Stark mit Handicap: Für Marina Saller aus Jettenbach geht es an der Kletterwand hoch hinaus

Das Klettern gehört zu Marina Sallers sportlichen Leidenschaften. Auch sonmst nutzt sie jede Chance, etwas Neues auszuprobieren. „Das macht mir alles großen Spaß. Ich sehe das nicht als Stress“, sagt sie. Meier
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
    schließen

Sie hat Erfolg im Sport und viele verschiedene Hobbys. Sie macht vieles, was auch Gleichaltrige machen. Und doch hebt sich Marina Saller aus Jettenbach ein bisschen hervor: Sie wurde mit Trisomie 21 geboren.

Jettenbach – Dass sich Marina Saller aufgrund ihrer Vielseitigkeit und ihrer Erfolge von anderen jungen Menschen ein bisschen abhebt, wird schnell klar. Doch noch etwas ist an dem jungen ehrgeizigen Mädel beeindruckend: Die 24-Jährige wurde mit Trisomie 21 geboren, doch das hindert sie nicht daran, alles zu machen, was andere auch machen. Was besonders beeindruckt, ist ihr Klettertalent. Bei den Special Olympics in Waldkraiburg belegte sie den ersten Platz in ihrer Leistungsstufe.

Auch als Co-Trainierin einsetzbar

Ihre Trainerin Heidi Steinmeier erzählt, dass sie mit ihrer Gruppe im Innen- wie auch Außenbereich klettern geht. Zweimal im Jahr zieht es sie nach Ruhpolding, wo sie etwa 30 Meter den Felsen hochklettern. Dass Marina sich aus der Gruppe hervorhebt, wurde Steinmeier recht schnell klar. „Marina klettert bis an die Spitze der Halle. 16 Meter Höhe schafft sie locker“, erzählt die Trainerin und setzt mit Stolz fort, dass die 24-Jährige perfekt als Co-Trainerin einsetzbar ist. „Sie ist die Einzige in der Gruppe, die so etwas machen kann.

Marina Saller mit ihrer Trainerin Heidi Steinmeier.

Sie hält die Stürze ab, wenn jemand droht abzustürzen. Als Sicherer ist es ihre Aufgabe für die Sicherheit des Kletterers zu sorgen und das macht Marina super.“ Sie besitze alles, was einen Co-Trainer ausmache: Durchhaltevermögen, Aufmerksamkeit und Konzentration.

Steinmeier bewundert Marinas Lebenslust und Energie, aber auch, dass sie ihre Aufgaben sehr genau nehme: „Bevor jemand klettern darf, muss ich als Trainerin mein Okay geben. Marina bereitet die Kletterer vor. Erst wenn ich noch einmal alles überprüft habe, darf man in die Höhe steigen. Bei Marina ist immer alles einwandfrei.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Für die Familie war bei ihrer Geburt sofort klar, dass ihre Tochter aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht anders behandelt werden soll als andere Kinder. Die zwei Buben und zwei Mädels der Familie Saller müssen zu Hause mitanpacken und ihren Weg gehen. „Marina hatte schon von klein auf alles gemacht, was ihre Geschwister auch gemacht haben. Sie kletterte wie ihre Brüder auf den höchsten Bäumen herum. Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, dass alle Kinder früh schwimmen und Radl fahren gelernt haben. Unterschiede haben wir keine gemacht“, erzählt Marinas Mutter Gabi Saller. Marina machte wie andere Kinder das Seepferdchen und ist bis zu ihrer Einschulung in den Kndergarten in Jettenbach gegangen.

Nach dem Kindergarten besuchte sie ein Jahr lang das Franziskushaus. Danach hieß es zwischen dem achten und 20. Lebensjahr im Kloster Au die Schulbank drücken. In dieser Zeit entdeckte sie viele neue Sportmöglichkeiten für sich. Bei einem Skikurs, der in ihrer Schule angeboten wurde, kam ihre Leidenschaft zum Skifahren. Wie ihre Geschwister läuft sie im Winter Schlittschuhe. Die Liebe zum Wandern wurde ihr in die Wiege gelegt. „Wir haben die Berge fast vor unserer Haustür. Da sind wir unterwegs, so wie wir Zeit finden. Marina wandert gerne“, erzählt Gabi Saller.

Einmal im Jahr sticht sie in See

2015 kam sie durch die Offene Behindertenarbeit (OBA) Ecksberg zum Klettern. Seitdem trainiert sie dreimal im Monat in der Kletterhalle Waldkraiburg. Weitere Hobbys sind Bowling, Fitnessdance und Pilates, Musik, Lesen, Kino und Freunde treffen. Schwimmen, Skifahren, Minigolf spielen, Reiten, Eisstockschießen und Segeln gehören ebenfalls zu ihren Leidenschaften. Sie ist in der katholischen Landjugend in Jettenbach aktiv und engagiert sich in der Kirche. Vom 14. bis zum 20. Lebensjahr war sie Ministrant.

Seit 2015 ist die Begeisterung fürs Segeln auf sie übergeschwappt, denn schließlich sind ihr Vater Manfred und ihre Tante Gertraud ebenfalls begeisterte Segler. Einmal im Jahr sticht die Jettenbacherin mit ihrem Team der Friedensflotte Mirno More in See. Heuer ging es nach Kroatien.

Mehr zum Thema:

Nina Magg hat eine Tochter mit Down-Syndrom: „Wer darf entscheiden, welches Leben lebenswert ist?“

Lisa sagt: „Ich bin besonders“

Da das Leben nicht nur aus Hobbys besteht, muss sie natürlich auch ihren beruflichen Pflichten nachkommen. Sie arbeitet Vollzeit im Hauswirtschaftsbereich der Einrichtung in Bachham als Kantinenkraft. Marina ist nicht nur für Menschen, die „anders“ sind ein großes Vorbild, sondern für alle. „Sie ist ein glückliches Mädchen und war auch immer ein fröhliches Kind“, sagt ihre Mama mit großem Stolz. Probleme mit ihr gab es keine.

Gabi Saller rät allen Eltern, die ein Kind mit Beeinträchtigungen haben, diesem keine Sonderbehandlung zu schenken. Man müsse den Kindern Vertrauen schenken, ihnen Dinge zutrauen und sie diese ausprobieren lassen. Sie sollen selbst entdecken, was Freude macht. Man sollte sie wie jedes andere Kind fördern, mitreißen und ihm eine gewisse Art von Selbstständigkeit bieten. Alle Kinder müssen ihre Erfahrungen sammeln, egal ob sie gut oder schlecht sind.

Kommentare