telc Deutsch C1“ erfolgreich beendeten.

Sprache wichtig für Integration

Die Zuwanderinnen kamen zwischen 2014 und 2016 nach Waldkraiburg. Über die Volkshochschule lernten sich die Frauen kennen und erwarben dort gemeinsam ihre ersten Deutschsprachkenntnisse. Und heute spielen die einstigen Kursbesucherinnen sprachlich betrachtet quasi schon in der Champions League mit. Das gemeinsame Lernen verbindet.

Ungarin Eszter Péntek bezeichnet ihre Kolleginnen mittlerweile als Freundinnen. „Die deutsche Sprache zu erlernen, ist wichtig im Hinblick auf Integration“, sagt die gebürtige Rumänin Camelia-Calina Mirea aus Überzeugung. Und ihre Landsmännin Simona-Andreea Stoin erwähnt noch einmal Deutschlehrer Walter Theil: „Ohne unseren engagierten und geduldigen Lehrer hätte ich den letzten Kurs bestimmt nicht geschafft“.

Alexander Rahm, Geschäftsführer der Volkshochschule, hebt die Bedeutung des C1-Kurses hervor (siehe auch Interview), der erstmals in diesem Rahmen an der Vhs angeboten wurde: „Dieses Niveau erreichen nur wenige, sodass der Kurs entsprechend selten nachgefragt wird.“

Es braucht Disziplin, aber auch Lust

Es sei schon happig, sich mit der deutschen Sprache richtig vertraut zu machen, gestehen die Frauen. Disziplin, aber auch Lust an der Sprache seien wesentliche Voraussetzungen um letztendlich vorzeigbare Ergebnisse zu erzielen. Vor einigen Wochen war es dann soweit: Alexander Rahm überreichte den Absolventinnen ihre Abschluss-Zertifikate. Der Geschäftsführer verbucht das Stattfinden des anspruchsvollen Kurses für die Teilnehmerinnen aber auch für die Vhs-Waldkraiburg durchaus als Erfolgsgeschichte.

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Die Kursteilnehmerinnen sind bereits in das Berufsleben gestartet. Als „Sprachtalente“ wollen sich die Damen trotz bestandener Prüfung dennoch nicht bezeichnen. Sie büffeln weiter und initiieren im Oktober über die Volkshochschule sogar einen Konversationskurs, den Walter Theil leiten wird. „Es gibt noch freie Plätze“ verkündet Eszter Péntek mit einem einladenden Lächeln.

„Dieses Niveau erreichen nur wenige“: Erster Deutsch C1-Berufskurs an der Vhs Waldkraiburg

Zum ersten Mal hat die Volkshochschule Waldkraiburg einen „Berufssprachlichen Deutschkurs mit Ziel C1“ angeboten. Fünf Teilnehmerinnen haben kürzlich ihr Zertifikat erhalten. Was das Besondere an diesem Kurs ist, darüber spricht Vhs-Geschäftsführer Alexander Rahm mit der Heimatzeitung.

In Ihrem Haus finden im Auftrag des BAMF Deutschkurse für Zuwanderer statt. Wie sind diese Kurse einzuordnen?

Alexander Rahm: Seit 2005 müssen Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten einen Deutsch-Integrationskurs mit 600 Unterrichtseinheiten (UE) á 45 Minuten Deutschunterricht plus 100 UE „Orientierungskurs“ (mit deutscher Geschichte, Sozialkunde, Politik) absolvieren. Der Kurs endet mit einer Prüfung, dem „Deutschtest für Zuwanderer“. Das Zielniveau ist B1 gemäß des europäischen Referenzrahmens (GER), also unteres Mittelstufenlevel. Diese Niveaustufe ist Voraussetzung für die Einbürgerung neben dem Einbürgerungstest, der gleichwertig mit dem Test „Leben in Deutschland“ ist, den die Integrationsteilnehmer am Ende des Orientierungskurses absolvieren. Für EU-Zuwanderer ist die Teilnahme am Integrationskurs freiwillig, außer sie werden vom Jobcenter zur Teilnahme verpflichtet. Seit 2016 gibt es zusätzlich die „Berufssprachliche Deutschsprachförderung, die ebenfalls über das BAMF organisiert wird. Hier werden auch die aufbauenden Sprachniveaus B2 und C1 gefördert. Die Vhs Waldkraiburg bietet seit 2006 Integrationskurse und seit 2016 B2-Berufssprachkurse in diesem Kontext an. Letztes Jahr wurde erstmals der – bisher einzige – C1 Kurs durchgeführt.

Die drei Absolventinnen erhielten das Zertifikat Deutsch C1 Berufskurs. Was können die Damen jetzt damit anfangen?

Rahm: Wir haben diesen Kurs mit neun Teilnehmern begonnen, fünf Teilnehmerinnen schlossen den Kurs mit der Prüfung „telc Deutsch C1“ab. Während B2 für viele Berufe ausreicht, benötigen manche Berufe oder auch Studiengänge das Niveau C1. Die schriftliche Prüfung ist sehr anspruchsvoll und dauert etwa vier Stunden zuzüglich eines mündlichen Teils.

Warum ist dieser Kurs für Ihre Einrichtung eine Besonderheit?

Rahm:Der Kurs ist insoweit besonders, als dass dieses Niveau nur wenige erreichen und solche Kurse auch entsprechend selten nachgefragt werden. Der Kurs bei uns war der einzige in der weiteren Umgebung. Die nächstgelegenen C1-Kurse gibt es erst in München, Landshut oder Passau. Von den anfangs neun Teilnehmern gaben drei Personen in der ersten Kurshälfte auf. Ein Teilnehmer gab aufgrund der dreimonatigen Unterbrechung ebenfalls auf. Der Kurs umfasste 400 Unterrichtseinheiten.

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Können sich die Absolventinnen jetzt noch für einen zusätzlichen Kurs einschreiben?

Rahm: Für diese drei Kursteilnehmerinnen war es insofern etwas Besonderes, als dass sie nach ihrer Zuwanderung bei uns an der Vhs ihren ersten Sprachkurs in Deutsch absolvierten. Die drei Teilnehmerinnen haben den Deutsch-Berufskurs B2 erfolgreich belegt und nun den C1-Kurs abgeschlossen. Quasi von Null auf ein Niveau, das fast für alle Berufe, Studiengänge und sogar zum Unterrichten bis Niveaustufe Deutsch B1 qualifiziert. Die Kursbesucherinnen begleiten uns in unserer Arbeit hier also schon seit vielen Jahren. Anzumerken ist noch, dass sich einige Absolventinnen des Kurses entschlossen haben, ab Oktober einen wöchentlichen Deutsch-Konversationskurs zu belegen. Dieser Kurs findet auf Initiative der Damen statt.

Vhs-Geschäftsführer Alexander Rahm freut sich über den Erfolg der Teilnehmerinnen.

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