Thema im Stadtrat

Trotz Vertrag mit der Bahn: Pläne für Waldkraiburger Fußgängerbrücke bleiben

Es bleibt dabei: Die neue Brücke über die Bahnlinie wird nicht angehoben. Trotz einer Vereinbarung mit der Bahn geht die Stadt das Risiko ein, zu einem späteren Zeitpunkt mehr dafür bezahlen zu müssen als jetzt.
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Es bleibt dabei: Die neue Brücke über die Bahnlinie wird nicht angehoben. Trotz einer Vereinbarung mit der Bahn geht die Stadt das Risiko ein, zu einem späteren Zeitpunkt mehr dafür bezahlen zu müssen als jetzt.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Anheben oder nicht? Die Entscheidung für die neue Fußgänger- und Radwegbrücke über die Bahnline hatte der Stadtentwicklungsausschuss bereits einstimmig getroffen. Doch in der jüngsten Sitzung des Stadtrats stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Am Entschluss hat sich nichts geändert, aber es bleibt ein Risiko.

Waldkraiburg – Eine neue Fachwerkbrücke aus glasfaserverstärkten Kunststoffen soll die alte Holzbrücke über die Bahnlinie ersetzen. Der Entschluss dazu ist bereits im Sommer vergangenen Jahres gefallen. Zuletzt hatte sich der Stadtentwicklungsausschuss damit auseinandergesetzt. Es ging darum, ob die Brücke angehoben werden soll, um damit die Voraussetzungen für eine Elektrifizierung der Bahnlinie zu schaffen.

Mehrkosten von 93.000 Euro

Nur mit dem Anheben der Brücke allein ist es nicht getan, auch die hinführenden Rampen des Fuß- und Radwegs müssten verlängert werden, der hintere Parkplatz am Bahnhof müsste angehoben werden. Das sind Mehrkosten von 93.000 Euro. Daran will und kann sich die Bahn zum jetzigen Zeitpunkt nicht beteiligen, weil die Elektrifizierung der Bahnlinie Mühldorf-Rosenheim bislang nicht im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist.

Im Stadtentwicklungsausschuss vertrat man daher die Meinung, dass die Bahn selbst für die Anhebung der Brücke aufkommen müsse, wenn sie ihre Position ändert. Damit war das Thema für die Stadt eigentlich vom Tisch. Eigentlich. Denn erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass es aus dem Jahr 1995 eine Kreuzungsvereinbarung zwischen Stadt und Bahn gibt.

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Die besagt, dass „die neue Wegeüberführung auf Kosten der Stadt entsprechend anzupassen ist, wenn von der DB die Strecke Rosenheim-Mühldorf elektrifiziert wird“. Eine Anhebung zu einem späteren Zeitpunkt würde nach jetzigen Schätzungen rund 169.000 Euro kosten.

„93.000 Euro sind jetzt viel Geld und es ist nicht absehbar, ob und wann eine Elektrifizierung der Bahnlinie kommt“, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). Es bestehe das Risiko, dass die Elektrifizierung erst in 30 Jahren realisiert werde.

50 bis 70 Jahre habe die Brücke Bestandszeit, wie Bauamtsleiter Carsten Schwunck erklärte. Auch wenn es ärgerlich sei, eine Anhebung zum jetzigen Zeitpunkt sei zu empfehlen.

Das sah das Gremium aber größtenteils anders: Auf den zweigleisigen Ausbau der Hauptstrecke München-Mühldorf warte man schon Jahrzehnte. „Eine Elektrifizierung der Bahnlinie wird nie kommen“, war sich Michael Steindl (UWG) sicher. Auch Fraktionskollege Hans Vetter sah es ähnlich: Nicht jede Regionalbahnstrecke werde elektrifiziert. Wasserstoffzüge seien eher eine Alternative. Elektromasten zwischen Mühldorf und Rosenheim sieht auch Ulli Maier (UWG) nicht.

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Die Mehrkosten von 93.000 Euro sind zwar laut Schwunck noch nicht im Haushalt berücksichtigt, könnten aber über Einsparungen erreicht werden. Den Haushalt zusätzlichen belasten will Tatjana Zapp (AfD) nicht. „Sparen lautet die Devise. Außerdem wird die Elektrifizierung so schnell nicht passieren.“

Welches Risiko bleibt, wenn man die Brücke jetzt nicht anhebt? Im schlimmsten Fall muss die Stadt zahlen. Ob das passiert? „Eher bricht in der Nähe ein Vulkan aus als dass die Elektrifizierung kommt“, ist sich Christoph Vetter (UWG) sicher.

Am Ende bleibt ein Risiko

Für Anton Sterr (CSU) bräuchte es schon den Blick in die Glaskugel. Für ihn sind die Kosten zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu vertreten. „Auch wenn ein Risiko bleibt.“ Auf ein Poker-Spiel läuft es am Ende für Wolfgang Nadvornik (CSU) hinaus.

Die Stadt lässt es nun darauf ankommen. Denn nur fünf Stadträte möchten die Fußgänger- und Radwegbrücke zum jetzigen Zeitpunkt für eine Elektrifizierung fit machen. 29 allerdings stimmten dagegen, sodass es beim Beschluss des Stadtentwicklungsausschuss bleibt. Die neue Brücke über die Bahnlinie wird deshalb nicht angehoben.

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