Der Stolz der Stadt ist nicht mehr

Glasbläser der Südbayerischen Sudetenglashütte in Aktion zeigt dieses Archivbild aus dem Jahr 1965. Fünf Jahre später erloschen die Schmelzöfen für immer. Stadtarchiv

Waldkraiburg und die Welt – Der Stolz der Stadt ist nicht mehr: Die Schmelzöfen der Waldkraiburger Glashütte in der Berliner Straße erlöschen für immer.

20 Jahre nachdem die Produktion mit großen Hoffnungen und Erwartungen begonnen hatte. Das berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.

Mit 60 Mitarbeitern, Glasexperten aus Nord- und Südböhmen, die ihr Knowhow aus der Heimat mitgebracht hatten, startete die Rudolfshütte, so ihr ursprünglicher Name, im April 1950. Auf fast 150 Mitarbeiter wuchs die Belegschaft an. Von der Südbayerischen Sudeten-Glashütten GmbH profitierten Glasveredler, Schleifer, Maler und Graveure, die sich in Waldkraiburg niedergelassen hatten, um für den gewinnbringenden Export zu arbeiten. Doch 1970 war es damit längst vorbei. Billige Exportgüter, der Trend zum kurzlebigen Gebrauchsglas und die Auswirkungen der Automatisierung sorgten dafür, dass die Absatzchancen für mundgeblasenes und handverarbeitetes Glas ins Bodenlose fielen.

Neuer Eigentümer der Hütte und des dazu gehörigen 21 000 Quadratmeter große Grundstücks ist das Baugeschäft Schuster, das große Pläne hat: Das Gebäude soll samt dem 36 Meter hohen Kamin abgebrochen und durch einen modernen Trakt mit Läden und Büros ersetzt werden.

Schlechte Nachrichten für 200 Mieter der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft. Sie müssen mehr Miete zahlen. Der Hintergrund: Wie die Bundesbank den Diskontsatz erhöht hat, werden Darlehen teurer. Um jährlich 26 000 Mark wird dadurch der Kredit für 200 Wohneinheiten teurer, den die Genossenschaft auf die Mieter umlegen muss.

Keine einheitliche Ladenschlusszeit

18 Uhr, 18.30 Uhr, 19 Uhr – die Waldkraiburger Geschäfte schließen nach Belieben. Der Gewerbeverband drängt deshalb auf eine einheitliche Linie. Weil die meisten Läden um 18 Uhr zumachen, empfiehlt der Verband, dem nicht alle Geschäfte angehören, diese Zeit als einheitliche Lösung. Durchsetzen kann der Gewerbeverband diesen Wunsch aber nicht.

Auf den künstlichen Teich im künftigen Stadtpark sind die Waldkraiburger Stadtväter stolz. Doch noch ehe er fertig ist, kommt der Tiefschlag.

Was auf der Baustelle nicht niet- und nagelfest ist, wird von ungezogenen Kindern in das Becken geworfen. Die Probefüllung muss wieder abgelassen werden.

„Entsetzen über den Mord an Graf Spreti“ – Schlagzeilen zur Entführung und Ermordung des deutschen Botschafters in Guatemala durch linksgerichtete Untergrundkämpfer beherrschen die politische Berichterstattung in der Woche vor 50 Jahren. Zahlreiche in Guatemala akkreditierte Botschafter wollen daraufhin das bevölkerungsreichste Land in Zentralamerika verlassen, weil sie fürchten, ebenfalls entführt zu werden.

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