NEUER GESCHÄFTSFÜHRER GÖTZ KESSLER

Stadtbau setzt auf Neubau

Seit Anfang November hat er sich bei der Stadtbau eingearbeitet. Zu Beginn des neuen Jahres hat Götz Keßler die Position des Geschäftsführers übernommen. hg
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Seit Anfang November hat er sich bei der Stadtbau eingearbeitet. Zu Beginn des neuen Jahres hat Götz Keßler die Position des Geschäftsführers übernommen. hg

Er heißt Götz Keßler, ist 47 Jahre alt und hat zuletzt beim großen Münchner Wohnungsunternehmen GEWOFAG Erfahrungen als Stadtplaner und Projektentwickler gemacht. Die soll er nun als Stadtbau-Geschäftsführer in Waldkraiburg einbringen. Er wird, er soll neue Schwerpunkte setzen, nach zwei Dekaden, die von umfassenden Modernisierungsmaßnahmen geprägt waren, setzt die Stadtbau wieder auf Neubau.

Waldkraiburg – Viele Wohnungsunternehmen schlagen sich mit einem Instandhaltungsstau herum. „Ich bin sehr zufrieden, dass wir dieses Problem nicht haben“, sagt Götz Keßler, der Anfang dieses Jahres die Geschäftsführung übernommen hat. Der Großteil der Wohnungen der Stadtbau GmbH sind nach den aufwendigen Modernisierungen unter seinem Vorgänger Hermann Karosser „wirklich in gutem Zustand“. Nach der Modernisierung von zwei weiteren Wohnblöcken in der Siemensstraße (bis 2019) werden die Weichen verstärkt auf Neubau gestellt.

Keßler: Nachfrage nach Mietwohnungen wird deutlich steigen

Dazu wurde der 47-jährige Stadtplaner, der in Planungsbüros in München, Nürnberg und Stuttgart unter anderem auch als Büroleiter tätig war, nach Waldkraiburg geholt. Seit 2004 arbeitete Keßler für einen „Wohnungsriesen“, die GEWOFAG, eine hundertprozentige Tochter der Stadt München, der weit über 35 000 Wohnungen gehören. Im Bereich der Projekt- und Grundstücksentwicklung und bei der Realisierung von Neubauprojekten hat er dort vielfältige Erfahrungen gemacht. Die will er einbringen, am neuen Arbeitsplatz, für den er sich auch deshalb entschieden hat, weil die Position des Geschäftsführers noch mehr Möglichkeiten biete, Themen und Ideen zu verwirklichen, und sein Aufgabenfeld bei der Stadtbau noch breiter ist und etwa auch kommunale Gebäude betrifft. Als positiv hat er in den ersten elf Wochen am neuen Arbeitsplatz erlebt, dass das Arbeitsumfeld nicht so aufgeregt sei und sehr an der Sache orientiert.

Die Stadtbau wird in den nächsten Jahren ihren Wohnungsbestand – derzeit 1040 Mietwohnungen – steigern. Die Voraussetzungen für die Finanzierung von Neubauprojekten sieht Keßler „sehr positiv“. Vor allem: Mit der Fertigstellung der Autobahn werde die Nachfrage nach Mietwohnungen, nicht nur nach Eigentumswohnungen, im Landkreis Mühldorf steigen. Der Stadtbau-Geschäftsführer ist überzeugt: „Die gesamte Region wird unter den Münchner Wohnungsdruck geraten.“ Er verweist auf die aktuellen Wohnungsbauberichte und einschlägige Expertisen. Dafür dass im Landkreis Mühldorf der Bedarf an Wohnungen gegenüber dem Bedarf anderer Kreise abfällt, die nicht näher an der Landeshaupt liegen, gibt es aus seiner Sicht nur diesen Grund: die Verkehrsanbindung, die bislang schlechter war. „Warum sollte Mühldorf zum Beispiel weniger interessant sein als Landsberg? Im Landkreis Mühldorf ist sehr viel nachzuholen, und das wird nachgeholt werden.“

