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Brückenbauer in Europa

„Ein großes Glück für unser Land“: Vertriebene feierten „Tag der Heimat“ in Waldkraiburg

Das kulturelle Programm beim „Tag der Heimat“ war ein Genuss für Auge und Ohr: Bunter Fahnenschmuck auf der Bühne, die gewohnt perfekte Begleitmusik der Egerländer Trachtenkapelle sowie eine junge Tanzgruppe aus Erlangen sorgten für viel Applaus.
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Das kulturelle Programm beim „Tag der Heimat“ war ein Genuss für Auge und Ohr: Bunter Fahnenschmuck auf der Bühne, die gewohnt perfekte Begleitmusik der Egerländer Trachtenkapelle sowie eine junge Tanzgruppe aus Erlangen sorgten für viel Applaus.
  • Erika Fischer
    VonErika Fischer
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Der bayerische Landesverband des Bundes der Vertriebenen feierte seinen jährlichen „Tag der Heimat“ in Waldkraiburg. Die Festredner lobten die Aufbauleistung der Vertriebenen und bezeichneten Waldkraiburg als „großes Vorbild“.

Waldkraiburg – Waldkraiburg war und ist ein Beispiel für die Integration der Vertriebenen nach dem Kriegsende und für deren Aufbauleistung nach dem Kriegsende 1945. Das wurde auf dem „Tag der Heimat“, den der bayerische Landesverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Waldkraiburg feierte, deutlich. Ehrengast war die bayerische Familienministerin Ulrike Scharf. Der Tag stand unter dem Motto: „Vertriebene und Spätaussiedler als Brückenbauer in Europa“.

Vorbild für gute Integration

BdV-Kreisvorsitzender Georg Ledig begrüßte die Gäste im Haus der Kultur. Er wies darauf hin, dass es die Vertriebenen waren, die Waldkraiburg aufgebaut haben: „Eine Leistung, die unsere Stadt bis in die Gegenwart geprägt hat, was die Pflege von Brauchtum und Tradition beweist.“

Landrat Max Heimerl konnte das bestätigen: „Die Heimatvertriebenen haben aus der Wertschätzung füreinander heraus Großartiges geleistet. Waldkraiburg wurde zum Vorbild dafür, was man gemeinsam im Gefühl von Freiheit schaffen kann.“

„Ich bin stolz, dass in Waldkraiburg als erster Vertriebenenstadt in Deutschland durch Zusammenhalt eine lebenswerte Stadt entstehen konnte“, so Bürgermeister Robert Pötzsch. „Wir haben Mauern und Grenzen abgebaut und dafür Bündnisse und Partnerschaften geschlossen. Dabei konnten wir von den Erfahrungen und Erzählungen unserer Väter und Großväter, Mütter und Großmütter zehren und lernen.“ Mehr denn je müssten wir heute zusammenstehen und die entstandene Gemeinschaft stärken. Das beginne in den Familien, in Vereinen und Unternehmen.

Staatsministerin Scharf, ging auf die Kultur und einzigartige Geschichte der Vertriebenen ein, die Bayern nach 1945 geprägt haben: „Das ist ein großes Glück für unser Land. Ich kann jedem Politiker in Berlin und Brüssel nur empfehlen: Hört auf die Vertriebenen. Wir lernen von ihnen, was Europa zusammenhält. Waldkraiburg gebührt es, diesen ‚Tag der Heimat‘ zu feiern, denn hier wuchs zusammen, was zusammengehört. Starke Persönlichkeiten gaben ihrer neuen Heimat Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Wohlstand und Weitsicht.“

Erinnerung an die jüngere Generation weitergeben

Scharf erinnerte an die Situation in der Ukraine. Man müsse Solidarität zeigen mit den Menschen, die Putins Krieg aus ihrem Land fliehen ließ.

Mit Nachdruck werde sie sich dafür einsetzen, die Verdienste der älteren Generation an die Jüngeren weiterzugeben: „Eine Erinnerungskultur muss geschaffen werden.“ In Regensburg beispielsweise wurde am Leibnitz-Institut eine Forschungsstelle zum Thema „Vertriebene als integraler Bestandteil Bayerns“ eingerichtet. Die heutige Generation habe zusammen mit den Heimatvertriebenen das richtige Verständnis für ein gemeinsames Europa. Der „Tag der Heimat“ sei seit 72 Jahren eine Gelegenheit, den Wert der angestammten Heimat ins Bewusstsein zu rufen, so der BdV-Landesvorsitzende Christian Knauer.

