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Der Turnvater und seine Nachkommen

Der politische Hintergrund der Turnerbewegung wirkt weit bis ins 20. Jahrhundert nach, wie die Einladungskarte zum 60. Gründungsfest des TV Kraiburg 1925 zeigt. Die Musterriege des TV Kraiburg mit Riegenführer Max Schleißheimer senior zeigt dieses Bild (unten ) aus dem Jahr 1913. Fotos Gemeindearchiv
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Der politische Hintergrund der Turnerbewegung wirkt weit bis ins 20. Jahrhundert nach, wie die Einladungskarte zum 60. Gründungsfest des TV Kraiburg 1925 zeigt. Die Musterriege des TV Kraiburg mit Riegenführer Max Schleißheimer senior zeigt dieses Bild (unten ) aus dem Jahr 1913. Fotos Gemeindearchiv

Der Turnverein Kraiburg ist ein Kind der Turnerbewegung des 19. Jahrhunderts, die auf Männer wie "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (1778 bis 1852) zurückgeht.

Die ersten Jahre des TV Kraiburg sind mit dem Namen von Dr. Eduard Lerch verbunden, der 1865 die Initiative zur Gründung des Vereines ergriff.

Kraiburg - Fünf Jahre zuvor war der Apotheker nach Kraiburg gekommen, im Jahr 1860, in dem sich in Coburg über tausend Turner zum 1. Deutschen Turn- und Jugendfest versammelten. Dieses Fest knüpfte an die Ideeen und Gedanken des Friedrich Ludwig Jahn an, der 50 Jahre zuvor den ersten deutschen Turnplatz in der Berliner Hasenheide errichtet hatte. Die Turnbewegung war damals eine politische Bewegung, bürgerlich, liberal, national, darauf ausgerichtet, ein geeintes deutsches Vaterland zu errichten. Turnen sollte die Körper ertüchtigen und wehrfähig machen.

Das Coburger Turnfest, das an diese Tradition anknüpft, löste in allen Ländern des Deutschen Reiches eine Gründungswelle aus. Weit über tausend Turnvereine wurden in nur wenigen Jahren gegründet, eben auch in Kraiburg.

Anders als heute, wo in der Gründungsversammlung auch die Satzung festgelegt wird, wurden die Statuten dieses neuen Vereins erst am 22. Mai 1866 dem Magistrat des Marktes zur Genehmigung vorgelegt.

Seinen ersten Höhepunkt erlebte der Turnverein, als im September 1867 mit einem großen Fest die erste Vereinsfahne geweiht wurde. 30 Gulden, 12 Kreuzer mussten damals für die Fahne bezahlt werden, die bis Ende der 1960er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch bei besonderen Anlässen mitgetragen wurde. Heute ist sie im Heimatmuseum untergebracht.

Recht wechselhaft war die Entwicklung des Vereins in den ersten 30 bis 40 Jahren. Der deutsch-franzöische Krieg 1870/71 hatte zahlreiche Mitglieder gekostet. Dies führte sogar dazu, dass das 25-jährige Gründungsfest erst vier Jahre später, nämlich am 16. und 17. Juni 1894, gefeiert wurde, dafür aber umso aufwendiger mit Vereinen aus dem gesamten Turngau Rosenheim, zu dem auch der TV Kraiburg gehörte.

"Zöglingsturnen" in der Theaterhalle

Einen großen Aufschwung und eine echte Blütezeit erlebte der Verein ab 1904 unter Führung von Max Schleißheimer als Vorstand. Die Mitgliederzahl verdoppelte sich auf über 80 und das "Zöglingsturnen" und das Winterturnen in der Zellnerschen Theaterhalle erfreuten sich großer Beliebtheit. 1909 erlebte die Bevölkerung unter der Leitung von Turnwart Willy Mitterhuber erste Turnvorführungen auf dem Schlossberg, die später zu den Schlossbergturnfesten führten, und 1912 wurde eine Faustballabteilung gegründet.

Vom Magistrat wurde die Überlassung der Krankenhauswiese als neuer Sportplatz genehmigt, auf dem am 17. Mai 1912 die Vereine des Inn-Salzach-Turngaus ihr Können zeigten, auf dem "neuen, sehr schön angelegten Turnplatze des hiesigen Turnvereins", wie im Mai 1912 im Mühldorfer Anzeiger stand. Die Kraiburger Turnerriege wurde beim Gauturnfest in Wasserburg mit dem Prädikat "vorzüglich" ausgezeichnet. Selbstverständlich waren Kraiburger Turner auf den deutschen Turnfesten der damaligen Zeit vertreten. In den allgemeinen Umschwung fiel auch am 4. April 1912 die Eintragung des Turnvereins ins Vereinsregister.

