Untreuer Buchhalter verurteilt: Waldkraiburger zweigt 72.000 Euro ab

Wegen gewerbsmäßigen Betrug und Untreue in besonders schwerem Fall musste sich ein 28-Jähriger vor Gericht verantworten.
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Wegen gewerbsmäßigen Betrug und Untreue in besonders schwerem Fall musste sich ein 28-Jähriger vor Gericht verantworten.
  • Peter Becker
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Tief in die Kasse des Arbeitgebers hat ein Buchhalter gegriffen. Um Schulden bei Kreditkartenfirmen zu tilgen, hat ein 28-Jähriger mehr als 72000 Euro auf sein Konto abgezweigt. Zu eineinhalb Jahren wurde der Angeklagte am Amtsgericht Mühldorf auf Bewährung verurteilt, einen Teil der Vorwürfe bestritt er bis zuletzt.

Waldkraiburg – Zwischen April 2016 und Juni 2019 war der Angeklagte bei einer Waldkraiburger Firma als Buchhalter angestellt. Diesen Posten nutzte er aus: Laut Anklageschrift hat der Mann 19-mal Geld des Arbeitgebers im Gesamtwert von 42 591 Euro auf das eigene Konto überwiesen. Dem nicht genug: Zuvor hat er 61-mal aus der Getränkekasse der Firma bedient, wobei ein Betrag von 30 456 Euro zusammengekommen sein soll. Letzteres bestritt der Angeklagte bis zuletzt: „Ich will nicht für etwas geradestehen müssen, das ich nicht war“, sagte der Angeklagte.

61 Barzeinzahlungen auf das Konto

Nachdem der Buchhalter mit den Überweisungen den Großteil der Untreue gestanden und die Gelder bereits zurückgezahlt hat, warf die Staatsanwaltschaft dem Betrüger noch vor, zwischen Dezember 2016 und August 2018 Geld aus der Getränkekasse des Arbeitgebers abgezweigt zu haben. In dieser Zeit war in der Kasse, die der Angeklagte verwaltete, ein Verlust von rund 17 000 Euro entstanden, wie die Chefbuchhalterin der Firma bezeugte. Auch wenn man es dem Angestellten nicht direkt nachweisen konnte: Fehlbeträge gab es nur in der Zeit, in der Angeklagte für die Firma tätig war.

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Außerdem gab es laut Staatsanwaltschaft in dieser Zeit 61 Bareinzahlungen auf das Konto des Angeklagten mit mehr als 30 000 Euro, davon 24 300 Euro in Münzen. Weil die eingezahlte Summe höher ist als der Verlust des Arbeitgebers, zog der Anwalt des Beklagten, Michael Fraunhofer, den Vorwurf in Zweifel.

Kontonummern auf den Überweisungsträgern ausgetauscht

Richter Florian Greifenstein argumentierte, dass dabei die Gewinnaufschläge zu den Einkaufspreisen berücksichtigt seien. Für die Einzahlungen hatte der Angeklagte eine ganz andere Erklärung: Zwei unbekannte „Angolaner oder Nigerianer“ hätten ihn zur Einzahlung von Münzen aus Spielautomatengewinnen und zur Überweisung an Western Union genötigt. Genauere Angaben über die beiden Spielautomatenprofis aus Afrika wollte der Angeklagte aber nicht machen.

Nur wenige Wochen nachdem der Geschäftsführung das Minus bei den Getränken offenbar wurde, und die Kasse der Obhut des Angeklagten entzog, fingen im September 2018 die Überweisungen auf dessen Konto an. Dabei hatte der Angeklagte zunächst die Kontonummern auf den Überweisungsträgern ausgetauscht, nachdem sie die Chefetage unterzeichnet hatte.

Name einer Reparaturfirma für Machenschaften missbraucht

Später hatte er frei erfundene Überweisungen eingereicht, im letzten Falle eine über mehr als 5000 Euro. Bei einer ersten Rückfrage der Bank, weshalb der Empfänger jemand anderes sei, als der Rechnungssteller, hatte der Angeklagte angegeben, dass es sich bei den Zahlungen um Prämien handle.

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Die Beträge waren der Firma zunächst nicht aufgefallen, weil die Rechnungen der Reparaturfirma, deren Name der Angeklagte hauptsächlich missbraucht hatte, im Monat mitunter sechsstellige Beträge erreichen und erst spät angemahnt wurden.

Rund 100.000 Euro Schulden angehäuft

Verurteilt wurde der Angeklagte am Ende für gewerbsmäßigen Betrug und Untreue in besonders schwerem Fall in 80 Fällen. Die Staatsanwaltschaft plädierte für eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie das Begleichen der Schadenssumme von 17.000 Euro.

Das Gericht verurteilte den Mann mit 1,5 Jahren auf Bewährung, Richter Greifenstein monierte deutlich, dass „die Afrikanergeschichte in Gänze unglaubwürdig“ sei und dass die Unterstellung des Angeklagten, die Geschäftsführung könne Beträge aus der Getränkekasse abgezweigt haben, um Überstunden bar auszuzahlen, „ein unverschämter Vorwurf“ sei.

Er rechnete dem Angeklagten an, dass er strafrechtlich noch nie in Erscheinung getreten war. Zudem wird der Angeklagte nach eigener Aussage die nächsten 20 Jahre rund 100.000 Euro Schulden tilgen, die er seit 2013 bei zwei Kreditkartenfirmen und zwei weiteren Kreditgebern angesammelt hatte.

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