Transparenz-Offensive der Bürgermeisterin: Standort für Lagerhalle in Kraiburg gefunden

  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Was hatte es für Ärger gegeben, als die Gemeinde den Weg freimachte, für die Erweiterung eines Fuhrunternehmens im Gewerbegebiet Kraiburg in Richtung Wohnbebauung. Die neue Bürgermeisterin Petra Jackl hat daraus beim nächsten Erweiterungsprojekt eines Betriebs die Konsequenzen gezogen.

Kraiburg – Die neue Lagerhalle, die die Firma Erco-Verpackungen GmbH errichten will, wird nun doch nicht näher an die Wohnsiedlung südlich des Gewerbegebiets heranrücken. Das 13 mal 45 Meter große Gebäude soll stattdessen auf dem Parkplatz der Volksfestwiese aufgestellt werden.

Gemeinderat schlägt neue Richtung ein

Das hat der Gemeinderat für das Bauleitplanverfahren vorgegeben, dafür warb Bürgermeisterin Petra Jackl zwei Tage später bei einem Ortstermin mit Anwohnern aus der Siedlung. Große Widerstände musste sie nicht brechen. Die Anlieger kennen den Betrieb und fürchten – im Gegensatz zu anderen Unternehmen im Gewerbegebiet – nicht, dass schwere Ruhestörungen davon ausgehen.

„Transparenz“ hat sich die neue Bürgermeisterin auf die Fahnen geschrieben. Möglichst früh will Jackl betroffene Bürger über Verwaltungshandeln in Kenntnis setzen, ihnen damit die Möglichkeit geben, sich in Entscheidungsprozesse und -verfahren einzubringen. So hat Jackl es auch bei dem aktuellen Thema Betriebserweiterung Erco gehalten. Gut 20 interessierte Anlieger waren ihrer Einladung zum Lokaltermin gefolgt.

Entscheidung in die neue Amtsperiode vertagt

Die Pläne, die Halle südlich des bestehenden Firmengeländes zu errichten, ist nach ihren Worten vom Tisch. Nicht zuletzt auf Jackls Betreiben hatte der Gemeinderat diesen Vorschlag ihres Vorgängers Herbert Heiml im April abgelehnt und den Tagesordnungspunkt damals in die neue Amtsperiode vertagt.

In der jüngsten Sitzung hat das Gremium statt dessen beschlossen, den Bebauungsplan „Festwiese“ zu ändern, mit dem Ziel, die Lagerhalle auf dem Volksfestparkplatz zu verwirklichen.

Firma wartet seit zwei Jahren auf Lösung

Klaus Russ, Inhaber des Unternehmens mit etwa zehn Mitarbeitern, kann mit der neuen Planung leben, wie er sagt. „Ich bin froh, dass endlich was in Gang kommt. Ich brauche diese Halle seit zwei Jahren.“ Die Geschäfte laufen gut bei der deutschlandweit führenden Firma, die sich auf Sandsäcke, Hochwasserschutz-Zubehör, Silosandsäcke und Ballastsäcke spezialisiert hat. Die Säcke werden auf dem Firmengelände abgefüllt, über zwei Millionen Säcke stehen bereit. Dafür braucht es Lagerkapazitäten.

„Das wird keine Maschinen- und Krachhalle“

„Das wird keine Maschinen- und Krachhalle“, sagt eine Anliegerin. Im Wohngebiet macht man sich eher Sorgen, was passiert, wenn der bestehende Betrieb den Standort einmal verlassen sollte. Jackl kann diese Befürchtungen entkräften. Das Firmengrundstück ist von der Gemeinde gepachtet. „Wenn er weggeht, haben wir es in der Hand, wer hinkommt.“

Noch ehe die Halle steht, soll der bestehende Erdwall zwischen Wohnsiedlung und Gewerbe fortgesetzt und bepflanzt werden. Das verspricht Jackl den Anliegern. Und: „Mit mir wird es keine weitere Bebauung mehr zur Siedlung hin geben.“ Freilich sei sie nur eine Stimme im Gemeinderat, ergänzt sie.

Bürger sollen sich in Verfahren einbringen

Die Bürgermeisterin reagiert damit auf die heftigen Auseinandersetzungen, die die Ansiedlung eines Fuhrunternehmens ausgelöst hatte, dessen Firmengelände zum großen Ärger einiger Anlieger in Richtung Wohnbebauung erweitert wurde. Dabei war eine Grenze, die der Gemeinderat mit der Gewerbebebauung nicht überschreiten wollte, gefallen. Auch die Entwicklung eines weiteren Betriebsgeländes macht den Anwohnern Sorgen.

„Da können wir nicht zurückrudern“, stellt Jackl dazu klar. Da sei nichts mehr zu machen, der Grund verkauft, Baurecht geschaffen. Allerdings läuft eine Normenkontrollklage gegen das Bauleitplanverfahren in Sachen Erweiterung des Fuhrunternehmens.

Sie bedauert, dass bei der Bauleitplanung für die Erweiterung des FuhrunternehmensAnlieger ihre Bedenken nicht innerhalb der vorgesehenen Fristen vorgebracht haben. Das soll nicht mehr passieren. Diesmal sollen die Bürger frühzeitig informiert werden, um ihre Einwände zu äußern und im Verfahren einbringen zu können.

Basketball- und Bolzplatz verlegt

Auch weitere lärmberuhigende Maßnahmen spricht die Bürgermeisterin an. Der Bolzplatz wird in Richtung Osten zwischen der neuen Erco-Halle und dem Erdwall verlegt. Der Basketball-Platz kommt in Richtung Staatsstraße und Festplatz. DerPump-Track, ein befestigter Rundkurs für Mountainbiker, Radler und Skater, der ebenfalls in diesem Bereich im Gespräch war, ist vorläufig zurückgestellt. Der Grund: „Corona wird auch unsere Finanzen treffen.“ Als Standort komme dafür später auch eine Fläche in der Nähe des Naturbads in Frage.

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