Von Bielefeld nach Waldkraiburg: Der neue Mann für Kultur, Bildung und Generationen im Rathaus

Nicht nur wegen  der Aktion Stadtradeln in Waldkraiburg ist das Fahrrad bei Fred Schelp immer dabei. Im Rathaus steht es gleich neben seinem Schreibtisch.
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Nicht nur wegen der Aktion Stadtradeln in Waldkraiburg ist das Fahrrad bei Fred Schelp immer dabei. Im Rathaus steht es gleich neben seinem Schreibtisch.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Er ist Westfale, 58 Jahre alt und hat bei der Stadt Bielefeld reichlich Erfahrung in den unterschiedlichsten Feldern der Kommunalverwaltung gesammelt: Fred Schelp, der neue Abteilungsleiter im Rathaus. Wer sich nur eine Stunde mit ihm unterhält, ist ganz sicher: Ein typischer Verwaltungsbeamter ist Schelp nicht. Will er gar nicht sein.

Waldkraiburg– Ein Einsatz in einem italienischen Erdbebengebiet gehört ebenso zu seiner Biografie wie ein nebenberufliches Studium der Umweltwissenschaften und ein Promotionsstudium in Erziehungswissenschaft/Schwerpunkt Umweltbildung. Der Doktor steht noch aus. „Ich kann nur jedem davon abraten, so was nebenberuflich zu machen“, sagt er lachend.

Zweimal wollte er Bürgermeister werden

Zweimal hat sich Schelp als auswärtiger parteiloser Kandidat bei einer Bürgermeisterwahl beworben, im schwäbischen Waltenhofen und im württembergischen Wüstenrot. Zweimal ist er an ortsansässigen Gegenkandidaten gescheitert.

Bürgermeister Robert Pötzsch muss sich aber keine Sorgen machen, dass da ein künftiger Gegenkandidat im Rathaus sitzt. Er sei ganz froh, dass er nicht Bürgermeister geworden ist, sagt Schelp. „Ich mag es nicht allen recht machen.“ Mit 58 Jahren wolle er aber „final noch mal alle Erfahrungen“ in eine neue Aufgabe einbringen. Er ist überzeugt, dass ihm das nach der Großstadt-Erfahrung, in der die Entscheidungsprozesse noch einmal deutlich länger seien, in Waldkraiburg gelingen kann. Dafür hat er sich in Bielefeld beurlauben lassen.

Einer, der nicht in vorgegebenen Bahnen denkt

Wie sich Schelp einbringt, mit neuen Ideen, hat Bürgermeister Robert Pötzsch in den ersten Wochen durchaus schätzen gelernt. Der neue Abteilungsleiter sei einer, der nicht in den vorgegebenen Bahnen denkt und Vieles hinterfragt, so Pötzsch.

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Die Ansprechpartner in der Verwaltung

„Ich liebe Herausforderungen.“ Das kann er in Waldkraiburg haben. „Leitung Abteilung Kultur- und Generationenangebote“ – steht auf seiner Visitenkarte. Dahinter verbirgt sich mit der Neuordnung der Zuständigkeiten im Waldkraiburger Rathaus eine Vielzahl von Aufgaben und Themen: Der Soziale Wohnungsbau gehört ebenso dazu wie die Ausstattung von Schulen, der Kita-Neubau, die Umsetzung des Digitalpakts an den Schulen. Das Haus der Jugend, das sich grade neu aufstellt, fällt in seinen Bereich, das Sachgebiet Senioren und Soziales genauso wie das Haus der Kultur mit Veranstaltungsprogramm, Sing- und Musikschule, Stadtbücherei und dem neuen Museum Schmidt, für das zügig ein Ausstellungskonzept erstellt werden muss, oder der Breitensport, für den ein Hallennutzungskonzept in Corona-Zeiten zu entwickeln war, das jetzt wegen der neuen Pandemie-Entwicklung auf Eis liegt.

Vielfältige Erfahrungen in der Kommunalverwaltung

Fast für alle Bereiche bringt Schelp, der als junger Mann Biologe werden wollte, aber aus familiären Gründen „im sicheren Hort der Kommunalverwaltung gelandet ist“, einschlägige Erfahrungen mit: Er war Rentenberater und hat in der Sozialhilfe und Personalentwicklung gearbeitet. Viele Jahre hat er als Verwaltungsleiter die Stadtbibliothek auf die Erfolgsspur gebracht, mit neun Häusern eine Institution in Bielefeld. Zuletzt war er in einem Wirtschaftsförderungsprojekt tätig und hat im Amt für Schule bei der Digitalisierung angeschoben.

Verkehrsplanung mit Schülern gemacht

Davor hatte der Vater zweier erwachsener Kinder als Mobilitätsbeauftragter im Rahmen von EU-Projekten Verkehrsplanung für und mit Schülern betrieben. Ein Bereich, in dem man sich in einer Stadt unbeliebt machen kann, weil der Raum, den sich Autos, die immer breiter werden, und Kinder, die sich immer weniger bewegen, und all die anderen Verkehrsteilnehmer teilen müssen, sehr begrenzt ist. Auch Schelp, dem schnell was zu langsam geht, wenn er es für richtig und wichtig hält, hat sich Gegner gemacht.

Verkehrsmittel der Zukunft: das Rad

Das Verkehrsmittel, dem der Abteilungsleiter ein großes Zukunftspotenzial zuschreibt, steht in seinem Büro: ein Fahrrad, mit dem er viel unterwegs ist, nicht nur, weil er natürlich auch beim Stadtradeln eifrig mitgemacht hat.

Sein erster Eindruck von den Radtouren und den vielen Begegnungen: Die Leute seien hier „grundfreundlich“. Wichtig ist ihm auch, es mit einem Bürgermeister und einer Verwaltung zu tun zu haben, die „auf die Zukunft ausgerichtet sind“.

Was sagt Fred Schelp über...

...die Schweiz: „Meine Frau ist Urschweizerin. Ich habe ebenfalls den Schweizer Pass. Mir gefällt das Demokratieprinzip dort gut.“

...Kinder und Jugendliche:„Mir ist eine jugendgerechte Beteiligung sehr wichtig. Das ist der Schlüssel, um gesellschaftliche Veränderungen hinzukriegen. Wir sollten den jungen Menschen etwas zutrauen.“

...Senioren:„So viele Senioren sind einsam. Ich plädiere dafür, die Generationen zusammen zu führen. Ich halte viel von Mehrgenerationenhäuser oder Gemeinschaftsgärten.“

...Kitas und Schulen: „Lehrkräfte die gute Arbeit machen sollen, brauchen gute Rahmenbedingungen. Kitas und Schulen auf einem guten Stand können wie ein Wirtschaftsmotor wirken und wichtige Entscheidungsfaktoren für Familien sein, sich in einer Stadt niederzulassen.“

...Kultur: „Das Haus der Kultur ist schon etwas Besonderes. Mir ist wichtig, dass wir die Jugend und die Kultur zusammenbringen. Eine Kultur nur für Randgruppen wird sterben.“

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