Aufarbeitung der Vergangenheit in Öl

OVB
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13 Stationen. Mit 13 Bildern erzählt Hartmuth Lang (rechts) aus dem Leben der 84-jährigen Herta Stern (links) in der Ausstellung "Oma Stern, Spaziergang durch Waldkraiburg". Für nächstes Jahr gibt es auch einen Kalender.

Waldkraiburg - Er hat bereits als Kind gerne gemalt. Jetzt hat Hartmuth Lang seine erste Ausstellung "Oma Stern, Spaziergang durch Waldkraiburg" verwirklicht.

Im Jahr 2006 kam Hartmuth Lang erstmals der Gedanke einer Ausstellung. Damals wollte er die Schandflecken Waldkraiburgs festhalten. Bis 2012 hat es gedauert, bis der Hobbymaler sein Kunstprojekt "Oma Stern, Spaziergang in Waldkraiburg" verwirklicht hat. Jetzt gleicht es eher einer Liebeserklärung an seine Heimatstadt und ist auch ein Stück weit Vergangenheitsaufarbeitung, wie es Dr. Wolfgang Theissig bei der Vernissage am Mittwoch Abend im Haus der Kultur bezeichnete.

Die Ausstellung besteht aus drei Teilen: Da sind einmal die Ölbilder von Hartmuth Lang, die ausgewählte Stellen in Waldkraiburg zeigen. Eben die, mit denen Oma Stern bestimmte Erinnerungen verbindet.

Diese Erinnerungen von Oma Stern, der Großmutter seiner Ehefrau Andrea, hat Lang gesammelt, aufgeschrieben und neben den Bildern platziert.

Dazu kommen noch verschiedene Exponate, die das Leben in den 50er und 60er- Jahren illustrieren. Sie reichen von einem Essplatz mit Levanzenpfanne über eine alte Garderobe bis hin zu der Holzkiste, in der Herta Stern ihre Habseligkeiten aufbewahrte, als sie 1946 aus Neudeck im Sudetenland vertrieben wurde.

So setzte sich der Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Dr. Wolfgang Theissig, in seinen einführenden Worten dann auch ausführlich mit dem Thema "Vergangenheitsbewältigung" auseinander, das aus seiner Sicht aus den Bildern und Erinnerungen spricht. Der Spaziergang Oma Sterns sei so etwas wie Vergangenheitsaufarbeitung. "Sie erinnert sich und erzählt diese Erinnerungen auch an verschiedenen Stellen in Waldkraiburg und spannt damit einen Bogen zwischen dem, was war und heute ist". Erinnerungen an die Vertreibung, an die Ankunft im Lager Pürten, Bahnhof Kraiburg, an die schwere Zeit danach im Holzlager, an die mühevolle Gestaltung der Zukunft in Waldkraiburg, der zweiten, der neuen Heimat.

Dazu gehören aber auch Gedanken zur Jetztzeit mit dem Blick zurück wie zum Beispiel am Mahnmal gegen Vertreibung, am Bahnhof, auf der Bayernbrücke, am Bunker oder vor den traurigen Resten des "Weißen Hirschen".

Und Hartmuth Lang hält diese Erinnerungen fest - auf seinen Bildern, aber auch in Textform. Damit setzte er sich selbst ebenfalls intensiv mit der Vergangenheit Waldkraiburgs, seiner Heimat, und damit mit seiner Vergangenheit und seiner Herkunft auseinander. "Er betreibt damit für mich auch so etwas wie Vergangenheitsaufarbeitung - für sich - mit einer manchmal mehr oder weniger versteckten Kritik dazu, was in Waldkraiburg geschieht oder vernachlässigt wird", stellt Theissig fest.

Ein Gegenstand findet sich auf allen Bildern wieder: ein Koffer. Er diene als Symbol; als Symbol des Weggehens im positiven wie im negativen Sinn, so Theissig. Er könne aber auch ein Symbol für die Last sein, die jemand mit sich herumträgt. Für ihn, so Theissig, sei dieser Koffer auch ein Symbol des Ankommens.

Als Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft findet er "immer wieder faszinierend, wie sich Menschen mit Heimat und Vergangenheit beschäftigen". Er hegt die Hoffnung, dass diese Ausstellung auch außerhalb Waldkraiburgs zu sehen sein wird, um "auch im Umland Verständnis zu wecken für das, was geschehen ist und was Waldkraiburg ist und ausmacht und was hier geleistet wurde".

Hartmuth Lang war erst einmal "überwältigt von dem Interesse an der Ausstellung" und zeigte den Weg von der Idee bis zur Umsetzung dieses Kunstprojektes auf. So habe er schon immer gerne gemalt, sich aber nie an die Ölmalerei gewagt. Erst als er eine entsprechende Ausrüstung von seiner Frau geschenkt bekam, wagte er sich daran. Dabei diente ihm ein altes Foto, das er von Oma Stern am alten Bahnhof gemacht hatte, als erste Vorlage.

Da lag es nahe, mit ihr weitere Bilder von Waldkraiburg zu machen, die dann auf die Leinwand gebracht wurden. Als sie bei ihren Spaziergängen durch Waldkraiburg dann zu erzählen begann, war klar, dass die Bilder und die entsprechenden Texte zusammengehören; und das Kunstprojekt war geboren.

Hartmuth Lang ist aber auch auf der Suche nach weiteren Geschichten, die nicht unbedingt mit Flucht und Vertreibung zu tun haben müssen. Etwa die Erlebnisse von ausländischen Mitbürgern.

Die Ausstellung "Oma Stern, Spaziergang in Waldkraiburg" ist noch bis zum Sonntag, 1. Juli, im Haus der Kultur zu sehen.

hsc/Mühldorfer Anzeiger

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