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Vorm Friseur zum PCR-Test

Test teurer als Haarschnitt – 3G-plus-Regel macht körpernahen Dienstleistern in der Region Probleme

Nur wer genesen, geimpft oder einen negativen PCR-Test vorlegen kann, dem kann Friseurmeisterin Pierina Savo die Haare schneiden.
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Nur wer genesen, geimpft oder einen negativen PCR-Test vorlegen kann, dem kann Friseurmeisterin Pierina Savo die Haare schneiden.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Keiner zahlt 70 Euro für einen PCR-Test, nur um eine kosmetische Behandlung wahrnehmen zu können. Die Furcht vor Schwarzarbeit wächst.

Waldkraiburg – Ob ein neuer Haarschnitt, eine Behandlung bei der Kosmetikerin oder bei der Fußpflege – seit Wochenbeginn ist das nur noch nach der 3G-plus-Regel möglich. Die körpernahen Dienstleistungsberufe stehen damit vor einer erneuten Herausforderung. Auch mehr Schwarzarbeit wird befürchtet.

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Wer nicht geimpft oder genesen ist, braucht einen PCR-Test. Ansonsten bleibt vorerst die Tür zu Friseur, Kosmetik- oder Fußbehandlung geschlossen. Auf der anderen Seite zieht die Regel Einbußen nach sich, erste Termine mussten gleich nach ihrer Einführung abgesagt werden. Einen „Lockdown durch die Hintertür“ nennt Kristina Pauli die Regel. Denn: „Keiner zahlt 70 Euro für einen PCR-Test, nur um eine kosmetische Behandlung wahrnehmen zu können“, sagt die staatlich geprüfte Schönheitspflegerin und Fußpflegerin.

Einführung zu kurzfristig

Die Chance, ungeimpften Kunden zuvor noch Termine anbieten zu können, gab es nicht. Die Einführung kam zu kurzfristig. „Vor den Lockdowns hatten wir noch die Chance zum Reinarbeiten. Dieses Mal nicht“, sagt Pauli. Ein Großteil ihrer Kunden sei zwar geimpft, dennoch brechen ihr gerade etwa 30 Prozent weg.

Bei ihren Kunden schwingt sie nicht die Puderquaste, sie hat sich auf dermazeutische Hautpflege spezialisiert und hilft bei Narbenbehandlungen oder stark unreiner Haut. Für manche kann das eine starke psychische Belastung sein. Bevor man jetzt eine Gruppe ausschließt, hält sie eine andere Regelung für sinnvoll: „Eine 1G-Regel wäre ohnehin das Beste. Solange sich jeder testet, kann man auch sicher arbeiten.“ In ihrem Beruf gelten schon jeher hohe Hygienestandards, weshalb sie ihre Branche auch nicht zu den Infektionstreibern der Pandemie zählt. Sie selbst testet sich jeden Tag – zum Schutz für sich und die Kunden.

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Für Friseurmeisterin Pierina Savo war die 3G-plus-Regel fast schon vorhersehbar. Nur vereinzelt habe sie Kunden, die sich vor einem Besuch testen lassen müssten. Der Großteil ihrer Stammkundschaft ist geimpft. Viele Termine wurden in der kurzen Zeit nicht abgesagt, aber das kann sich ändern: „Das wird sicher keiner in Kauf nehmen, dass der Test teurer ist als der Haarschnitt“, sagt sie. Wer sich das eben nicht leisten will, der sucht sich einen anderen Weg zum neuen Haarschnitt. Und der heißt Schwarzarbeit.

„Das wird wieder blühen“, befürchtet Pierina Savo. Sie kenne einige, die sich privat die Haare schneiden lassen. Und für Kollegen sei der Verdienst verlockend. „Viele denken sich nichts dabei, wenn sie sich daheim die Haare schneiden lassen.“ In ihrem Friseursalon achtet sie auf das Hygienekonzept, sodass nicht nur sie, sondern sich auch alle Kunden sicher fühlen können. Dazu gehört auch, die Zertifikate genau zu prüfen.

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Von der 3G-plus-Regel ausgenommen sind podologische Behandlungen, sofern sie medizinisch indiziert sind. Ohne therapeutische Verordnung gilt die Regelung aber trotzdem. Doch auch hier sind die meisten der Kunden geimpft, wie Podologin Heidrun Hann erzählt. „Etwa 90 Prozent sind geimpft oder genesen. Alle anderen dürfen vorerst nur mit PCR-Test in die Praxis kommen.“

Nach 30 Jahren vorerst kein Termin

Auch bei Gabi Reiter aus Aschau am Inn tun sich Lücken auf im Terminkalender. Aber nicht viele. „Die meisten meiner Kunden sind geimpft. Und die wenigen, die nicht geimpft sind, haben schon signalisiert, dass sie es eine Zeit auch ohne Friseur aushalten. Wie während des Lockdowns.“ Sie bedauert, dass sie ihren Kunden vor der Einführung keinen Termin mehr anbieten konnte. „Das war vorher nicht mehr abzuarbeiten.“

Vorerst keinen Termin zum Haareschneiden kann sie einer älteren Stammkundin geben. „Sie will sich nicht impfen lassen und deshalb darf ich ihr nach 30 Jahren vorerst nicht mehr ihre Haare schneiden.“

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