Die Spuren von gestern: Gymnasium Waldkraiburg beteiligt sich am Erasmus Plus Projekt

Eine Wochelang waren insgesamt 15 Schüler aus Spanien, Luxemburg und der Slowakei zu Gast am Gymnasium Waldkraiburg. Gemeinsam mit 15 Gymnasiasten begaben sie sich auf historische Spurensuche in der Stadt.

Europa grenzenlos entdecken – möglich ist das nicht nur im Urlaub, sondern auch an der Schule. Das Gymnasium Waldkraiburg beteiligt sich am Erasmus Plus-Progamm. 15 Jugendliche aus Spanien, Luxemburg und der Slowakei waren eine Woche zu Gast und erarbeiteten die Geschichte der Stadt.

Waldkraiburg – Europa grenzenlos entdecken – möglich ist das nicht nur im Urlaub, sondern auch schon an der Schule. Das Gymnasium Waldkraiburg beteiligt sich am Erasmus Plus-Progamm. 15 Jugendliche aus Spanien, Luxemburg und der Slowakei waren eine Woche zu Gast in Waldkraiburg und erarbeiteten mit 15 Gymnasiasten die Geschichte der Stadt. Zum Thema „Spuren von gestern im Heute – Europa grenzenlos entdecken“ präsentierten sie ihre Projektarbeiten.

In fünf Gruppen haben sie den Weg der Geschichte bei einer Stadtführung und im Stadtmuseum neu beschritten und unter verschiedenen Gesichtspunkten aufgearbeitet. Die Perspektive sei jugendlich und europäisch, kündigte eingangs Andreas Nicklbauer an. Ziel war es, die Entwicklung Waldkraiburgs hin zu einer modernen Industriestadt aufzuzeigen. Die Ergebnisse aus den Arbeiten sollen dauerhaft auf der Schul-Homepage abrufbar sein. Ziel ist es auch, dass an den Erinnerungsorten in der Stadt einen QR-Code auf einer kleinen Metallplatte zu installieren.

Geeint durch die Flucht

Erinnerungen aus einem Tagebuch, Filmsequenzen und ein Comic: Mit unterschiedlichen Techniken und Arbeitsweisen haben die Schüler ihre Themen aufgearbeitet. Zwei Tage setzen sie sich intensiv damit in den einzelnen Gruppen auseinander. Jeweils sechs Schüler – drei vom Gymnasium und jeweils einer aus den Partnerländern – erarbeiteten die Themen, die sie am letzten Tag der gemeinsamen Woche vor allen Beteiligten präsentierten.

Waldkraiburg wurde für viele Vertriebene zur neuen Heimat. Das Wissen, auf der Flucht zu sein und nicht mehr zurückkehren zu können, hätte viele Vertriebene geeint. Ein Sinnbild dafür das „Mahnmal der Vertreibung“. Die Symbolik war eines der Themen, die die Schüler erarbeiteten. In den ehemaligen Lagern fanden „displaced persons“ auf der Suche nach einer neuen Zukunft eine erste Unterkunft. Doch woher kamen die Menschen, die aufgrund des Krieges plötzlich ohne Heimat waren? Exil-Polen, deutsche Kriegsgefangene, jüdische Familien und zuletzt auch Ukrainer – so wie sich die Nationalitäten der Bewohner abwechselten, veränderten sich auch die Strukturen, wie eine Gruppe in einem Kurzfilm zeigte. Die wirtschaftliche Entwicklung, verbunden mit den Erinnerungen eines Arbeiters im Gummiwerk – ein weiterer Aspekt, den die Schüler für ihre Projektarbeit wählten.

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Eng mit der Geschichte Waldkraiburgs verwoben ist auch Musiker Peter Maffay. Nicht nur, dass er nach der Vertreibung aus Siebenbürgen mit seinen Eltern in der Stadt eine neue Heimat und hier seine ersten musikalischen Schritte gemacht hat. Seit Kurzem ist er auch Pate am Gymnasium Waldkraiburg für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Ein Vorbild dafür, wie wichtig soziales Engagement ist.

Ein Zeichen für Offenheit

Viele Bürger in Waldkraiburg kennen ihn, wissen aber die Hintergründe nicht: Der Berliner Bär in der Siemensstraße. „Was steckt dahinter?“ – dieser Frage ging die fünfte Gruppe nach. Ein Zeichen für Offenheit und Hilfsbereitschaft, dass man Menschen in Not mit offenen Armen aufnehmen soll, wie der Berliner Bär in einem kleinen Comic seinem Gegenüber erklärte.

Die Erfahrungen aus den einzelnen Gruppen zeigen: Spaß gemacht hat es allen, sie hätten viel neues gelernt – trotz mancher Sprachbarrieren.

Geschichten aus der Heimat bleiben wichtig

Bei der Präsentation war auch Bürgermeister Robert Pötzsch dabei. Er lobte das Projekt, bei dem die Sprachbarrieren das größte Hindernis gewesen seien. „Ihr habt Mut bewiesen.“ Viele der Jugendlichen aus Waldkraiburg haben mit der ursprünglichen Geschichte Waldkraiburgs als Vertriebenenstadt nichts zu tun. „Die Jugendlichen werden ihre eigene Kultur finden, aber die Geschichten aus der Heimat bleiben wichtig.“ Die Jugend sei die Zukunft: „Wenn die miteinander auskommt, dann wird auch das große Miteinander funktionieren.“ Erasmus Plus trage einen Teil dazu bei, dass sich die Jugendlichen untereinander begegnen.

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Über einen Zeitraum von zwei Jahren läuft das Projekt am Gymnasium Waldkraiburg. Genug Zeit für die Schüler die Notwendigkeit zu verstehen, warum Europa zusammengewachsen und sich auf diese Weise entwickelt hat, wie Schulleiter Helmut Wittmann sagte. „Es lohnt sich, dass es weiter zusammenbleibt“, ist er überzeugt. Den Traum eines vereinigten Europas soll man nicht aufgeben, daher sei die Begegnung untereinander auch so wichtig.

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