MEGA-PROJEKT WERKSZUSAMMENLEGUNG

Stadt Waldkraiburg: Flächensparende Bauweise der Firma Netzsch setzt Maßstäbe für andere

Den 216 neuen Parkplätzen im Osten, die Voraussetzung für die Baugenehmigung waren, musste ein Waldstreifen weichen. Der Rad- und Fußweg blieb der Öffentlichkeit erhalten. Im Hintergrund das bestehende Werksgelände in der Geretsrieder Straße, das bis zum nächsten Jahr um eine neue Produktionshalle samt Büroeinheit wachsen wird.
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Den 216 neuen Parkplätzen im Osten, die Voraussetzung für die Baugenehmigung waren, musste ein Waldstreifen weichen. Der Rad- und Fußweg blieb der Öffentlichkeit erhalten. Im Hintergrund das bestehende Werksgelände in der Geretsrieder Straße, das bis zum nächsten Jahr um eine neue Produktionshalle samt Büroeinheit wachsen wird.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Das neue Jahr bringt ein Mega-Projekt im Waldkraiburger Gewerbegebiet. Auf dem Gelände der Firma Netzsch Pumpen & Systeme in der Geretsrieder Straße laufen die letzten Vorbereitungen für das Vorhaben, das aus Sicht der Stadt „Maßstäbe für andere setzt“.

Waldkraiburg – Das neue Jahr bringt ein Mega-Projekt im Gewerbegebiet. Auf dem Gelände der Firma Netzsch Pumpen & Systeme in der Geretsrieder Straße laufen die letzten Vorbereitungen für eine Großbaustelle. Noch im ersten Quartal ist der Spatenstich für die Zusammenlegung der drei Netzsch-Werke im Stadtgebiet geplant.

Das Projekt startet mit dem Bau einer neuen Produktionshalle samt Verwaltungs- und Büroeinheiten, geht aber weit darüber hinaus. Denn am Ende werde ein Campus stehen, in dem die Arbeits- und Betriebsabläufe völlig neu organisiert sind, wie Martin Kalleder, Gebäudemanager, und Ralf Baldauf, Leiter System- und Montagetechnik, betonen.

Ohne neuen Parkplatz keine Genehmigung

Seit Dezember ist der neue Parkplatz im Osten des Firmengeländes an die Mitarbeiter übergeben. 216 neue Stellplätze sind auf der 10 000 Quadratmeter großen Erweiterungsfläche entstanden, 20 Prozent mehr als baurechtlich nötig gewesen wären, wie Kalleder sagt. Ein Waldstreifen musste für diese Maßnahme weichen, die in der Öffentlichkeit hoch umstritten war. Den Rad- und Fußweg hat die Firma erhalten.

„Für Netzsch war diese Erweiterung äußerst wichtig“, betont Kalleder, gewissermaßen ein Schlüssel, um den insgesamt 75 000 Quadratmeter großen Standort weiter zu entwickeln.

Emissionsgutachten setzt Grenzen

Denn zwischen 22 Uhr und 6 Uhr in der Früh darf nur noch in diesem Bereich geparkt werden. So gibt es das Emissionsschutz-Gutachten vor, dass den Parkplatz sowie die Beschränkung von Transportbewegungen auf diesen Zeitraum zur Voraussetzung für eine Baugenehmigung macht. Außerhalb dieser Zeiten wird der LKW-Verkehr – pro Stunde fünf 40-Tonner – über die bestehende Pforte einfahren, über das Gelände und über die neue Parkplatzausfahrt Richtung Autobahn geleitet.

Nutzfläche an Geretsrieder Straße wird verdoppelt

Mit insgesamt 27 Millionen Euro ist der Neubau veranschlagt: eine Produktionshalle mit einer Nutzfläche von 11 000 Quadratmetern und einem vollautomatischen Paletten- und Kleinteilelager als Herzstück, auf die Netzsch eine neue 4000 Quadratmeter große Büroeinheit setzt. Mit dem Neubau wird sich die Nutzfläche auf dem Gelände des Werk II in etwa verdoppeln.

