„Stimmen“ verleiten jungen Mann zum Diebstahl

Waldkraiburg – Ein arbeitsloser 23-jähriger Waldkraiburger musste sich vor Amtsrichter Florian Greifenstein verantworten.

Er hatte in einem Waldkraiburger Elektromarkt ein Computerspiel gestohlen. Stimmen hätten ihm diesen Diebstahl befohlen. Staatsanwalt Nils Wewer aus Traunstein legte dem Angeklagten neben dem Diebstahl auch Körperverletzung zur Last. Nachdem der Mann das Geschäft verlassen hatte, schlug der Alarm an. Ein Verkäufer folgte ihm, hielt ihn fest und brachte ihn zu Boden. Dabei habe sich die Kette des Diebes in den Arm des Verkäufers gebohrt.

Angeklagter durchDrogen vorbelastet

Der Angeklagte ist wegen des Konsums von Alkohol und Drogen in einer Einrichtung in der Nähe von Taufkirchen untergebracht, wo er für einfache Tätigkeiten einen Stundenlohn von 50 Cent erhält. Sein Betreuer aus dieser Einrichtung war ebenso anwesend wie sein Bewährungshelfer. Vertreten wurde der 23-Jährige von Rechtsanwalt Olav Mitter.

Der Angeklagte räumte die Taten ein. Er machte einen leicht verwirrten Eindruck, als er erklärte: „Ich habe nicht richtig nachgedacht. Ich hörte Stimmen, die mich zum Diebstahl verleiteten. Ich war in einer Kaufsucht, ich dachte, ich könnte das Spiel nehmen.“

Sein Bewährungshelfer berichtete, dass der Angeklagte mehrmals rückfällig geworden sei, sich zuweilen psychotisch zeige. Er sei im Inn-Salzach-Klinikum in Gabersee gewesen, weshalb ihm sein Platz bei der AWO in Waldkraiburg gekündigt worden sei. In der jetzigen Einrichtung laufe es gut, sein Schützling fühle sich wohl. Richter Greifenstein fügte an: „Das ist eine ländliche Umgebung, die bietet ihm wenig Anreize.“ Allerdings läuft für den Angeklagten eine Bewährungsstrafe wegen des Besitzes von Drogen.

Ein Sachverständiger des Gerichtsärztlichen Dienstes beim Oberlandesgericht München berichtete im Prozess aus Kindheit und Jugend des Angeklagten. So habe dieser mit 15 Jahren erste Erfahrungen mit Drogen gemacht, es kamen Straftaten, wie Aufbrüche von Autos oder Diebstähle hinzu. Aus dem Inn-Salzach-Klinikum sei er als „stabil“ entlassen worden. Laut dem Sachverständigen habe er zum Zeitpunkt seines Diebstahls diese Tat einschätzen können.

In seinem Plädoyer sah Staatsanwalt Wewer den Tatvorwurf des Diebstahls und der Körperverletzung bestätigt. Während er das Geständnis als positiv wertete, hielt er die „Stimmen“ für unglaubwürdig. Der Angeklagte sei wenigstens zehn Minuten vor dem Spiel gestanden und habe überlegt, ob er es nehme. Der Staatsanwalt erklärte, dass eine Geldstrafe hierfür nicht ausreichend sei. Seine wegen des Drogendelikts noch offene Strafe solle auf eine dreijährige Bewährungsfrist ausgeweitet werden.

Rechtsanwalt Mitter erklärte, die Beute der Tat sei gering gewesen, die Körperverletzung nicht schwer. Die Sozialprognose beurteilte er positiv und beantragte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu fünf Euro. Richter Greifenstein verhängte schließlich 80 Tagessätze in Höhe von fünf Euro, eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten sei nicht völlig auszuschließen. hra

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