Streitpunkt Gewerbegebiet Thann: Die Gemeinde Aschau diskutiert mit den Bürgern

Die Bedenken gegenüber dem geplanten Gewerbegebiet in Thann sind groß. Bei einer Informationsveranstaltung in der Gemeindehalle versuchten Bürgermeister, Planer und Gewerbevertreter diese zu zerstreuen. So ganz gelang das aber nicht.

Aschau – Eingangs machte Bürgermeister Alois Salzeder relativ schnell deutlich: Viele Möglichkeiten für ein Gewerbegebiet hat die Gemeinde nicht. Schutzzonen um Industriebetriebe oder das Kiesabbaugebiet einerseits, Hochspannungsleitung und die Erdgaspipeline andererseits schränken die Suche rund um Aschau-Werk ein. Viel Fläche im Industriegebiet gebe es nicht mehr, die zudem Industriebetrieben vorbehalten sein soll. Ein Ansatz, den auch Markus Hufeld, Geschäftsführer von Bowa, begrüßte: „Aschau-Werk ist ein Juwel. Man soll sich gut aussuchen, wer sich dort ansiedelt, um den Status „Industriestandort“ zu erhalten.“

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Laut und staubig – Leonhard Wiedenmann von der RWG Erdinger Land kennt die Bedenken gegenüber Lagerhäusern. Deshalb sei es für die Genossenschaft auch so wichtig, bestehende Standorte wie den in Thann auszubauen. „Auch künftig wird produziert werden.“

Wo lässt sich ein Gewerbegebiet verwirklichen? Zu berücksichtigen bei der Suche seien gesetzliche Vorgaben wie Anbindegebot oder Lärmimmissionsschutz, erklärte Städteplaner Fritz Bauer. Der Standort Thann sei positiv zu bewerten. Sicherlich werde sich damit das Landschaftsbild verändern. „Aber es soll mit der Maßnahme funktionieren.“

Daher seien auch eine ökologische Erschließung und Entwässerung und wirksame Grünzonen geplant. Dachbegrünung und Fassadenbegrünung könne man entweder festsetzen oder Anreize dazu bieten. Das Gewerbe entwickle sich vom Ort weg, entsprechend ließe sich steuern, dass leise Betriebe nahe am Ort, laute Betriebe weiter weg entstehen. Zwischen Gewerbe und Anwohnern gebe es einen „gegenseitigen Schutzanspruch“ Man will keinen „Einheitsbrei“, verschiedene Maßnahmen sollen den Belangen des Natur- und Artenschutzes Rechnung tragen. Unabhängig davon, was bislang geplant ist: „Das Konzept ist nicht zwingend das Ende der Planung“, machte Bauer klar.

Beeinträchtigte Lebensqualität

Kritik am geplanten Gewerbegebiet hatte bereits im Vorfeld Lisa Sieber laut geäußert. Sie war es auch, die einen Bürgerantrag ins Rollen gebracht hat. Für den Fall, dass dieser von der Gemeinde abgelehnt wird, wovon sie ausgeht, sehe sie ein Bürgerbegehren als nächste Option. Die Lebensqualität werde durch das geplante Gewerbegebiet beeinträchtigt, der dörfliche Charakter von Thann verändere sich.

Behutsam mit Flächen umgehen, zu groß geplant, weiter weg vom Ort, die Angst vor zusätzlichem Lärm und Verkehr – der Tenor bei den Zuhörer war eindeutig. Auch wurde kritisiert, dass die Gemeinde die Akzeptanz der Bürger nicht im Vorfeld eingeholt hat. „Die Bürger wollen den Dialog mit der Gemeinde, sodass alle zufrieden sind“, war zu hören.

Gewerbe und Industrie annähern

Immer wieder zweifelten Zuhörer an, dass im näheren Umgriff von Aschau-Werk keine Flächen für ein Gewerbegebiet geeignet sind. Nach Ansicht von Thomas Duxner sollten Gewerbe und Industrie angenähert werden. Bürger könnten auch dazu befragt werden, wo Gewerbe möglich sei. Entwicklungspotenzial sah Duxner durchaus noch im Norden von Aschau-Werk oder beim neuen Umspannwerk.

Eine Idee, an die Daniela Reingruber anknüpfte. „Der südliche Standort ist nicht gut gewählt.“ Stattdessen biete sich ein Anschluss ans Industriegebiet an. Auch wenn Grundstücke aktuell nicht zum Verkauf stehen, davon „darf man eine Ortsentwicklung nicht abhängig machen“. Für das nördliche Gewerbegebiet kritisierte sie, dass die ökologische Planung dort „wohl gar nicht wichtig“ ist.

Nicht mehr viele Flächen verfügbar

Bei der Standortsuche sind der Gemeinde die Hände gebunden: einerseits wegen Vorgaben von der Regierung, andererseits wegen fehlender Grundstücke. Es gebe in der Gemeinde nicht mehr viele Flächen, auf denen sich etwas entwickeln lassen würde. Das Gewerbegebiet in Thann soll sich laut Salzeder in den nächsten zehn bis 20 Jahren entwickeln.

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Bei all der Kritik, es gab auch Zuspruch: Der Erfolg der Gemeinde beruhe auf dem Industriegebiet. Es sei gefährlich, das Gewerbegebiet daran anzupflücken. Man dürfe die Pläne nicht verteufeln. „Es ist eine vernünftige Sache.“

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