AKTUELLES INTERVIEW

Ein Stück, das in die Zeit passt

Beim Proben (von links): Schauspielerin Bianca Peter mit den Regisseurinnen Ramona Fürstenberger und Sarah Ebenbichler. hos
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Beim Proben (von links): Schauspielerin Bianca Peter mit den Regisseurinnen Ramona Fürstenberger und Sarah Ebenbichler. hos

Die Jugendgruppe der Theatergruppe Kraiburg hat sich neu formiert und bringt ein hintergründiges Stück in die Remise. Wir sprachen über das Projekt mit den jungen Regisseurinnen Ramona Fürstenberger und Sarah Ebenbichler (beide 21).

Kraiburg – Ramona Fürstenberger und Sarah Ebenbichler sind „alte Hasen“ auf der Bühne und freuen sich auf ihre erste gemeinsame Inszenierung, die an den „Kraiburger Theatertagen“ vor der bayerischen Oper „Die Zauberflöte“ zur Aufführung kommt. Mit Ramon Piersons Stück „Wolken“ haben sie sich einen Stoff ausgesucht, der in die aktuelle Situation passt.

Wieso habt Ihr Euch ausgerechnet dieses Stück ausgesucht?

Sarah:Wir hatten acht verschiedene Stücke beim VVB-Verlag bestellt, die auf Theaterbedürfnisse spezialisiert sind. Aus denen haben wir dann eines ausgesucht – ein kürzeres, bei dem jeder in etwa gleich viel zu sagen hat. Wir haben ja für neun Personen etwas finden müssen.

Ramona:Wir wollten auch etwas eher Ernstes, Nachdenkliches. Wir fanden das passend, da es an diesen Abenden ja mit etwas Lustigem weitergeht. Wir mussten allerdings eine Rolle dazu erfinden, da in dem Stück nur acht Charaktere vorkommen.

Ihr habt eine Rolle dazu geschrieben?

Sarah: Wir haben nicht mehr Text geschrieben, wir haben nur den bestehenden Text umverteilt. Die Rolle, die dazugekommen ist, wird von unserer jüngsten Schauspielerin gespielt, Bianca, sie ist elf.

Bianca, wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Bianca: Ich habe meinen Eltern schon immer gern Streiche gespielt und so getan als ob ich sauer wäre, dabei hat’s gar nicht gestimmt. Und dann haben wir letztes Jahr hier „Alice im Wunderland“ angeschaut, da wusste ich, das will ich auch machen.

Wen spielst du?

Bianca: Ich habe meine Figur Hanna genannt, ich stelle sie mir ein Jahr älter vor als ich es bin und sie fragt sehr viel.

Ist es schwierig für die Jugendlichen, bei all den Proben und dem Textlernen, dabei zu bleiben?

Sarah: Alle, die bis hierher dabei geblieben sind, sind wirklich sehr engagiert bei der Sache. Heute hatten wir die erste Probe, bei der ich voll überzeugt war, dass wir etwas Tolles auf die Bühne bringen werden. Wir haben ja beide soziale Berufe, Ramona ist Kinderpflegerin und ich bin Erzieherin, da macht es uns viel Spaß mit den Jugendlichen zu arbeiten.

„Ich war das erste Mal auf der Bühne, da war ich zwei Monate alt“ Ramona Fürstenberger, Jungregisseurin

Wie seid Ihr beide dazu gekommen, Regie zu führen?

Ramona: Wir kennen das alles von der Theatergruppe Kraiburg, dort sind unsere Eltern dabei und wir sind in das Spielen hineingewachsen. Ich war das erste Mal auf der Bühne, da war ich zwei Monate alt. Dann hat sich irgendwann die erste Jugendgruppe aus den Kindern der Theatergruppe gebildet, wir haben aber nur kleine Sachen gemacht. Wir beide haben das jetzt wiederbelebt und freuen uns schon auf die erste Aufführung.

Sarah: Ich habe auch schon einmal Regie geführt, zusammen mit Matthias Röpke letztes Jahr im KJR-Theater bei „The Importance of Being Earnest“.

Wie habt Ihr Eure jungen Schauspieler vorbereitet?

Sarah: Wir haben Workshops gemacht, viele Improvisationen, Übungen zu Lautstärke und Betonung.

Ramona: Feedback gibt es dann von allen, so verbessern sich alle gemeinsam und wir sind nicht immer die Bösen.

Ohne das Ende zu verraten, worum geht es in „Wolken“?

Sarah: Es ist eine Geschichte über das Zusammenfinden einer Gruppe, die anfangs ein gemeinsames Interesse hat. Schnell kristallisiert sich aber eine Person heraus, deren Machtstreben das Ganze nach und nach unangenehm und angsteinflößend macht, vor allem für diejenigen, die nicht ganz gruppenkonform gehen.

Ramona:Eine Geschichte also, die gut in die aktuelle Situation passt, gerade für viele Jugendliche. Wir wollten damit der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und zeigen, wie schnell es gehen kann, dass man sich in einem solch unangenehmen Zwang befindet.

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