Trends kamen und gingen: Waldkraiburger Sportartikelhändler startete vor 50 Jahren seine Ausbildung

Trends kamen – Trends gingen: Adi Schäftlmaier, der vor im September vor 50 Jahren in München seine Ausbildung als Sportartikelhändler begonnen hat, in seinem Intersport-Geschäft in Waldkraiburg. Laufschuhe haben sich ebenso wie die Kletterausrüstung als wichtige Angebotssäule gehalten. Petzi/Privat
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Trends kamen – Trends gingen: Adi Schäftlmaier, der vor im September vor 50 Jahren in München seine Ausbildung als Sportartikelhändler begonnen hat, in seinem Intersport-Geschäft in Waldkraiburg. Laufschuhe haben sich ebenso wie die Kletterausrüstung als wichtige Angebotssäule gehalten. Petzi/Privat
  • Nicole Petzi
    vonNicole Petzi
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Von der Preisbindung bis zum Online-Handel: Adi Schäftlmaier, Waldkraiburger Sportartikelhändler und seit Jahrzehnten Mitglied im Vorstand der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk, hat viel erlebt. Vor 50 Jahren begann er seine Ausbildung bei Sport Schuster in München.

Waldkraiburg– „Ich wollte beruflich immer etwas mit Sport machen. Das stand außer Frage“, sagt Adi Schäftlmaier. Und vor genau 50 Jahren – im September 1970 – hat der Waldkraiburger Sportartikelhändler, der seit Jahrzehnten die Kaufleute in der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk vertritt, damit begonnen. Der heute 65-Jährige startete seine Einzelhandelsausbildung bei Sport Schuster in München.

Schäftlmaier beim Klettern in Halle BH12

Leidenschaftlicher Sportler

Adalbert Schäftlmaier hat seine Leidenschaft für den Sport mit dem Geschäft verbunden. Mit Erfolg: Seit fast 40 Jahren ist der vitale Geschäftsmann im Sportartikeleinzelhandel in Waldkraiburg mit seinem gleichnamigen Intersport-Geschäft vertreten. Seine Lehre hat er genau vor 50 Jahren aufgenommen. Seitdem hat sich das Geschäft total verändert. Doch die Leidenschaft für den Sportartikeleinzelhandel, die merkt man Schäftlmaier immer noch an.

In seiner Jugend hatte viel für einen anderen Weg gesprochen. Schäftlmaiers Familie führte ein Elektro-Geschäft in Thann. Mit Elektrik konnte der junge Mann aber nichts anfangen; seine Lehre im Sportartikeleinzelhandel bei Sport Schuster in München schloss er im Juli 1972 als Jahrgangsbester ab.

Chancen, ins Biathlon-Team zu kommen

Spielführer im Fußballteam in Grundschule

Und auch nach der Ausbildung ging es bei der Bundeswehr sportlich weiter: als Gebirgsjäger! Ob ihn nicht auch eine Sportler-Karriere gereizt hätte? „Ich hätte die Möglichkeit gehabt, ins Biathlon-Team zu kommen. Aber mit dem Leistungsdruck verliert man doch den Spaß am Sport“, so der Mittsechziger mit einem Lächeln.

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Die Energie, die hat Adi Schäftlmaier als Selbstständiger lieber zusammen mit seiner Frau in sein eigenes Geschäft in Waldkraiburg gesteckt – heute auf 520 Quadratmetern inklusive Lager. Dreimal so groß wie am Anfang. Verändert hat sich viel in den letzten Jahrzehnten.

Ob Surfwelle oder Tennisboom – alles vorbei

Trends kamen – Trends gingen: die Surfwelle, der Tennisboom. Was blieb, war das große Angebot an Laufschuhen. Dafür ist Adi Schäftlmaier, selbst 25 Jahre lang aktiv beim LG Mettenheim, weit und breit bekannt. „Wir waren die ersten hier, die nicht nur Adidas und Puma verkauft haben, sondern auch andere Marken wie Nike und Asics.“

„Heute ist jeder Preis handelbar“

Kunden, die in sein Geschäft kommen, die wollen gutes Geld für eine kompetente Beratung ausgeben und kommen dafür auch von weiter her. Den richtigen Schuh für den jeweiligen Fuß zu finden – das sei das A und O.