Im Rathaus einer Stadt, die keinen Quadratmeter Boden verschenken darf, stößt dieses Vorhaben auf einhellige Zustimmung. „Das Unternehmen setzt damit Maßstäbe“, so Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung, als er die Planung im Ausschuss vorstellte. Es sei bisher nicht üblich und in dieser Größenordnung in Waldkraiburg „einmalig“, eine Verwaltungseinheit auf ein Fabrikgebäude zu setzen.

Für Flächenfraß beschimpft

Ausdrücklich lobte Schwunck das Unternehmen, das zuletzt „für Flächenfraß beschimpft worden ist“, für diese flächensparende Variante, die einen baulichen Mehraufwand mit sich bringe. Der Leiter des Bauamts: „Wir hoffen, dass andere Betriebe sich daran orientieren.“

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Das „Büro auf dem Dach“ wird die Wege mit den operativen Kollegen in der Produktion verkürzen, so Ralf Baldauf. Nicht nur in dieser Beziehung modernisiert Netzsch seine Arbeitsabläufe. In der Produktion gelte künftig das Prinzip „Ware zum Mann“.

Bisher mussten sich die Mitarbeiter die Ware holen. Dadurch sei viel Zeit verloren gegangen. Künftig werden nach seinen Worten sämtliche Betriebsabläufe und Arbeitsprozesse „völlig neu organisiert“ und parallel die SAP-Prozesse neu aufgesetzt.

Arbeitsprozesse werden beschleunigt

Der Automatisierungs- und Digitalisierungsschub, der mit dem Neubau verbunden ist und bis 2024 auch in den anderen Einheiten, die sich bereits am Standort befinden, zum Tragen kommt, wird die Arbeitsprozesse deutlich beschleunigen. Martin Kalleder: „Die Durchlaufzeiten werden reduziert. Netzsch kann künftig noch schneller liefern.“

So klimaneutral wie möglich

Die Arbeiten an Neu- und Umbau, für die Gesellschafter bis 2024 insgesamt 50 Millionen Euro bereit gestellt haben, sollen laut Baldauf möglichst an regionale Unternehmen vergeben werden.

Ralf Baldauf (links) und Martin Kalleder vor Plänen zum Neubau-Projekt und der Werkszusammenlegung.

Auch mit dem Energiekonzept wolle Netzsch Maßstäbe setzen, sagt Facility-Manager Kalleder. „Wir wollen den Standort so klimaneutral wie möglich gestalten.“ Für den Neubau wolle das Unternehmen keine fossilen Brennstoffe mehr nutzen.

So geht es mit dem Umzug und den bestehenden Werkseinheiten weiter

Im Jahr 2022 soll die neue Produktionshalle in Betrieb gehen, bis 2024 alle weiteren Einheiten auf dem neuen Standard sein. Dann wäre die Zusammenlegung sämtlicher Waldkraiburger Werkseinheiten der Firma Netzsch am Standort an der Geretsrieder Straße abgeschlossen.

Das Werk III an der Daimlerstraße soll 2024 vermietet oder verpachtet werden. Grundner

Geschäftsführung, Buchhaltung, weltweiter Vertrieb, Marketing, Wareneingang, Logistik, Montage, Pumpenprüfstände, Lackieranlage, Versand – alle diese Bereiche, die derzeit noch in Werk I an der Liebigstraße angesiedelt sind, werden dann mit rund 300 Mitarbeitern in die Geretsrieder Straße umgezogen sein.

Wie die Geschäftsführer des Unternehmens, Felix Kleinert und Jens Heidkötter, bereits im Dezember mitgeteilt hatten, soll das Werk I soll abgerissen, die 1,6 Hektar Fläche, die damit frei werden, in Wohnbebauung umgewandelt werden.

Auch das Werk III mit IT, SAP, Personalwesen und Lager wird ins neue Werk überführt. Das Gelände im Gewerbegebiet nördlich der Daimlerstraße, an der Schilcherlinie, dessen Erweiterung die Stadt durch eine Flächennutzungsplanänderung ermöglicht hatte, soll laut Kalleder ab 2024 vermietet oder verpachtet werden. hg

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