BAURECHTLICHE FEINHEITEN

Ehepaar will Tiny House bauen: Warum die Stadt Waldkraiburg vorerst ablehnen muss

Willi und Susanne Engelmann bleiben zuversichtlich, dass es mit dem Tinyhaus doch noch was wird.
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Willi und Susanne Engelmann bleiben zuversichtlich, dass es mit dem Tiny House doch noch was wird.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Es ist 4 mal 8,75 Meter groß und drei Meter hoch: das erste Tiny House (deutsch: Mini-Haus), das das Ehepaar Engelmann in Waldkraiburg aufstellen will. Doch das ist leichter geplant als getan.

Waldkraiburg– Der Stadtentwicklungsausschuss, der in seiner jüngsten Sitzung mehrere Großbauten in wenigen Minuten durchgewunken hatte, musste ausgerechnet das Tiny House ablehnen. Weil es zu klein ist.

Stadträte können es nicht fassen

„Kurios“, „grotesk“ – die Stadträte verstanden die Welt nicht mehr, als Bauamtsleiter Carsten Schwunck aufzeigte, dass es ausgerechnet bei dem kleinsten Bauvorhaben in dieser Sitzung die größten Probleme gibt.

Das Tiny House (schraffierte Fläche) soll auf dem Grundstück Balthasar-Neumann-Straße 27 (Flurnummer 1166) entstehen. Eine Genehmigung der sehr geringen Bebauung könnte das Baurecht der Nachbarn einschränken.

Dabei hatte Schwunck sich selbst sehr positiv über das Vorhaben geäußert, von einem „Superobjekt“ gesprochen, das sich für junges Wohnen anbiete, finanzierbar und gut nutzbar sei. Zuerst habe man auch in der Verwaltung gedacht: „Logisch, das geht, das passt.“

Es gibt einen Haken

Doch es gibt einen Haken. Das Hüttchen in Holzständerbauweise soll auf einem 900 Quadratmeter großen bislang unbebauten Grundstück an der Balthasar-Neumann-Straße stehen. Die Nutzung passt, im Flächennutzungsplan ist ein Reines Wohngebiet ausgewiesen. Einen Bebauungsplan gibt es nicht. Der Bauantrag ist also nach § 34 Baugesetzbuch zu beurteilen. Das Tinyhaus muss sich nach Art und Maß in die umliegende Bebauung einfügen.

Das Problem: Baurecht der Nachbarn könnte eingeschränkt werden

Doch die umliegenden Grundstücke sind deutlich dichter bebaut, weshalb das Maß der baulichen Nutzung hier unterschritten wird. Würde die Stadt das Vorhaben zulassen, würde sich die Prägung des Gebiets verändern, so Schwunck, der davor warnte, dass dann das Baurecht für künftige Bauvorhaben in diesem Bereich eingeschränkt werde.

Nach seinen Worten wird die Stadt in der Straße in absehbarer Zeit mit Veränderungswünschen konfrontiert. Es gebe bereits Anfragen, ob man auf Grundstücken Mehrfamilienhäuser und Geschosswohnungsbau errichten kann. „So toll ich das Vorhaben finde, das zerschießt uns den 34er. Die Wandhöhe passt nicht, die Grundflächenzahl und die Geschossflächenzahl passen nicht und die Bauform auch nicht.“

Dabei gibt es keine Mindestwerte für die Bebauung eines Grundstücks

Auf Anfrage von Christoph Vetter (UWG) bestätigte der Bauamtsleiter zwar, dass es keine Mindestwerte gebe, wie viel auf einem Grundstück überbaut werden muss, sondern nur Höchstgrenzen festgelegt seien. Das ändre aber nichts an den möglichen Auswirkungen für das Umfeld.

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Wie grotesk die Sachlage auf Nicht-Baurechtler wirken muss, brachte UWG-Fraktionschef Dr. Frieder Vielsack auf den Punkt: Die Bebauung mit dem Tinyhaus mache den Mittelwert der Bebauung schlechter, sodass andere Bauherren dadurch beschränkt werden. Solange das Grundstück aber unbebaut bleibt, fließe es in den Mittelwert gar nicht ein.

4 mal 8,75 Meter misst das Haus in Holzständerbauweise, das das erste Tinyhaus in der Stadt wäre.

Auch die Idee von Christoph Vetter, das Ganze als Gartenhäuschen laufen zu lassen, ändert nichts. Schwunck: „Wenn das Gartenhäuschen auf einem eigenen Grundstück steht, reden wir über das Gleiche.“

Stadt will Baurecht auf anderem Weg

Unter den gegebenen Voraussetzungen lehnte der Ausschuss das Vorhaben mehrheitlich ab. Gestorben ist das Projekt deshalb nicht. „Kein Mensch will das Tiny House verhindern“, betonte Schwunck. Es gehe vielmehr darum, einen Weg zu finden, das Häuschen zu bauen, ohne Baurecht anderer einzuschränken.

Jetzt soll es über einen Bebauungsplan laufen, aber das dauert

Er rät zur Aufstellung eines Bebauungsplanes. Doch das dauert, laut Bauamtsleiter braucht es etwa ein Jahr, bis auf diesem Weg Baurecht geschaffen ist. „Das ist kein triviales Verfahren.“ Schwunck deutete an, dass der Stadtentwicklungsausschuss schon während des laufenden Verfahrens eventuell eine temporäre Baugenehmigung aussprechen könnte. So dass die Engelmanns noch etwas früher zum Zuge kämen.

Mit 9:5 Stimmen hat der Ausschuss sich dafür ausgesprochen, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Was die Bauwerber sagen

Für Gäste wollen die Engelmanns das Tiny House auf dem Grundstück in der Balthasar-Neumann-Straße nutzen. Das teilte auf Anfrage Willi Engelmann mit. Er bedauere natürlich, das Häuschen nicht gleich aufstellen zu können. „Sonst geht es immer ums verdichten“, lacht er. Doch die Entscheidung müsse man akzeptieren. Er sei nach den Signalen aus der Verwaltung und dem Ausschuss aber zuversichtlich, das es noch was wird mit dem Tiny House

Zu den künftigen Plänen für das Grundstück erklärte er, es solle nicht mehr weiter bebaut werden. „Wir wollen das Grundstück dem Bund Naturschutz vermachen, damit eine Blühwiese darauf gemacht wird.“

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