Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein Stück Heimat

Vom Bunker zur Kirche: Vor 70 Jahren begann eine ungewöhnliche Geschichte in Waldkraiburg

1951 wurde sie eingeweiht: die katholische Bunkerkirche, die in einer Hochkonzentrationsanlage des ehemaligen Pulverwerks entstand. 1984 wurde das Gebäude abgerissen, an das heute nur noch der Straßenname und eine Staton auf dem Weg der Geschichte erinnert.
+
1951 wurde sie eingeweiht: die katholische Bunkerkirche, die in einer Hochkonzentrationsanlage des ehemaligen Pulverwerks entstand. 1984 wurde das Gebäude abgerissen, an das heute nur noch der Straßenname und eine Station auf dem Weg der Geschichte erinnert.
  • Kirsten Meier
    VonKirsten Meier
    schließen

Dieses Jahr wäre sie 70 Jahre alt geworden, heute erinnert nur noch ein Straßenschild an sie: die Bunkerkirche von Waldkraiburg. Ein Stück Geschichte der Heimat, an das sich heute noch so mancher Waldkraiburger erinnert.

Waldkraiburg – Die katholische Bunkerkirche ist ein Stück Geschichte und vielen älteren Waldkraiburgern in schöner Erinnerung geblieben. Menschen wie Günter und Barbara Loschek, die in dem ehemaligen Bunker, der zur Kirche umgebaut wurde, Hochzeit feierten. So wie die vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die in diesem ungewöhnlichen Gotteshaus ihren Glauben lebten. Heuer wäre die katholische Bunkerkirche 70 Jahre alt geworden, an die heute nur die Straßenbezeichnung „Kirchenstraße“ und eine Station auf dem „Weg der Geschichte“ erinnert.

Eine Messe mit Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler in der Bunkerkirche.

Aus der Not heraus entstanden

Entstanden war die Kirche aus der Not heraus, wie Stadtarchivar Konrad Kern erklärt. Die Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Boden des ehemaligen Rüstungswerks eine Bleibe fanden und sich eine neue Heimat aufbauen sollten, wünschten sich einen Ort, wo sie ihren Glauben leben konnten. Leerstehende Produktionsbauten gab es, zum Beispiel eine Hochkonzentrationsanlage, die sich perfekt als Gotteshaus eignete. Sie war das größte Gebäude.

Der Mühldorfer Architekt Paul Dörr machte sich an die Arbeit und gestaltete aus der ehemaligen Produktionshalle ein Kirchenschiff. 800 Gläubige fanden in dem 35 Meter langen und 14 Meter breiten Gebäude Platz.

Lesen Sie auch: Abriss einer Institution: Für Waldkraiburger Kultgaststätte Zappe schlägt letztes Stündlein

Die Eltern und Großeltern von Monika Rödig (69), geborene Huber, und ihrem Bruder Bernhard Huber (63) verfolgten vor mehr als 70 Jahren den Bau der Kirche. Die Hubers gehören zu den Ur-Waldkraiburgern.

Monika Rödig, heute Kirchenpflegerin in Ebing, weiß, wie wichtig Kirche für viele Menschen war und ist. Ihre Eltern heirateten 1950 noch in der Holzkirche im Flüchtlingslager Pürten. Ein Jahr später, am 12. August 1951, wurde die Bunkerkirche von Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler auf den Titel „Christkönig“ geweiht. „Damals gab es schon den Kindergarten gleichen Namens in der Gablonzer Straße. Dort traf man sich zur Prozession und zog dann gemeinsam in die Kirche ein.“

Jeden Sonntag vier Messen

Neben dem Hochaltar erinnert sich Monika Rödig an einen Marienaltar und einen Antonius-Altar. An Sonntagen gab es immer vier Messen. Die Frühmesse um sieben, das Hochamt um neun, die Kindermesse um zehn und die Abendmesse um 19 Uhr. Freitags war immer Schulgottesdienst. Und die Bunkerkirche war stets mit Menschen gefüllt.

