Nur eine von sieben Sitzungen begleitet

Sportmoderator Nadvornik ist im Stadtrat nie da – jetzt wird auch Waldkraiburger CSU sauer

Bei der Nominierung des CSU-Kandidaten für das Bürgermeisteramt vor einem Jahr war er gleich in zweifacher Ausführung auf der Bühne. Seit seiner Niederlage bei der Bürgermeisterwahl ist Wolfgang Nadvornik aber auch als gewähltes Stadtratsmitglied fast nie zu sehen – im Stadtrat und in den anderen städtischen Gremien.
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Bei der Nominierung des CSU-Kandidaten für das Bürgermeisteramt vor einem Jahr war er gleich in zweifacher Ausführung auf der Bühne. Seit seiner Niederlage bei der Bürgermeisterwahl ist Wolfgang Nadvornik aber auch als gewähltes Stadtratsmitglied fast nie zu sehen – im Stadtrat und in den anderen städtischen Gremien.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Die konstituierende Sitzung im Mai hat er verpasst. Nur zu einer von sieben Sitzungen in der neuen Amtsperiode ist CSU-Stadtrat und Ex-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Nadvornik erschienen. Aus beruflichen Gründen, wie er sagt. Doch nicht nur in der Bürgerschaft wird Kritik laut, auch in der eigenen Fraktion.

Waldkraiburg – Er war der Hoffnungsträger der Waldkraiburger CSU. Wolfgang Nadvornik sollte das Rathaus für die Partei zurück erobern. Doch daran scheiterte er bei den Kommunalwahlen im März klar. In den Stadtrat zog der 50-Jährige dagegen ein, mit dem zweitbesten Ergebnis auf der CSU-Liste. Doch seit dem Beginn der Amtsperiode im Mai wurde er dort und in den Ausschusssitzungen, in denen er Sitz und Stimme hätte, nur einmal gesehen. Das fällt nicht nur den kommunalpolitischen Dauerkiebitzen auf, die in fast jeder Sitzung zuschauen.

Im Juli nachträglich vereidigt

Neulich im Stadtrat war Nadvornik wieder nicht da. Dabei wurde eines jener Themen verhandelt, die er im Wahlkampf zu seinen besonderen Herzensanliegen erklärt hatte. Es ging um die Zukunft des Waldbads. Als einziger Stadtrat hatte er bereits in der konstituierenden Sitzung im Mai gefehlt, wurde im Juli nachträglich vereidigt.

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Auch in den beiden Sitzungen des Werkausschusses ließ er sich vertreten, ebenso in der einzigen Sitzung, zu der der Sport- und Kulturausschuss in der neuen Amtszeit bisher zusammenkam. Bei den Treffen der Fraktion soll Nadvornik Informationen unserer Zeitung zufolge nicht häufiger anzutreffen sein.

Der Tenniskalender bestimmt seinen Alltag

Immer fehlt der Stadtrat entschuldigt – aus beruflichen Gründen. Der bekannte Sportmoderator, der früher bei der ARD und im Bayerischen Fernsehen von Olympia und Fußball-WM berichtete, arbeitet heute für Eurosport und als Tennistrainer. Die OVB-Heimatzeitungen erreichten ihn am Rande eines ATP-Tennisturniers in Köln, das er für seinen Arbeitgeber kommentiert.

Seine geringe Präsenz im Stadtrat und in Waldkraiburg sei „einzig und allein corona-bedingt“. Als Moderator, der sich auf diese Sportart spezialisiert hat, sei er „Teil der Tennis-Maschine“, sagt der 50-Jährige. Das Turnierprogramm sei wegen der Pandemie in diesen Monaten sehr dicht und kompakt. „Ich kann mir nicht aussuchen, wo mich mein Arbeitgeber hinschickt. Ich muss ja Geld verdienen.“

Bürgermeister bedauert häufiges Fehlen

Bürgermeister Robert Pötzsch sieht im Moment keinen Anlass, auf das häufige Fernbleiben Nadvorniks von den Sitzungen zu reagieren. Der Stadtrat sei „ja nachvollziehbar entschuldigt, wenn er beruflich unterwegs ist“. Und: Wie oft ein Stadtrat in den Sitzungen sein muss, sei in der Geschäftsordnung nicht eindeutig geregelt.

Pötzsch findet es allerdings „schade, wenn ein gewählter Stadtrat sich nicht so einbringen kann, wie er es am Anfang vorhatte. Wir brauchen im Stadtrat jede Meinung und jeden Beitrag.“

Dr. Frieder Vielsack (UWG), Sprecher der größten Stadtratsfraktion, will sich zu dem Thema auf Anfrage nicht äußern. Das sei „Sache von Herrn Nadvornik und der CSU“.

CSU-Fraktionsvorsitzender von Nadvorniks Verhalten enttäuscht

Deren Fraktionssprecher Anton Sterr ist von der Entwicklung alles andere als begeistert. „Ich bin enttäuscht von diesem Verhalten, viele in der Fraktion sind enttäuscht.“ Er könne die beruflichen Verpflichtungen des Fraktionskollegen nicht bewerten, sagt Sterr. Nadvornik sei sicherlich in diesem Job sehr viel unterwegs. Allerdings müsse er so konsequent sein, dass er sich darüber klar wird, ob er das berufliche Engagement mit seinem Mandat im Stadtrat vereinbaren kann.

Die Aufgabe der Residenzpflicht im Kommunalwahlgesetz will Sterr aufgrund der aktuellen Erfahrung nicht grundsätzlich in Frage stellen. Dass auch auswärtige Kandidaten – Nadvornik wohnt in Neufarn bei Anzing – kommunalpolitische Ämter übernehmen können, habe sich durchaus bewährt.

Nadvornik spricht von „Erbsenzählerei“

„Es gibt genügend Fälle, wo es funktioniert. Das ist rein personenbezogen. Wenn ich meine Sache ernst nehme, spielt der Wohnort gar keine Rolle.“

Das er sein Stadtratsmandat ernst nimmt, das reklamiert auch der gescholtene CSU-Stadtrat unverändert für sich. Bei der geplanten Stadtratsklausur am vergangenen Samstag wäre er gerne dabei gewesen, beteuert Nadvornik. „Doch die wurde kurzfristig abgesagt.“ Er freue sich sehr auf die nächste Sitzung. „Irgendwann wird Corona ja ein Ende haben.“

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Wolfgang Nadvornik (Moderator)

Dass auch in der Bürgerschaft Kritik laut wird, über seine häufigen Absenzen, versteht der CSU-Stadtrat nicht. Das sei „Erbsenzählerei“. Nadvornik: „Natürlich nehme ich den Stadtrat ernst.“

Sein Herz schlage nach wie vor für Waldkraiburg und die Waldkraiburger, sagt er. Und untermauert diese Aussage damit, dass er vor Kurzem das Haus neben seinem Elternhaus verkauft habe. An einen Waldkraiburger, obwohl 30 Münchner sich auch beworben hätten. Gut und gerne 50 000 Euro mehr habe er für die Immobilie meistbietend bekommen können.

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