Menschen, die Arbeit, Lebensumfeld, ja sogar den Zugang zur Ruhestätte ihrer Verstorbenen verloren hätten, erlebten einen dramatischen Bruch in der eigenen Biografie. Bei seinen Vorträgen an Schulen löse es immer wieder Staunen aus, dass Menschen innerhalb weniger Stunden mit 30 Kilogramm Gepäck in Waggons verfrachtet wurden, um mit unbekanntem Ziel in eine fremde Region gebracht zu werden: „Die junge Generation braucht diese Aufklärung, um die heutigen Zeitumstände verstehen zu können.“

Der Landesvorsitzende Christian Knauer bei seinem Vortrag.

„Wir setzen auf den Glauben vom Miteinander der Völker und mahnen Frieden an, denn Flucht und Vertreibung sind immer noch bittere aktuelle Realität“, so Knauer.

Warnung vor negativen Tendenzen

Ihn beunruhige die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen zutiefst; zunehmender deutschfeindlicher Nationalismus sei festzustellen. Zudem kritisierte er die Kürzungen der Bundesregierung bei der Kulturförderung im Vertriebenenbereich und appellierte an die Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht (FDP). Bayern hingegen habe die Initiative zur Gründung von vier eigenständigen Institutionen ergriffen, die sich der Kultur der Russlandeutschen, der Banater und Donau-Schwaben sowie der Siebenbürger Sachsen widmen.

Auch die Kürzung im Fremdrentengesetz sei eine Ungerechtigkeit. Die Lebensleistung eines Menschen müsse mehr Wertschätzung erfahren. „Ich sichere als BdV-Vizepräsident zu, dass sich unser Verband für eine Neuregelung einsetzt“, versprach Knauer. Abschließend dankte er der bayerischen Bevölkerung. Sie hätte es den Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht, eine neue Heimat zu finden.

Kulturpreis 2022 für Geretsrieder Urzelnzungt sowie zwei Ehrengaben an

Am „Tag der Heimat“ würdigte der Bund der Vertriebenen herausragende künstlerische, literarische oder wissenschaftliche Beiträge und auch solche aus dem Bereich Brauchtum. Dazu gab es den Kulturpreis, der seit 2013 verliehen wird, sowie zwei Ehrengaben .

Der mit 2000 Euro dotierte Kulturpreis 2022 ging an die „Urzelnzunft Geretsried“ für die Pflege einer ganz speziellen Art südostdeutscher Kultur. Im siebenbürgischen Agnetheln bei Hermannstadt soll im Mittelalter eine Ursula im zottigen Gewand aus Stoffresten, den Urzeln, mit Kuhglocke und peitschenknallend die Osmanen vertrieben haben, die den Ort belagerten.

Die sich daraus entwickelnde Parade blieb lange verboten und durfte bis 1974 nicht in deutscher Sprache abgehalten werden. Nach Deutschland ausgewanderte Urzeln-Begeisterte beteiligten sich vereinzelt an Faschingszügen, im Zottelgewand und mit Hanfzopf. Seit 35 Jahren treibt die Zunft in Geretsried am Faschingsdienstag auf dem Marktplatz den Winter aus.

Häufig werden die Geretsrieder mit diesem bayernweit einzigartigen Brauch auch zu Vorführungen eingeladen und haben inzwischen schon andere „infiziert“.

Nina Paulsen erhielt eine mit 500 Euro dotierte Ehrengabe. Geboren 1950 in der Altairegion in Westsibirien, studierte sie Germanistik und Pädagogik in Nowosibirsk, war 23 Jahre Redakteurin einer deutschsprachigen Zeitung in Slawgorod und gab russlanddeutsche Literatur heraus.

Im Jahr 2000 übersiedelte sie nach Deutschland, veröffentlichte Bücher, Broschüren und Beiträge zur Kulturgeschichte und Integration der Russlanddeutschen, so „Die Wolgadeutschen – zerstreut in alle Winde“ und das Buch „Begegnungen. Russlanddeutsche Autoren im Gespräch“.

Die zweite Ehrengabe erhielt die Donauschwäbische Singgruppe Landshut. Die Singgruppe wurde 1994 gegründet. Die rund 30 Sängerinnen und Sängern unter Leitung von Reinhard Scherer, im Banat geboren, überzeugen immer wieder durch Qualität, meisterhafte Instrumentalisierung und ein abwechslungsreiches Programm. Der Chor pflegt Liedgut von Johannes Brams bis zum steirischen Komponisten Lorenz Maierhofer.

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