Schäftlmaier Adi und Sohn Alexander (Petzi)

Nachdem die Preisbindung kurz nach seiner Lehrzeit aufgehoben worden war, wurde der Konkurrenzkampf auch im Sportartikelgeschäft rauer, erinnert sich der Geschäftsmann. Preisverfall, Rabatte, Schlussverkäufe. Schnelllebiger sei das Geschäft geworden. Abgesehen davon: „Heute ist doch jeder Preis handelbar!“

Online-Handel macht die Hälfte des Umsatzes aus, ist aber wenig rentabel

Schäftlmaier mit KLetterschuh (Petzi)7

Und dann der aufkommende Onlinehandel, dem Schäftlmaier allerdings nicht das Feld überlassen wollte. Zusammen mit Sohn Alexander, natürlich auch Sportler und seit 25 Jahren mit im Familiengeschäft, ging er selbst online. Ein Geschäft, das zwischenzeitlich rund die Hälfte ausgemacht hat, das aber wieder zurückgefahren werden soll, da wenig rentabel.

Laufschuhe und Kletterausrüstung ziehen bis heute

Dennoch war auch das ein richtiger Schritt, sei das Angebot an Schuhen dadurch viel breiter geworden. Außerdem habe auch das Corona-Geschäft dank Online-Handel geboomt.

Aber was wirklich zieht, und das seit Jahren: Klettern! „Das war ein genialer Clou“, freut sich Adalbert Schäftlmaier, der selbst seit mehreren Jahren klettert und vor fünf Jahren kräftig für die neue Kletterhalle in Waldkraiburg gespendet hat.

„Dadurch wurden wir zum offiziellen Partner.“ Da sich besonders auch Junge für den Sport interessieren, kommen sie als frische Kundschaft zu Schäftlmaier. Das richtige Händchen für Chancen, die sich bieten. Auch das macht einen guten Geschäftsmann aus. Im Lauf der vielen Jahre hat der Sportartikelhändler nach eigenen Angaben immer schwarze Zahlen geschrieben.

Er hat nicht nur Sportartikel verkauft, Adi Schäftlmaier war immer auch aktiver Sportler, 25 Jahre lang für den LG Mettenheim.

MIt 66 Jahren will er gesundes Geschäft übergeben

Seit 35 Jahren ist er im Vorstand der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk in Waldkraiburg und weiß auch deshalb, dass es für viele im Einzelhandel sehr schwierig geworden ist. Er dagegen übergibt demnächst ein gesundes Geschäft an Sohn Alexander. Im kommenden Jahr möchte sich Adalbert Schäftlmaier Zeit für andere Dinge nehmen. Heißt es nicht, dass mit 66 Jahren das Leben anfängt?

„Der Verkäufer wird wieder wichtiger“

Christian Göttlinger, Vorsitzender des Handelsverbands im Landkreis: „Der Einbruch im Einzelhandel ist nicht erst seit Corona spürbar. Auch vor der Pandemie gab es Frequenzverluste. Der Online-Handel der großen Unternehmen, die nicht in Deutschland ihren Sitz und dadurch rechtliche Vorteile haben, macht Konkurrenzdruck. Die kleineren Geschäfte müssen mit Reglementierungen und Datenschutzverordnung umgehen. Den vollen Service und ein Online-Handel zu bieten, ist mit hohem Aufwand verbunden. Jedoch nimmt der stationäre Handel wieder Fahrt auf; die Geschäfte sind sehr bemüht, den Kunden die Verunsicherung zu nehmen. Auch wird kompetente Beratung wieder wichtiger. Den Verkäufer möchte der Kunde wieder als Menschen vor sich haben.“ pet

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