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Maßnahme gegen hohe Corona-Inzidenz

Überfällig oder überflüssig? Diskussionen um Maskenpflicht am Waldkraiburger Stadtplatz

„Das ist eine ernste Krankheit. Ich finde die Maskenpflicht richtig“, sagt Oguzhan Acikyürük (links), der sich regelmäßig mit Freunden wie Ibrahim Kücük am Stadtplatz trifft. Zuletzt war nicht allzu viel los. Doch noch vor Kurzem versammelten sich an schönen Tagen bis zu 200 Leute hier, die meisten ohne Maske. Grundner
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„Das ist eine ernste Krankheit. Ich finde die Maskenpflicht richtig“, sagt Oguzhan Acikyürük (links), der sich regelmäßig mit Freunden wie Ibrahim Kücük am Stadtplatz trifft. Zuletzt war nicht allzu viel los. Doch noch vor Kurzem versammelten sich an schönen Tagen bis zu 200 Leute hier, die meisten ohne Maske. Grundner
  • Hans Grundner
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  • Raphaela Lohmann
    Raphaela Lohmann
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War sie überfällig oder ist sie überflüssig? An der neuen Maskenpflicht am Waldkraiburger Stadtplatz scheiden sich die Geister.

Waldkraiburg – „Vollkommen richtig“ findet die Maskenpflicht Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk, der vor Wochen auf die Infektionsgefahr durch Menschenansammlungen im Zentrum hingewiesen hatte. Über eine „Verzweiflungsaktion, die nichts bringt“, schimpft dagegen Serhat Yazici, der mit seiner Familie zwei Lokale am Stadtplatz betreibt.

Maskenpflicht und Alkoholverbot auf frequentierten Plätzen

Seit Mittwoch gilt in der Zeit von 7 bis 21 Uhr Maskenpflicht und Alkoholverbot am Waldkraiburger Stadtplatz so wie an anderen stärker frequentierten Plätzen in Mühldorf, Neumarkt, Kraiburg, Ampfing und Haag. Das Landratsamt hatte mit dieser Vorschrift auf die hohen Inzidenzwerte jenseits der 300er-Marke im Landkreis reagiert.

Akzeptanz lässt noch zu wünschen übrig

Maskenpflicht? „Ich hab noch keine Maske gesehen“, macht Serhat Yazici deutlich, dass es an der Akzeptanz mindestens am Anfang gewaltig hapert. Noch am Mittwochabend – längst hängen überall Hinweise auf Maskenpflicht – trägt grade mal ein Viertel der etwa 40 Personen, die sich auf und im Bereich der Sitzbänke aufhalten, Mundschutz.

Junge Leute fühlen sich genervt

„Es nervt halt, man kriegt Kopfweh. Viele haben einfach keine Lust mehr drauf“, sagt Magdalena Bratu. Die Schülerin ist mit Freundinnen gekommen, „weil der Stadtplatz der einzige Ort ist, wo sich Jugendliche noch treffen können“. Weil sie nicht erwischt werden und ein Bußgeld zahlen wollen, haben sie Masken dabei.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Der Mundschutz sei wichtig, findet Magdalena Robeis, Schülerin aus Kraiburg. Trotzdem hält sie das Regelwerk für „inkonsequent“. Einerseits gelte Maskenpflicht und Abstand am Stadtplatz. „Und im Schulbus sitzen wir Schulter an Schulter. Und 2,50 Meter Abstand schaffen wir im Klassenzimmer auch nicht.“

Gastwirt: Wir sind hier nicht am Münchner Marienplatz

Gastwirt Yazici hält die Maskenpflicht für den Stadtplatz für „Krampf. Was soll das im Freien bringen?“ Die Regel sei nur dazu da „die Leute vom Besuch öffentlicher Plätze abzuschrecken“. Wenn sie wegbleiben, falle sogar der Umsatz weg, den er täglich mit 40 bis 50 Kaffees to Go gemacht habe. „Die Regel gibt es nur, weil sie die Einhaltung der Abstände einfach nicht mehr im Griff haben.“ Die hält auch er für sinnvoll. Völlig übertrieben sei es aber, so zu tun, als „wären wir hier am Marienplatz in München mit Tausenden von wildfremden Leuten“. Das seien doch immer dieselben, die sich da am Abend treffen.