Wird auch Waldkraiburg von dieser Entwicklung profitieren? Davon ist der Geschäftsführer überzeugt. Er weiß, dass die Waldkraiburger ihre Situation oft sehr viel skeptischer einschätzen, als das in anderen Kommunen üblich ist. Verstehen tut er es nicht. Denn abgesehen davon, dass der Stadtkern nicht so anheimelnd ist wie in historischen Städten, stehe Waldkraiburg in puncto Lebensqualität nicht schlechter da. Er verweist auf das Kulturzentrum, die Schulen, das Sportangebot, das vielfältige Vereinsleben, die Restaurants im Zentrum, auch die Einkaufsmöglichkeiten. „Der Freizeitwert ist hier so groß wie in Mühldorf oder Ampfing. Waldkraiburg muss sich nicht verstecken.“ Andere sind anders, besser sind sie deshalb noch nicht...

Mehr Optimismus und Bereitschaft zu Veränderungen

Keßler wünscht sich „mehr Optimismus, mehr Bereitschaft, sich auf Visionen einzulassen“ und Veränderung positiv zu werten.

Die Entwicklung von neuen Baugebieten, etwa in Waldkraiburg-West, sei „ganz bestimmt die richtige Strategie, um neue Kaufkraft zu gewinnen und Attraktivität nach Waldkraiburg zu bringen“. Die Rolle der Stadtbau: Sie könnte dabei, wie schon in der Vergangenheit, als Erschließungs- und Vorhabensträger auftreten. Von der Bauträgerei, dem Kauf von Grundstücken und Verkauf von Häusern und Eigentumswohnungen, sollten kommunale Gesellschaften, von Ausnahmefällen abgesehen, aber die Finger lassen. „Unterm Strich gibt es nur Ärger und nichts ist verdient.“

An einen Bedarf an hochpreisigen Mietwohnungen im Landkreis glaubt der neue Stadtbau-Chef nicht. „Wer dafür Geld hat, kann auch kaufen.“ Gleichwohl werden sich die Mietpreise unter dem Druck des Marktes „stark erhöhen“. Sich abzuschotten sei nicht möglich und habe negative Konsequenzen für die Stadtentwicklung.

Keßler versteht, dass Befürchtungen in der Bevölkerung laut werden, mit dieser Entwicklung könnten Einheimische nicht mehr Schritt halten. Er hält deshalb und auch weil bei einem massiven Zuzug der Kommune hohe Kosten im Bereich der Infrastruktur (zum Beispiel Kinderbetreuung) entstehen, nichts von einer offensiven Werbung. Und: „So ungesund“ es wäre, alle Mietwohnungsneubauten zu Maximalpreisen auf den Markt zu bringen, „so ungesund wäre es, wenn wir alle Neubauten sozialen Kriterien unterwerfen würden“. Die Projekte müssen sich schließlich refinanzieren. Es gehe um das richtige Maß: In München habe man in der Regel – abhängig von der sozialen Struktur im Stadtviertel. Mit dem Schlüssel von 30:70 gearbeitet, in sozial stabilen Gebieten waren 25 bis 30 Prozent geförderte Mietwohnungen. Im Übrigen gebe es bei der Vergabe von kommunalen Mietwohnungen Modelle, die Einkommen, Wohndauer in der Stadt oder ehrenamtliches Engagement berücksichtigen. Darüber hinaus gebe es einen Bedarf nach Wohnungen mit sehr niedriger Miete. Nicht alle Wohnungen müssen deshalb modernisiert werden.

Zwei Neubauprojekte, die noch sein Vorgänger angestoßen hatte, stehen auf der Agenda: die Errichtung eines Gebäudes in der Porschestraße und die Bebauung eines Grundstücks im Adalbert-Stifter-Weg, das bislang für eine Senioren-WG im Gespräch ist. Zu weiteren Projekten in diesem Bereich will Keßler noch nichts Näheres sagen. Zuerst gehe es ohnehin um die Frage, „wie wir an die Grundstücke kommen“.

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