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Sechs Angeklagte vor dem Amtsgericht Mühldorf

Streit zweier Familien eskaliert in Waldkraiburg: War bei Schlägerei ein Messer im Spiel?

Der Ort, an dem die Familienfehde in Waldkraiburg vor zwei Jahren so sehr eskalierte, dass jetzt vor dem Amtsgericht Mühldorf verhandelt wird.
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Der Ort, an dem die Familienfehde in Waldkraiburg vor zwei Jahren so sehr eskalierte, dass jetzt vor dem Amtsgericht Mühldorf verhandelt wird.
  • Hans Rath
    VonHans Rath
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Eine langanhaltende Familienfehde eskalierte in Waldkraiburg. Sechs Angeklagte müssen sich jetzt vor dem Amtsgericht Mühldorf wegen Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung verantworten. Die zentrale Frage am ersten Verhandlungstag war: War ein Messer im Spiel?

Mühldorf/Waldkraiburg – Was hat sich vor zwei Jahren am Abend des Pfingstmontags auf dem Waldkraiburger Stadtplatz wirklich zugetragen? Das versucht derzeit der Direktor des Mühldorfer Amtsgerichts, Jürgen Branz, herauszufinden. Der Saal 116 des Amtsgerichts platzte am ersten Verhandlungstag dabei aus allen Nähten: sechs Angeklagte, sechs Rechtsbeistände: Julia Siegfried, Ann-Kathrin Ponwenger, Andreas Knoll, Axel Reiter, Michael Steindl und Oliver Schmidt.

Freiheitsberaubung und Körperverletzung

Staatsanwältin Theresa Finsterwalder aus Traunstein verlas eine umfangreiche Anklage gegen sechs junge Männer mit türkischen Wurzeln im Alter zwischen 29 und 34 Jahren, die in Waldkraiburg und Mühldorf leben. Sie warf ihnen Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vor. Hintergrund der Auseinandersetzung scheint eine Fehde zweier türkischer Familien zu sein, die schon länger schwelte. Wiederholte, detaillierte Nachfragen bei Zeugen und Angeklagten konnten jedoch deren exakte Ursache nicht ans Tageslicht befördern.

Als erster Zeuge sagte das Opfer aus: ein 43-jähriger Industriemechaniker aus Waldkraiburg: „Ich saß mit einem tschetschenischen Freund und dessen weiblicher Begleitung in einem Waldkraiburger Lokal. Plötzlich bemerkte ich, wie mich Mehmet (er wurde von Rechtsanwalt Axel Reiter vertreten, der Name wurde von der Redaktion geändert) erblickte, mit dem Finger auf mich zeigte und zu telefonieren begann. Wir zahlten und verließen das Lokal, bemerkten jedoch draußen, dass zwei Brüder von Mehmet angekommen waren. Diese teilten mir mit, dass wir die Sache jetzt mit einem Kampf Mann gegen Mann, Eins zu Eins beenden würden. Wir sollten nur noch auf ihren 31-jährigen Bruder warten. Auch zwei weitere türkische Freunde waren zu der Runde gestoßen. Nach etwa einer Dreiviertelstunde kam der Bruder und schlug mich ohne Vorwarnung nieder. Ich bemerkte noch einen Schlag in den Nacken, dann weiß ich nichts mehr.“

Richter Jürgen Branz hielt ihm die Aussage von Mehmet vor, dass er ihn niedergeschlagen habe, weil er ein Messer gezogen habe. „Definitiv nicht“, erwiderte das Opfer. In diesem Zusammenhang ergab ein Blick in das Bundeszentralregister des Zeugen ein Vergehen wegen Drogenbesitzes und den Besitz einer Schusswaffe mitsamt Munition.

Zu seinen Verletzungen befragt, antwortete der Geschädigte: „Ich hatte eine Schädelprellung, ein Hämatom im Gesicht beidseitig, eine Rippenprellung, eine Schnittwunde am kleinen Finger und einen Nasenbeinbruch.“ Bis auf den Nasenbeinbruch waren alle angegebenen Verletzungen im ärztlichen Attest beinhaltet. Darauf angesprochen, erklärte der 43-Jährige, dass er diesen selbst erkannt habe; die Nase habe er sich schon öfters gebrochen.

Opfer wollte Waffe kaufen

Hier schaltete sich Rechtsanwalt Andreas Knoll ein: „Ist es wahr, dass Sie mit Ihrem in der Türkei lebenden Bruder über den Erwerb einer Waffe gechattet haben?“ Die Antwort „Jain“ sorgte für Unruhe im Saal, der Zeuge wand sich und bekannte, dass dies unmittelbar nach der Attacke auf ihn eventuell möglich gewesen sein könnte. Als zweiter Zeuge wurde der Wirt des Lokals einvernommen. Der Konflikt zwischen den beiden Familien bestehe schon länger, aber er wisse nichts über dessen Ursachen. In seinem Lokal habe er an diesem Abend eine gewisse Unruhe bemerkt. Als er in Sorge um seine Lokalität zwecks einer Kontrolle nach draußen ging, habe er das Opfer und die türkischen Brüder zusammenstehen sehen, das ganze habe auf ihn wie ein Gespräch gewirkt. Geschrien oder geschlagen wurde nicht.

Zeuge Nummer drei war ein 30-jähriger Waldkraiburger, der in seinem parkenden Auto saß und aus Neugier ob des Geschehens ausstieg: „Ich sah einen Schlag und dann den blutenden Mann am Boden sitzen, mehrere Männer standen um ihn herum, ein großer Mann habe ihn angeschrien. Als die Polizei kam, verschwanden die Männer. Ein Messer habe ich nicht gesehen.“ Die vierte Zeugin, eine 19-jährige Waldkraiburgerin, die inzwischen nach München gezogen ist, war am Abend des Pfingstmontags 2020 mit ihren Freundinnen in der Stadt unterwegs. „Ich sah einen Mann, den ich nicht gekannt habe. Er trat einen anderen Mann mit dem Fuß gegen den Kopf. Von dem Ort der Tat war ich etwa 20 Meter entfernt, ich hatte freie Sicht. Dann kam die Polizei und nahm meine Personalien auf.“

Zeuge erscheint einfach nicht

Zum Ende des ersten Verhandlungstages sollte der tschetschenische Freund des Opfers gehört werden. Man kannte sich, weil die Familie des Opfers nach der Ankunft der geflüchteten Tschetschenen in Waldkraiburg diesen bei der Eingewöhnung in Deutschland geholfen hatte.

Selbst als sein Termin um eine Viertelstunde überschritten war, erschien der Zeuge nicht. Direktor Branz beschloss, den Mann beim nächsten Verhandlungstermin polizeilich vorführen zu lassen. Die Kosten und ein zu verhängendes Ordnungsgeld muss dieser Zeuge tragen. Rechtsanwalt Knoll beantragte abschließend, zum nächsten Termin zwei Zeugen zu laden, die gesehen hätten, wie der angegriffene Mann ein Messer gezogen habe.

Die Verhandlung wird am Freitag, 30. September, um 9 Uhr fortgesetzt.

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