Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


STADT MAUERT SICH EIN

Unüberwindbar: Igel, Kröte und Co. müssen in Waldkraiburger Gärten oft draußen bleiben

Kein Weiterkommen: Der Igel steckt zwischen den Mülltonnen in der Sackgasse. Denn die Mauer dahinter ist für ihn ein unüberwindbares Hindernis. Seine nächtlichen Streifzüge gleichen einem Hindernislauf, um von einen in den nächsten Garten zu gelangen.
+
Kein Weiterkommen: Der Igel steckt zwischen den Mülltonnen in der Sackgasse. Denn die Mauer dahinter ist für ihn ein unüberwindbares Hindernis. Seine nächtlichen Streifzüge gleichen einem Hindernislauf, um von einen in den nächsten Garten zu gelangen.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
    schließen

Viele Tiere haben sich an das Leben in Gärten angepasst. Doch wie auch in der freien Natur so brauchen sie auch in der Stadt Platz. Doch anstatt sich barrierefrei zwischen den Gärten bewegen zu können, heißt es für sie oft nur: Draußen bleiben.

Waldkraiburg – Auch nachts ist einiges los in der Stadt. Man muss nur eine Etage tiefer blicken, dort wo sich Igel, Kröte und Blindschleiche begegnen. Doch während Fußgänger, Rad- und Autofahrer auf direktem Weg zu ihrem Ziel kommen, geht es für die kleinen Tiere oft nur im Zickzackkurs voran, der im schlimmsten Fall in einer Sackgasse endet. Denn Mauern und Zaunsockeln sind ein unüberwindbares Hindernis.

Flink huscht ein Igel unter einer Hecke hervor, flitzt auf leisen Pfoten am Gehweg entlang Richtung Nachbars Garten. Doch anstatt unter der nächsten Hecke zu verschwinden, muss er erst einmal den richtigen Weg im städtischen Dschungel finden. Denn der Weg in Nachbars Garten ist erst einmal versperrt von einem zu hohen Zaunsockel.

Keine barrierefreie Wanderung möglich

Barrierefreies Waldkraiburg – dies gilt nicht für Igel, Kröte, Blindschleiche und andere bodenlebende Gartenbewohner. Darauf haben Waldkraiburger Igelfreunde den Bund Naturschutz hingewiesen. Mauern, hohe Sockel, dichte Zäune und Gabionen schränken die Bewegung der Tiere an vielen Stellen zwischen den Gärten ein oder verhindern nach einer Straßenquerung, dass sie im angrenzenden Grün Schutz suchen können.

„Viele Kleintiere sind gut an das Leben in Gärten angepasst, aber sie brauchen nicht nur einen davon“, erklärt Biologe Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender vom Bund Naturschutz.

Lesen Sie auch: Ausgezeichnetes Engagement: Mühldorfer Bund-Naturschutz-Kreisgruppe gewinnt den „Umwelt-Oskar“

Nach Ansicht des Naturschutzverbandes ist das in Waldkraiburg tatsächlich ein wesentliches Problem für viele Tierarten, denn ihr Lebensraum umfasst mehrere Gärten, sodass eine barrierefreie Wanderung für ihr Wohlergehen wesentlich ist. So müssen Amphibien wie die Erdkröte oft mehrere Grundstücke oder sogar Straßen queren, um einen geeigneten Teich als Laichplatz zu finden. Der Igel wiederum, benötigt mehrere Gärten umfassende Reviere, um genug Nahrung zu finden, sein nächtlicher Weg gleicht oft einem Hindernislauf.

Lesen Sie auch: Jäger und Jagdgenossen appellieren: Schont die Hausinger Innauen bei Waldkraiburg

„Ein Igel läuft so lange an einer Mauer entlang, bis er irgendwo ein Schlupfloch findet. Eine Kröte bleibt sitzen, bis am Morgen eine Krähe kommt“, sagt Zahn, der von einer Verinselung der Gartenlandschaft spricht. Damit würden Populationen zusätzlich zu den Verlusten auf der Straße weiter abnehmen. Dass kein Hausbesitzer seine Mauer oder Zaunsockel abreißt, das ist für Zahn völlig klar. „Das macht nur ein absoluter Igelfreund.“ Aber mit kleinen Eingriffen könnte viel bewirkt werden. Etwa die Sockel abschrägen, dass er nicht zu hoch ist oder einen Durchlass schaffen.

Lesen Sie auch: Platz für 48 Kinder: Das sind die Pläne für neue Krippe in Waldkraiburg

In alten Bebauungsplänen in der Stadt sind Öffnungen in Zäunen nicht berücksichtigt, bei Neubauten hingegen könne man dies tun. In Stellungnahmen zu Bebauungsplänen weist der Bund Naturschutz genau auf dieses Problem hin. „Wenn es Festsetzungen zur Gestaltung von Zäunen gibt, dann wird dieser Punkt berücksichtigt“, erklärt Bauamtsleiter Carsten Schwunck. Dann müssen mindestens alle paar Meter Öffnungen für die Kleintiere freigehalten werden. Viele Bauherren würden es einhalten, aber manchmal verschwindet diese Lücke wieder. Damit das eigene Haustier aus dem Garten nicht ausbüchsen kann oder weil sie mit der Zeit einfach zuwächst.

Bodenabstand festlegen

Doch gibt es viele Wohngegenden ohne Bebauungsplan, wo niemand den Gartenbesitzern solche massiven Grenzsicherungen verwehren kann. Eine Lösung wäre nach Ansicht des Bund Naturschutz eine Einfriedungssatzung für das ganze Stadtgebiet, wie sie in Bayern nach der Gemeindeordnung möglich ist. Darin kann beispielsweise ein bestimmter Bodenabstand für Mauern und Zäune festgelegt werden. Würde der Vollzug auch kontrolliert, stünde dem Igel die Welt wieder offen.

Doch ob tatsächlich bei allen Neubauten Öffnungen berücksichtigt sind, dafür fehlen in der Stadt ganz einfach die Kapazitäten, wie Schwunck erklärt. Er setzt mehr auf das Verständnis der Hausbesitzer. „Appelle, die Kleintiere zu bedenken, fruchten mehr als eine Festsetzung im Bebauungsplan.“ Das glaubt auch Andreas Zahn. „Man muss nur die Perspektive einer Kröte einnehmen, um zu sehen, wo es nicht weitergeht.“

Mehr zum Thema

Kommentare