Bis zu 200 Leute „wie die Heringe, ohne Maske“

Bis zu 200 Leute seien an warmen Tagen schon da gewesen, erzählt Oguzhan Acikyürük, der oft am Platz mit Freunden zusammenkommt. Acikyürük, der nach eigenen Angaben schon geimpft ist, hat kein gutes Gefühl bei diesen Mengen. Längst hat es auch in seinem Familien- und Freundeskreis Corona-Fälle gegeben. „Das ist eine ernste Krankheit. Ich finde die Maskenpflicht richtig.“

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Nicht wenige machen die „Happenings“ am Stadtplatz mitverantwortlich für den Anstieg der Infektionszahlen in der Stadt. „An schönen Tagen hat das überhand genommen“, sagt Willi Engelmann, der sich vorstellen kann, die Maskenpflicht auf andere stark frequentierte Bereiche, etwa in der Berliner Straße, auszudehnen.

Kritik an Polizei

Andrea Schmieder vom gleichnamigen Handarbeitsgeschäft pflichtet ihm bei. „Wie die Heringe, ohne Maske“ seien die jungen Leute zusammengesessen. „Wenn das geht, warum sind die Biergärten noch geschlossen?“ Nicht nur sie fragt sich, warum die Polizei so wenig gegen die Ansammlungen unternommen habe.

Bürgermeister und PI-Leiter setzen auf Appelle und Aufklärung

Bürgermeister Robert Pötzsch wirbt für die neuen Vorgaben. „Mit kleineren Maßnahmen braucht es hoffentlich keinen ganz harten Lockdown.“ Er glaubt, dass die Maskenpflicht wirkt. „Es ist schon deutlich weniger los als in den vergangenen Wochen.“ Mit Appellen, nicht mit großen Strafen wolle man die Leute sensibilisieren. „Strafen würden das Ganze doch nur an andere Plätze verlagern, und wir könne nicht die ganze Innenstadt sperren.“

Seit Mittwoch gilt Maskenpflicht.

„Mit Augenmaß“ gehe die Polizei vor, sagt der stellvertretende PI-Leiter Franz Lohr. „Wir versuchen mit Appellen aufzuklären. Aber es gibt auch Unbelehrbare, dann gibt es eine Anzeige.“ Auch die Sicherheitswacht achte auf die Maskenpflicht. Doch oft sei es nicht leicht, die Leute zu kontrollieren. Schnell werde da die Maske richtig hoch gezogen oder der Platz verlassen, sobald eine Streife zu sehen sei. Lohr spricht von einem „Verdrängungseffekt“, der auch am Skaterplatz immer wieder zu beobachten sei.

Jeder dritte infizierte Landkreisbürger aus Waldkraiburg

Mit 248 aktiven Fällen kommt aktuell jeder dritte Corona-Infizierte aus Waldkraiburg. Wieso ausgerechnet hier die Zahlen so stark gestiegen sind, die Frage warf Ulli Maier im Stadtrat auf. Eine Antwort kann Bürgermeister Robert Pötzsch auch nach Gesprächen mit Landrat Max Heimerl nicht geben.

Es gebe eine Vielzahl von Infektionsherden, viele Ansteckungen passieren im privaten Umfeld. Obwohl Treffen nur mit Personen aus einem anderen Haushalten erlaubt sind, war gerade der Stadtplatz zuletzt bei schönem Wetter stark besucht. „Es ist zwar besser, wenn sich Freunde im Freien treffen, aber nicht in größeren Gruppen“, so Pötzsch.

Während man vor wenigen Wochen hoffte, Teil eines Pilotprojekts werden zu können, müsse man nun schnell „von der 300“ runterkommen. Entscheidend dafür: viele Tests, um Infektionsketten zu unterbrechen, und Impfangebote annehmen.

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