Die spinnen, die Wirte

Wir befinden uns im Jahre 2020. Die ganze Welt ist von einem Virus besetzt und gelähmt.

Die ganze Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Gastronomen bevölkertes Städtchen hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten...

Sie könnten sich wie einst Asterix und Obelix und ihre robuste gallische Dorfgemeinschaft vorkommen, die umgeben von einer feindlichen Übermacht einfach nicht aufstecken: die Gastwirte und Lokalbetreiber, die trotz schwierigster Bedingungen in diesen Corona-Zeiten nicht klein beigeben, sich gegen den verbreiteten Pessimismus stemmen – und weitermachen. Oder gar, wie in diesen Wochen in und um Waldkraiburg, mitten in der Krise neue Lokale aufmachen oder alte Legenden wie das ehemalige „Brosch“ oder das „Chablis“ wieder beleben. Die spinnen, die Wirte? Wenn das verrückt ist, dann positiv. Es braucht solche Signale.

Die will auch die Stadt aussenden. So viele vermissen das Volksfest. „O’zapft is!“ – So hätte es gestern Abend im Festzelt wieder geheißen. Daraus wurde nichts, aus den bekannten Gründen. Und auch ein „Volksfest light“, kleiner, aber mit großen Auflagen, ist nicht mit einem vertretbaren Aufwand auf die Beine zu stellen. Also gibt’s den virtuellen Anstich des Bürgermeisters, ein Video, das auf den Social-Media-Kanälen verbreitet wird, so wie viele Tipps für ein Volksfest dahoam oder beim Lieblingswirt. Klar, das ist kein Ersatz, aber ein Zeichen: Wir lassen uns nicht unterkriegen. Wenn Plan B auch nicht funktioniert, dann probieren wir es mit Plan C. Mal schauen, ob der Funke überspringt...

In Aschau muss der Funke nicht überspringen. Während in anderen Gemeinden und Städten – beileibe nicht nur in Waldkraiburg – bei Bürgerentscheiden vor dem Quorum gezittert wird, muss sich damit in Aschau niemand aufhalten. Wenn die Bürger schon mal die Möglichkeit haben, bei einem heiß diskutierten Thema mitzuentscheiden, dann ist Verlass auf sie. Beim dritten Bürgerentscheid innerhalb von drei Jahren haben die Aschauer ein imponierendes Beispiel für ihre Demokratie-Tauglichkeit gegeben. Keine Spur von Wahlmüdigkeit. Über 57 Prozent der Wahlberechtigten haben über die Zukunft eines Gewerbegebiets abgestimmt, das schaffen andere nicht mal bei ordentlichen Wahlen.

Freilich, eine Inflation der Bürgerentscheide wünscht sich kein Bürgermeister, nicht mal der Aschauer. Und deshalb sendet auch Christian Weyrich, der Neue im Rathaus, Signale an die Bürger aus, sie künftig früher und transparenter in Planungen und Projekte einzubinden.

So wie seine Kraiburger Amtskollegin Petra Jackl, die alle Anstalten macht, als Transparenz-Bürgermeisterin in die Marktgeschichte einzugehen. So offensiv geht sie das Thema der Bürgerbeteiligung an. Und mancher – nicht nur in Kraiburg – reibt sich die Augen über den neuen Politikstil, der da propagiert wird. Gar nicht selbstverständlich für CSU-Amtsträger und schon gar nicht vom alten Schlag.

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