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Von Siebenbürgen nach Bayern

Das Gefühl von Freiheit: Der Vertriebenen-Präsident über seine Waldkraiburger Jahre

... und der Vertriebenenpräsident und Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, hier am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung.
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Der Vertriebenenpräsident und Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, hier am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Als BdV-Präsident vertritt er die Interessen von über einer Million Vertriebener, Aussiedler und Spätaussiedler: Bernd Fabritius, der nach seiner Aussiedlung aus Siebenbürgen 1984 nach Waldkraiburg kam und mit der Stadt bis heute „ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit“ verbindet.

Waldkraiburg/Berlin – Seit 2014 ist Dr. Bernd Fabritius ehrenamtlicher Präsident des Bundes der Vertriebenen, seit 2018 Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Deren Schicksal kennt der Bundestagsabgeordnete, der aus Siebenbürgen stammt, aus eigenem Erleben. Was nur wenige wissen: Fabritius war ein Waldkraiburger. Als er 1984 als junger Mann mit seinen Eltern und Geschwistern nach Deutschland kam, war seine erste Station die Stadt, in der bereits viele Landsleute lebten.

„Unglaublich positiv“ hat er die Stadt in Erinnerung, die er zuletzt in einem Interview als „Heimatstadt“ bezeichnete, der er gegenüber der Heimatzeitung eine „Erfolgsgeschichte“ im Hinblick auf ihre Integrationsleistung bescheinigt.

„Ich musste meine Identität verstecken“

Mit Waldkraiburg, das er kürzlich auf Einladung seines CSU-Fraktionskollegen Stephan Mayer in offizieller Funktion besuchte, verbinde er ein „unbeschreibliches Gefühl der Freiheit“, sagt der Jurist.

Mehr als 30 Jahre ist dieses Foto alt: Der junge Bernd Fabritius, kurz nachdem er mit seiner Familie aus Siebenbürgen nach Waldkraiburg ausgesiedelt war.

„Bis zum Zeitpunkt der Aussiedlung musste ich meine deutsche Identität, meine Sprache, in der Öffentlichkeit häufig verstecken, um nicht gehänselt zu werden. Ich war eigentlich nicht wohl gelitten als Teil der Gesellschaft im sozialistischen Rumänien.“ Vermeintlich „banale“ Dinge, wie auf der Straße Deutsch zu sprechen, hätten ihm „ein schönes Gefühl der Zugehörigkeit gegeben“.

Ein Jahr im Übergangswohnheim

1983 hatte der Politiker, der heute die Interessen von 1,3 Millionen Mitgliedern im Bund der Vertriebenen vertritt (Stand: 2019), am renommierten Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt (rumänisch: Sibiu) sein Abitur gemacht. Nach der Aussiedlung lebte er ein Jahr lang im Übergangswohnheim in der Warnsdorfer Straße.

In Rumänien für Deutsche undenkbar: „Absolut reibungslose Behördengänge“

Auch die äußeren Umstände hat der 56-Jährige positiv in Erinnerung, „absolut reibungslose Behördengänge“ etwa, „die es in Rumänien für Deutsche nicht gab“. Auch die „zuvor hier angekommenen Landsleute spielten eine Rolle – und die alteingesessenen Waldkraiburger“. Viele von ihnen waren selbst aus dem Sudetenland oder Schlesien vertrieben worden. „Sie haben mit ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft eine wohltuende Willkommensatmosphäre geschaffen.“

Landsmannschaftliche Verbindungen

Die landsmannschaftlichen Verbindungen der Spätaussiedler haben auch in Waldkraiburg getragen. Man kannte sich, man kennt sich. Heinrich Brandstetter, der als evangelischer Pfarrer in der alten und neuen Heimat tätig war, erinnert sich gut an die 1980er-Jahre. Er lebte damals im selben Übergangswohnheim.

„Ich kannte die Familie Fabritius schon seit meiner Studienzeit.“ Dass Bernd, ein „fleißiger und begabter“ junger Mann war, das habe er damals schon erkannt. Dass er später einmal Präsident der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen werden und wichtige Ämter besetzen würde, habe niemand wissen können. „Ich freue mich über seine Entwicklung.“

Auf viel Unwissenheit gestoßen

Dass er aus Unwissenheit gefragt wurde, ob er denn Rumäne sei und warum er so gut Deutsch spreche, hat Bernd Fabritius nicht als ausgrenzend erlebt. „Da war Interesse und positive Neugierde zu merken.“ Vielen war nicht bekannt, dass in Siebenbürgen schon seit dem 12. Jahrhundert Deutsche lebten. Dabei war der heute berühmteste Siebenbürger Sachse, der aus einem Nachbarort stammte, in Waldkraiburg groß geworden: Peter Maffay.

Dialekt und Brauchtum wichtig für Beheimatung

Für das Gefühl von Beheimatung sei wichtig, so der BdV-Präsident, dass der gewohnte Dialekt und das Brauchtum schon vor Ort waren. Konzerte der Liedertafel, in der er gleich mitmachen konnte, seien ihm in bester Erinnerung. „Es ist unglaublich wichtig, sich selbst einzubringen und mitzumachen. Integration ist nicht nur eine Bringschuld, sondern mindestens in gleichem Maße auch eine Holschuld.“

Bis 1987 hat er in Waldkraiburg gewohnt. Die Eltern und ein Bruder leben bis heute hier. Nach Studien der Sozialwissenschaft, der Politik- und Rechtswissenschaft promovierte er im Europäischen Verwaltungsprozessrecht. Seit 1997 ist er als Anwalt in München tätig. Von 2013 bis 2017 saß er für die CSU im Bundestag, vor Kurzem rückte er erneut ins Parlament nach.

Siebenbürger Sachsen: Die älteste deutsche Siedlergruppe in Südosteuropa

Die Siebenbürger Sachsen sind die älteste deutsche Siedlergruppe in Südosteuropa, die durch alle Jahrhunderte hindurch ihre deutsche Sprache und Kultur bewahrte. Als ein Beispiel dafür kann auch die Schule gelten, die der BdV-Präsident besuchte – ebenso wie der aktuelle Präsident Rumäniens, Klaus Johannis. 1380 wurde die Schule, das heutige Brukenthal-Gymnasium, erstmals urkundlich erwähnt. Nach der Aussiedlung des Großteils der deutschsprachigen Bevölkerung werden heute dort vor allem Kinder rumänischer Familien in deutscher Sprache unterrichtet.

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