Viren und andere Erreger

Im Vorjahr hatte Robert Pötzsch noch den Deckel vom Wanderpokal gestohlen und damit auch mal die Hand an der begehrten Trophäe.

Doch ab sofort bleibt der Pott des Stadtmeisters im Eisschießen für den Bürgermeister unerreichbar. Da ist er selbst dran schuld. Der neue Wanderpokal, den er als Schirmherr für die Meister stiftete, ist ein Mordshumpen – mit einem gravierenden Nachteil: Er hat keinen Deckel.

Am Cup vorbeigezielt haben noch ganz andere Kaliber der Stockszene. Alex Anzinger, der Stolz Ebings, ist mit der Feuerwehr abgestürzt. Eine Geburtstagsfeier am Vorabend war halt doch nicht die optimale Vorbereitung. Wenige Tage später hat der Alex in Regen der Weltelite im Weitschießen gezeigt, wo der Eisstock hängt. Als U23-Mannschaftsweltmeister kehrt er aus dem Bayerwald nach Waldkraiburg zurück. In guter Gesellschaft: Christian Mayerhofer aus Taufkirchen ist U16-Team-Europameister geworden.

Auf diese Erfolge darf man ruhig anstoßen. Es muss ja nicht gleich mit einem Corona sein. Mein Gott, was geht da gerade ab! Corona, Corona, Corona. Natürlich ist das kein Spaß, natürlich ist größte Vorsicht geboten und auf Hygiene peinlichst zu achten. Aber Hamsterkäufe, die die Regale mit Nudeln oder Toilettenpapier leer fegen, dass man sich vorkommt wie früher in der DDR, das ist absurd. Zum Glück bleibt die große Mehrheit besonnen.

Während das Coronavirus nicht gut einzuschätzen ist, ist ein anderer Erreger vergleichsweise berechenbar. Das Kommunalwahlvirus wird am 15. März ermatten, am 29. März endgültig abtauchen und erst wieder in sechs Jahren virulent. Bürgermeister Pötzsch hat ganz bestimmt nichts dagegen. Er ist kein Wahlkampf-Freak. Er ist resistent. Das Klappern und Schaulaufen ist seine Sache nicht. Dafür sorgt der Wahlwerbefilm der UWG dann doch für erstaunlich viel Aufregung. Sogar damit, dass er aus dem Programm genommen wurde. Die Wirkung wäre vermutlich nur noch dadurch zu übertreffen, dass die CSU plötzlich alle Plakate mit ihrem Hundeflüsterer Wolfgang Nadvornik abhängt.

Noch ist das Wahlvirus aktiv und reicht für ein abendfüllendes grandioses Kabarettprogramm, in dem der Saftladen zeigt, wie unterhaltsam auch heute Kommunalpolitik sein kann. Einer, mit dem die Lokalsatiriker viele Jahre gewachsen sind, ist nicht mehr: Altbürgermeister und Ehrenbürger Jochen Fischer ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Zurecht wird Jochen Fischer in diesen Tagen gewürdigt als Macher und Motor der Stadtentwicklung, als Mittler zwischen Politik und Bürgern, als Meinungsführer und Vordenker. Wie er ein offenes Klima in der Stadt geprägt hat, zeigt sich auch daran, wie er mit den Lokalkabarettisten umgegangen ist, auch wenn ihm nicht alle Nummern gefallen konnten.

Ein Bürgermeister für alle wollte er sein. Und er hat es dabei weit gebracht. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Waldkraiburger Bürgerin, die ohne Wenn und Aber klarstellte, dass sie sich einem anderen politischen Lager verbunden fühle und diesem als Wählerin immer treu geblieben sei. „Bei Jochen Fischer wäre ich fast schwach geworden.“

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