Eine Kraiburgerin organisiert Reit-Safaris in Indien – und überquert mit Pferden die Alpen

Die Kultur Indiens fasziniert Tina Dambacher bis heute. Über Jahre hat sie Wüstenritte durch Indien organisiert, die auch durch die Wüste Thar an die pakistanische Grenze führten, Lohmann

Mit 50 Jahren ist Tina Dambacher aus Kraiburg zum ersten Mal nach Indien gereist. Eine Reise, die ihr ganzes Leben verändert hat.

Kraiburg – „Indien ist mir passiert“, sagt sie rückblickend. 30 Jahre ist es mittlerweile her, dass sie mit Freundinnen zu einer Reittour durch Indien aufgebrochen ist. Anfangs war sie etwas skeptisch gegenüber den Reiseplänen, hat sich aber doch überzeugen lassen. Während eines Wüstenritts haben sie Indien und seine Kultur kennengelernt. „Die indische Kultur ist fantastisch“, sagt die 80-Jährige. Auf Marwari-Pferden, ein indisches Vollblut, das für seine Sichelohren und Trittsicherheit bekannt ist, erkunden sie das Land, reiten über Berge und durchqueren die Wüste Thar. 

Mehrere Stunden sitzen sie jeden Tag im Sattel, übernachtet wird in einem mobilen Zeltlager.

Ein Abenteuer nimmt seinen Lauf

Ausgerichtet hatte den Ritt damals Maharaj Narendra Singh von Udaipur Rajasthan, der dafür seine Pferde zur Verfügung stellte und den Ritt selbst begleitete. Tina Dambacher versteht sich auf Anhieb gut mit dem Maharaj, woraus sich eine 25-jährige Freundschaft entwickelt hatte.

Nach ihrer Indienreise nimmt ihr Leben eine komplette andere Richtung. Denn in Zusammenarbeit mit dem Maharaj spezialisiert sie sich darauf, Reit- und Kulturreisen zu organisieren. „Ich hatte zuvor als Zahntechnikermeisterin gearbeitet, mein Büro geschlossen und stattdessen mein Reisebüro Maharaj-Tours aufgemacht“, sagt sie. Ein 25 Jahre währendes Abenteuer hat damit seinen Lauf genommen.„Anfangs konnte es keiner begreifen, warum ich damit aufhören wollte.“ Mit ihrem Reisebüro hatte sie sich auf Reiturlaube in Kombination mit Kultur spezialisiert. Mit 20 Jahren hat sie mit dem Reiten begonnen, hatte selbst jahrelang ein eigenes Pferd. Bis zum 70. Geburtstag ist sie im Sattel gesessen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Jedes Jahr organisiert sie Reitsafaris in Indien. Die beste Reisezeit ist zwischen November und Januar, wenn die Regenzeit vorbei ist und die Temperaturen noch erträglich sind. „Aber wir sind auch schon mal bei 40 Grad Celsius geritten.“ Mindestens 17 Tage ist eine Reisegruppe vor Ort, in Etappen legen die Reiter 350 Kilometer zurück. Der längste Ritt dauert zwölf Stunden.

Auf einer ihrer Reisen lernt sie den Vorsitzenden des Deutschen Wanderreitvereins kennen, der mit einem ganz speziellen Wunsch an sie herangetreten ist. Im Jahr 2000 änderten sich die gesetzlichen Regelungen, sodass plötzlich auch für Tiere die Grenzen offen waren. „Er wollte, dass ich eine Alpenüberquerung mit Pferden organisiere und hat nicht locker gelassen.“ Irgendwann wurde Tina Dambacher doch schwach und hat die Tour organisiert. „Ein schwieriges Unterfangen.“ Unterkünfte für Ross und Reiter mussten für den neuntägigen Ritt von München nach Meran gefunden werden, Rittführer, Hufschmied, Köchin und Personal begleiteten die Reitgruppe.

Mit 59 Pferden über die Alpen

„Mit 23 Pferden als Gruppe habe ich angefangen, die größte Gruppe hatte 59 Pferde.“ Die Reiter bei den insgesamt elf Alpenüberquerungen kamen aus Deutschland, Dänemark, Niederlande, Italien und Belgien. „Den Reschenpass ging es im Trab hoch durch den Tunnel, eine Polizeieskorte stoppte währenddessen den Verkehr, bis wir wieder im Gelände waren“, erinnert sich Tina Dambacher. Die Alpenüberquerungen waren für sie ein „Traum“. Doch ein Erlebnis hat sie bis zu ihrer letzten Alpenüberquerung nicht losgelassen: Im Vinschgau, fast schon am Ende des Ritts, hat die Gruppe einen falschen Weg eingeschlagen, bei dem ein Pferd abstürzte und tödlich verunglückte.

Auf dem Pferd durch Namibia

Ihren beruflichen Neuanfang bereut Tina Dambacher bis heute nicht. Sicherlich habe sie viel Arbeit und Energie investieren müssen, aber sie habe auch Glück gehabt. „Mir standen die Türen offen und es hat funktioniert. Ich habe viel gesehen, wo sonst kein normaler Tourist hinkommt.“ Bei einer ihrer Alpenüberquerungen sind sie zur Burg von Reinhold Messner geritten und von ihm persönlich empfangen worden. 

Weitere Reisen haben sie in die Toskana, nach Südafrika und Namibia geführt. „Noch heute habe ich das Gefühl vom Sand der Dünen in Namibia auf meinen Fußsohlen“, sagt sie. 

Nach dem Mauerfall ist sie Teil einer Reitergruppe, die mit Reitern aus Thüringen zusammenkommt. Jedes Jahr haben sich die Reiter abwechselnd in Thüringen oder Bayern besucht – Freundschaften, die noch heute bestehen.

Lesen Sie auch:

Urlaub auf dem Reiterhof: Das sind die außergewöhnlichsten Reitausflüge der Welt

Kuba für Aktive: Die Insel zu Fuß, per Rad oder auf dem Pferd entdecken

Heilung auf dem Rücken von Acambaro

Mehr als 25 Jahre hatte die Freundschaft zwischen Tina Dambacher und Maharaj Narendra Singh Bestand. Vor fünf Jahren hat die 80-Jährige ihn zum letzten Mal in Indien besucht. Mittlerweile ist er verstorben.

Kommentare