Lesen Sie auch: Gemeindeassistentin verstärkt Seelsorgsteam im Pfarrverband Waldkraiburg (Plus-Artikel OVB-Online)

Im gleichen Gebäude wie die Kirche befand sich damals auch das Pfarrbüro, Räume für die Jugendgruppe, die Wohnung für den Pfarrer – der erste Seelsorger war Kurat Josef Krebs – und ein schöner großer Versammlungsraum, in dem man Feste feiern konnte.

Lesen Sie auch: Waldkraiburger Wohnungsgenossenschaft stemmt während Corona-Pause Großprojekte für 40 Millionen

Mit der Stadt entwickelten sich auch die Kirchen. 1964 wurde endlich ein größeres, ein „richtiges“ Gotteshaus eingeweiht; die Christkönigkirche an der Ecke Berliner Platz/Karlsbader Straße. Die Bunkerkirche hatte ihre besten Zeiten hinter sich. Noch im gleichen Jahr wurde sie für immer geschlossen.

Das Inventar wie das große Holzkreuz an der Stirnseite der Kirche, ein Altar, Figuren, Holzbänke und der Kreuzweg wurden später, Ende der 1960er-Jahre, in der Johann Nepomuk-Kirche, der „Holzkirche“ wieder aufgebaut.

Die ehemalige Bunkerkirche stand noch zwei Jahrzehnte, bis sie 1984 abgerissen wurde.

„Ein Stück Geschichte unserer Heimat“

Monika Rödig wurde in der Bunkerkirche getauft und feierte dort ihre Erstkommunion.

Monika Rödig (69), gelernte Apothekenhelferin aus Waldkraiburg, erinnert sich gut und gerne an die Bunkerkirche zurück: „Ich wurde am 12. Juni 1952 in der Bunkerkirche getauft. Als ich in der dritten Klasse war, feierte ich dort auch meine Erstkommunion. Ich habe das damals als sehr schöne Zeit erlebt. Es gab ein reges Gemeindeleben in der Kirche. Wir hatten einen Kirchenchor, eine Kindergruppe und Ministranten, wobei damals nur Jungs Ministrant sein durften. Die Kirche ist für mich ein Ort, wo man sich heimisch fühlt, lieben Menschen begegnet und in guten wie auch in schweren Zeiten immer willkommen ist. Als 1964 die neue Christkönigskirche gebaut wurde, freute ich mich auf das neue Gotteshaus. Heute weiß ich, dass die damalige Bunkerkirche auch ein Stück Geschichte unserer Heimat ist.“

„Wunderschöne Trauung“

Gaben sich vor 61 Jahren in der Bunkerkirche das Ja-Wort: Günter und Barbara Loschek.

Günter Loschek (87), gelernter Glashüttentechniker und seine Frau Barbara (89) aus Waldkraiburg haben am 16. August 1960 in der Bunkerkirche geheiratet. Günter Loschek: „Als kleiner Junge kam ich mit meiner Familie aus dem Sudetenland nach Waldkraiburg. Die Bunkerkirche war damals sehr einfach eingerichtet. Ich setzte mich in der Kirche meistens oben hin. Da konnte ich schön nach unten schauen. Wir sind von Haus aus sehr katholisch. Kirche ist uns sehr wichtig. Wir hatten eine wunderschöne Trauung in der Bunkerkirche. Danach haben wir mit unseren Gästen im Knusperhäuschen gefeiert und am nächsten Tag ging es ab in die Flitterwochen. Die Bunkerkirche ist ein Stück Heimatgeschichte, die man nicht vergessen sollte. Die Einrichtungsgegenstände davon kamen dann in die Nepomuk-Kirche. Sie müssen erhalten bleiben. Es sind alles historische Stücke, die für Menschen wie uns schöne Erinnerungen sind.“

Kommentare