Der Erste Weltkrieg setzte der Entwicklung des Turnvereins ein plötzliches Ende, da fast alle Mitglieder eingezogen waren und nur wenige unversehrt nach Hause zurückkamen. Max Schleißheimer wurde mit seiner Mannschaft auf der ersten Generalversammlung nach dem Krieg wieder gewählt, aber der Mitgliederaufschwung ging nun vor allem auf andere Sportarten wie Fußball, Leichtathletik oder Mädchenturnen zurück.

Im Jahr 1920 wird die Fußballabteilung gegründet, die dann 1928 den Spielbetrieb auf der "Hälfte der Pferdemarktwiese" aufnimmt, die die Gemeinde zur Verfügung stellte. Die erste Mädchenriege ist ausdrücklich in den neuen Statuten des Jahres 1925 aufgeführt. Im selben Jahr wird das 60-jährige Gründungsfest groß gefeiert.

Als neue Abteilungen wurden 1931 die Ski- und die Schwimmabteilung gegründet, 1935 kommt noch die Tischtennisabteilung dazu. 1936 wird der "Turnstadel" zur Turnhalle ausgebaut und im August1937 erfolgt die Eröffnung des Schwimmbades an der ehemaligen Innbrücke, eine Gemeinschaftsarbeit des gesamten Marktes, die in kurzer Zeit vollendet wurde.

Wiederaufbau

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war schwierig, denn 20 Mitglieder waren im Krieg umgekommen, noch mehr vermisst oder in Gefangenschaft. Der "unbelastete" Franz Mayr war es, der in Personalunion als Vorstand, Schriftwart, Kassier und Turnwart die Wiederbelebung des Vereins einleitete.

Im Frühjahr 1947 wurde wieder mit dem Kinderturnen angefangen, Fußball und Tischtennis wurden gespielt, Schäfflertanz und Schlossbergfest durchgezogen. Und im Jahr 1952 bei der Vereinsmeisterschaft der Skifahrer wurden im Pumpenhölzl beachtliche Leistungen von den Skispringern erzielt. Trotz Herbstmeisterschaft mussten sich die Fußballer 1950 wegen Nachwuchsmangel vom Spielbetrieb zurückziehen und erst 1956 ging es mit dem Fußball wieder weiter.

Bei der Einweihung des heutigen Sportplatzes im Jahr 1966 kamen zum Eröffnungsspiel gegen den VfL Waldkraiburg 2000 Zuschauer. Durch die Eröffnung des neuen Schwimmbades ein Jahr später in unmittelbarer Nähe zum Sportplatz entstand ein kleines Sportzentrum, das mit dem Bau der ersten Tennisplätze im Gründungsjahr der Tennisabteilung 1974 abgerundet wurde.

Davor standen noch 1968 die Gründung der Abteilung Bergwandern, die zehn Jahre später mit der Einweihung des Gipfelkreuzes auf dem Sonneck ihren Höhepunkt hatte, 1969 die Gründung der Tanzsportabteilung, die als Narrengilde bis heute weit über die Grenzen hinaus bekannt wurde, 1970 die Gründung der AH-Abteilung im Fußball und 1972 die Gründung der Abteilung Stockschützen. Letzter Baustein für das "Sportzentrum" war schließlich die Einweihung des Sportheimes auf dem Vereinsgelände im Jahr 1979.

In den 90er-Jahren wuchs der Turnverein auf rund 1400 Mitglieder an und damit auch vor allem das Sportangebot im Jugendbereich. Abteilungen wie Leichtathletik und Stockschützen hatten es bei der Nachwuchssuche wesentlich schwerer als Fußball und Tennis. Die Tennisfreude gehen inzwischen auf sechs Plätzen ihrem Sport nach und für die Fußballer wurde 2005 das Trainingsgelände auf die heutige Größe ausgeweitet.

Erfreulich, dass sich im heurigen Jubiläumsjahr die Tischtennisabteilung zum dritten Mal erfolgreich wiedergegründet hat. Das Sportheim ist inzwischen mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet, die notwendige Grundsanierung und die Erweiterung auf die heutigen Bedürfnisse kann in diesem Jahr noch abgeschlossen werden. Damit ist für eine erfolgreiche Zukunft des TV 1865 Kraiburg ein weiterer Grundstein gelegt. ng/hg

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