Vom Industriemechaniker zum Geistlichen: Rainer Borgfeldt aus Taufkirchen wird Diakon

Darauf kann sich Walter Borgfeldt verlassen: Seine Familie, Ehefrau Monika und die Kinder (von links) Jonas, Jahn (hinten), Elena (vorne) und Laura, stehen hinter seinem Dienst in der Kirche.
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Darauf kann sich Walter Borgfeldt verlassen: Seine Familie, Ehefrau Monika und die Kinder (von links) Jonas, Jahn (hinten), Elena (vorne) und Laura, stehen hinter seinem Dienst in der Kirche.

Ohne Gattin Monika geht gar nichts. Immerhin muss sie vor der Weihe ihres Mannes zum Diakon dem Bischof schriftlich und mündlich zusichern, ihren Ehemann bei seinem zukünftigen Dienst zu unterstützen. „Das wird funktionieren“, vermutet Rainer Borgfeldt.

Waldkraiburg/Taufkirchen – Der 40-Jährige Rainer Borgfeldt hat vor sieben Jahren beschlossen, beruflich einen völlig neuen Weg einzuschlagen. 20 Jahre arbeitete der Vater von vier Kindern als Industriemechaniker. Schon damals, so Borgfeldt, hätten sich Kollegen oder Bekannte ihn häufig als Ansprechpartner ausgesucht, wenn Schwierigkeiten den Weg kreuzten.

Ministrant in Waldkraiburg

Für Mitmenschen da zu sein, diese Eigenschaft kennt der heutige Taufkirchner, der in Waldkraiburg aufwuchs und dort auch Ministrant gewesen ist, von Kindesbeinen an. Immerhin engagieren sich seine Eltern seit vielen Jahren in der Waldkraiburger Kolpingsfamilie.

Wie der zukünftige Diakon erzählt, kam er letztendlich dann aber doch einigermaßen überraschend der Kirche sowie in seinem Fall dem Pfarrverband Kraiburg näher. Borgfeldt: „Eines Tages sprach mich der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates an, ob ich vielleicht eine Lesung übernehmen möchte.“ Von da an wurde Borgfeldt immer aktiver in der Kirche.

Anstrengende Ausbildungsjahre

Eigene Lebenserfahrungen setzten bei dem Familienvater einen Prozess in Gang, der mit dem Entschluss endete, im Jahr 2014 eine Ausbildung zum Ständigen Diakon in Angriff zu nehmen. Eine herausfordernde Zeit für den Taufkirchner, da die ersten Ausbildungsjahre mit Fernkursen und Studienwochen noch berufsbegleitend abliefen.

Der Diakonats-Praktikant ließ 2018 seinen erlernten Beruf als Industriemechaniker hinter sich und arbeitete stattdessen als pastoraler Angestellter im Pfarrverband Seeon. Die Diakonats-Ausbildung, so erklärt der Anwärter, sei sehr umfangreich und ende eigentlich erst kurz vor der Weihe.

Feierliche Weihe am 26. September

Die feierliche Weihe ist am Samstag, 26. September im Liebfrauendom in München. Erzbischof Dr. Reinhard Kardinal Marx wird Rainer Borgfeldt und weitere acht Männer an diesem Tag zu Diakonen weihen.

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Diakon mit Leib und Seele

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Der Segensspruch, den sich die künftigen Diakone erwählt haben lautet: „Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt“ – ein Vers aus dem Römerbrief des Apostels Paulus (Röm 14,19).

Soziales Engagement ist ihm wichtig

Dem geweihten Diakon Rainer Borgfeldt wird der Pfarrverband Tacherting als Wirkungskreis zugewiesen. „Ein Diakon arbeitet oft an sozialen Brennpunkten. Eine Tätigkeit, die mir entgegen kommt, und auf die ich mich positiv einstelle“, betont der 40-Jährige. Er ist glücklich über die Akzeptanz seiner Familie hinsichtlich seiner neuen beruflichen Laufbahn. Trotzdem will der Diakon-Anwärter die Selbständigkeit seiner Frau und seiner Kinder keineswegs schmälern.

Interview: Was macht eigentlich ein Diakon?

Der Diakonat ist der gefragteste Seelsorgeberuf in der Erzdiözese München und Freising, sagt Hendrik Steffens von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats in München. Im Interview erklärt er, welche Aufgaben Diakone haben und wie man Diakon wird.

Herr Steffens, was macht ein Diakon genau?

Hendrik Steffens: Ein Diakon in der katholischen Kirche ist ein Geistlicher. Er repräsentiert in der Liturgie, der Diakonie und der Verkündigung in besonderer Weise Jesus Christus als Diener der Menschen. Diakone spenden Sakramente, assistieren und predigen in der Eucharistiefeier und erteilen Religionsunterricht. Sie haben bei ihrem Seelsorgedienst besonders die Benachteiligten und am Rande Stehenden im Blick. Diakone können hauptberuflich im Dienst der Kirche stehen oder diesen neben einem zivilen Beruf ausüben.

Ständige Diakone können verheiratet sein

Was ist der Unterschied zwischen einem Diakon und einem ständigen Diakon? Wer kann Diakon werden?

Hendrik Steffens: Zuerst einmal sind natürlich beide einfach Diakone. Dabei bereiten sich die einen nach dem Theologiestudium als Diakone auf die Priesterweihe vor, die zumeist nach einem weiteren Jahr folgt. Die anderen, die sogenannten „ständigen“ Diakone, streben im weiteren Verlauf keine Priesterweihe mehr an. Sie haben eine Ausbildung von in der Regel vier bis fünf Jahren durchlaufen, zu der neben dem Studium der Theologie auch viele praktische Inhalte gehören. Solche Kandidaten können zum Zeitpunkt ihrer Diakonenweihe auch verheiratet sein; wenn nicht, dann legen auch sie, ähnlich den Priesteramtskandidaten, das Versprechen der Ehelosigkeit ab. Im Fall der verheirateten Diakone müssen sich diese vor der Weihe immer auch in Ehe, Familie und Beruf bewährt haben. Eine Besonderheit: Die Ehefrauen versprechen dem Bischof vor der Weihe schriftlich und mündlich, ihre Männer bei ihrem Dienst zu unterstützen.

Der gefragteste Seelsorgeberuf

Wie viele Diakone werden pro Jahr im Erzbistum geweiht und gibt es Nachwuchs-Probleme?

Hendrik Steffens: In unserer Erzdiözese sind im Mai dieses Jahres fünf Kandidaten zu Diakonen geweiht worden, die für das kommende Jahr dann ihre Priesterweihe im Blick haben. Im September werden dann voraussichtlich neun Kandidaten geweiht, die den ständigen Diakonat anstreben. Derzeit haben wir bei uns im Erzbistum München und Freising fast 300 ständige Diakone, wovon etwa 170 im aktiven Dienst sind. Etwa zwei Drittel sind Diakone im Hauptberuf. Damit ist bei uns der Diakonat der gefragteste Seelsorgeberuf.

Wie viele Quereinsteiger gibt es?

Hendrik Steffens: Da verheiratete Kandidaten für den Diakonat in der Regel mindestens 35 Jahre alt sein müssen, haben eigentlich alle ständigen Diakone zuvor einen anderen Beruf ausgeübt. In der Regel sind dies zivile Berufe; es gibt aber auch immer wieder Weihen von Männern, die zuvor in einem anderen kirchlichen Beruf gearbeitet haben. Interview: Ursula Huckemeyer

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