Tanztheater des Kreisjugendrings Mühldorf: Die Geschichte wiederholt sich

Yannick Säckel (16)Waldkraiburg „Ich war sehr überrascht, wie abwechslungsreich das Stück war. Mein Opa wurde selbst aus Tschechien vertrieben. Besonders das offene Ende fand ich super, dass jeder die Geschichte selbst zu Ende schreiben und an den Zukunftsbaum im Foyer hängen konnte.“

Das Tanztheater „Was uns verbindet“ des Kreisjugendrings Mühldorf (KJR) hat im Haus der Kultur Premiere gefeiert. Noch am selben Abend wurde es mit dem VIEL-Preis des Bayerischen Jugendrings für vielfältige und Rassismus-kritische Arbeit ausgezeichnet. Die Zuschauer waren restlos begeistert.

Waldkraiburg – „Wir waren unsterblich verliebt“ schwärmt Hauptprotagonistin Großmutter Renate, als sie ihrer Enkelin ihre Lebensgeschichte erzählt und auch von Vorurteilen und Anfeindungen als „Rucksackdeutsche“ berichtet. Die Suche nach einer neuen Heimat in Deutschland gestaltet sich schwierig. Auch die große Liebe hat zu der Zeit keine Chance: „Ich will nicht, dass meine Tochter mit einem Ausländer zu sehen ist.“ In einem zweiten Handlungsstrang erzählt die damalige Jugendliebe Adnan, nun selbst Großvater, seiner Enkeltochter seine Version „Alle haben über Spätaussiedler geschimpft.“

Bemerkenswert hohes Niveau

Eine kurzweilige, durchdachte Aufführung, an deren Ende sich die streitenden Enkelkinder trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedlichen Herkunft versöhnen und ihre Großeltern überraschend ihre Jugendliebe wieder in den Armen halten. Am Ende wird der Appell an die Zuschauer gerichtet: „Die Geschehnisse wiederholen sich. Wolltet ihr das?!“

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Die vom KJR konzipierte und realisierte Aufführung hatte nur wenige Monate Vorbereitungszeit. Dass die Aufführung trotz engagierter, jedoch tanz- und theaterunerfahrener Besetzung erstaunlich professionell gelingt, ist Corena Strecker-Beitzel vom TSC Waldkraiburg zu verdanken. Unermüdlich hat sie das Stück choreografiert und die Jugendlichen unterstützt, allen voran Karina Simion, die ihr Freiwilligenjahr beim KJR absolviert und von der die Tanztheater-Idee stammt.

Verleihung des VIEL-Preises

Die dazu vom Münchner Sound Designer David Merkl eigens komponierte Musik zaubert den Besuchern Tränen in die Augen.

Dass „junge Menschen auf dem Boden der Demokratie erzogen und als Menschen geachtet werden“, das schreibt sich der KJR laut Geschäftsführerin Kristin Hüwel auf die Fahne. Auch den bayerischen Jugendring hat die Umsetzung dieses Bestrebens in Form des Tanztheater-Projekts „Was uns verbindet“ überzeugt. Noch am Premierenabend wird Kristin Hüwel und der Vorstandsvorsitzenden Veronika Schneider im Beisein von Landrat Georg Huber, Bürgermeister Robert Pötzsch und vom BJR-Vorstand Christian Löbel der VIEL-Preis für vielfältige und Rassismus-kritische Jugendarbeit überreicht.

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Im Anschluss sind die Besucher anlässlich der Preisverleihung eingeladen weiter zu diskutieren bei Prosecco und rockigen Klängen der Live-Band „Die Zündler“. Eine weitere Aufführung ist im Oktober im K1 in Traunreut geplant.

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