Strenge Hygiene-Regeln

Trauer in Corona-Zeiten: Waldkraiburger Bestatter berichtet über belastende Erfahrungen

Für Bestatter Michael Reisegast hat sich in der Corona-Pandemie viel verändert. Die Infektionsschutzmaßnahmen haben die Arbeit erschwert, gleichzeitig wurde ihnen erst spät eine „erhöhte Priorität“ beim Impfen eingeräumt.
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Für Bestatter Michael Reisegast hat sich in der Corona-Pandemie viel verändert. Die Infektionsschutzmaßnahmen haben die Arbeit erschwert, gleichzeitig wurde ihnen erst spät eine „erhöhte Priorität“ beim Impfen eingeräumt.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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In den Wintermonaten gibt es ohnehin mehr Sterbefälle. Auch ohne Corona. Jetzt sind die Bestatter, auch in Waldkraiburg, besonders gefordert, fühlen sich aber gleichzeitig vergessen.

Waldkraiburg – Bislang sind im Landkreis Mühldorf 117 Personen an oder mit dem Corona-Virus verstorben (Stand: 11. Februar). Doch selbst nach dem Tod enden die Beschränkungen durch die Infektionsschutzvorschriften nicht. „Für die Angehörigen ist es schwierig, weil sie sich nicht verabschieden können“, erzählt Michael Reisegast, der das gleichnamige Bestattungsunternehmen leitet.

Abschied nehmen am offenen Sarg lassen die Vorschriften nicht zu. Schlimmer wird es, wenn die Angehörigen zunächst nicht wussten, dass der Verstorbene mit Covid-19 infiziert war. „Es ist belastend, wenn man das den Angehörigen mitteilen muss.“

Furcht vor einer Ansteckung

Ein Gefühl, das die Bestatter seit Beginn der Corona-Pandemie selbst kennen. Für sie gilt höchste Vorsicht. Denn es ist bislang nicht geklärt, ob und wie lange Verstorbene das Virus weitergeben können. FFP2-Masken, Brillenschutz und Schutzanzug – nur mit voller Montur werden die Verstorbenen abgeholt.

Transportiert werden dürfen sie nur in Leichenhüllen, die desinfiziert werden müssen und nicht mehr geöffnet werden dürfen. „Das erschwert unsere Arbeit“, sagt Reisegast.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bleibe die Furcht vor einer Ansteckung. „Wir sind alle gut ausgebildet, dennoch macht man sich Gedanken. Die Furcht hält wachsam und die Hygienemaßnahmen werden keine Routine.“

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Seit Beginn der Pandemie leisten die Bestatter Arbeit unter besonderen Herausforderungen. Doch sie fühlen sich von der Politik vergessen. Schon wieder. Denn als während der ersten Welle Masken und Handschuhe Mangelware waren, haben die Bestatter nichts bekommen und mussten sich gegenseitig aushelfen. Bestatter gelten zwar längst als systemrelevant, aber eine „erhöhte Priorität“ beim Impfen wurde ihnen erst Anfang dieser Woche eingeräumt. „Wir sind mit einer direkten Gefahr konfrontiert.“

Auch die Gespräche mit den Hinterbliebenen folgen in Corona-Zeiten eigenen Regeln. „Bei einem Trauergespräch ist der persönliche Kontakt sehr wichtig“, sagt Reisegast. „Total anders“ gestalte sich es, wenn die Familie selbst mit Corona infiziert ist. Dann bleibe nur Videokonferenz und Telefon. „Jeder versucht es so würdevoll, wie möglich zu gestalten, aber es fehlt das Persönliche.“

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Unabhängig von der Todesursache, Abschied nehmen in Zeiten von Corona ist generell nicht leicht. Für Beerdigungen gibt es genaue Vorgaben und das führe zu Verunsicherung. „Was darf man? Sind Umarmungen erlaubt? Sich unter solchen Umständen von jemanden zu verabschieden, ist für die Leute belastend“, sagt Reisegast.

Maximal 25 Personen dürfen bei einer Beerdigung dabei sein. Die Vorschriften sind mittlerweile so gelockert, dass auch enge Freunde dabei sein dürfen.

Seelsorger besonders gefordert

Doch für viele könne es auch eine Erleichterung sein, nur im engen Familienkreis Abschied zu nehmen, sagt Pater Walter Kirchmann. Aus Erzählungen weiß er, dass viele Angehörige dann Briefe oder Karten zugeschickt bekommen, um ihr Mitgefühl auszudrücken. „Daran sieht man sehr deutlich, wer tatsächlich Anteil nimmt.“

Auch für ihn ist die Arbeit als Seelsorger in der Corona-Zeit nicht einfacher geworden. Über Telefon oder Videokonferenzen ist er für die Leute da, aber auch persönliche Gespräche sind unter Vorsichtsmaßnahmen möglich. „Die Leute entscheiden selbst.“

Im Trauergespräch gehe es einerseits darum, das persönliche es Verstorbenen herauszuarbeiten, aber es geht auch um die Hinterbliebenen. Hier seien die Seelsorger besonders gefordert. „Es zerreißt vielen das Herz, weil sie zum Beispiel bei der Oma nicht dabei sein durften. So etwas können wir nicht rückgängig machen. Wir können dann nur für sie da sein und zuhören.“

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