Sam und Spike sind immer gelassen

Sam, der Gelassene: Der Labrador-Retriever von Lehrerin Gefion Ritzer (Zweite von links) ist ein ausgebildeter Schulhund und somit "Pädagoge auf vier Beinen". In der Ganztagesklasse der fünften Stufe gibt es "Hunderegeln", die alle Schüler zu beachten haben. Wenn Sam da ist, verhalten sich die Kinder ruhiger, rücksichtsvoller und sind konzentrierter. Beim "Hundedienst" lernen sie Pflichtbewusstsein. Foto kla
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Sam, der Gelassene: Der Labrador-Retriever von Lehrerin Gefion Ritzer (Zweite von links) ist ein ausgebildeter Schulhund und somit "Pädagoge auf vier Beinen". In der Ganztagesklasse der fünften Stufe gibt es "Hunderegeln", die alle Schüler zu beachten haben. Wenn Sam da ist, verhalten sich die Kinder ruhiger, rücksichtsvoller und sind konzentrierter. Beim "Hundedienst" lernen sie Pflichtbewusstsein. Foto kla

Sam ist ein Leseförderer, weil die Kinder ihm vorlesen. Er ist auch ein beliebtes Klassenmitglied und bekommt einen eigenen Adventskalender. Der Labrador-Retriever ist ein ausgebildeter Schulhund, bereichert den Unterricht an der Franz-Liszt-Mittelschule und sorgt für eine positive Lernatmosphäre.

Waldkraiburg - In der Ganztagesklasse von Gefion Ritzer hat ein ganz besonderer Pädagoge Dienst: Sam heißt er, ist schwarz, ziemlich verfressen und sehr beliebt. Ihm ist es egal, ob ein Kind gut Deutsch spricht oder schwach im Lesen ist. Er ist überhaupt sehr gelassen - sonst hätte er den Job nicht bekommen. Beim Vorstellungsgespräch bei Schulleiter Klaus Nessler konnte der Vierbeiner punkten und wurde "eingestellt". Genau wie Spike, dessen Besitzerin Lehrerin Kathrin Lehner ist. Sie hat die Ganztagesklasse in der achten Stufe und Spike, ebenfalls ein Labrador-Retriever, bereichert ihren Unterricht.

Sams Frauchen ist Lehrerin Gefion Ritzer. Die 29-Jährige und ihre Kollegin haben mit ihren Tieren auf eigene Kosten eine Schulhundausbildung bei Dr. Hildegard Jung in München im Rahmen der Beißprävention "Beißt der?" für Grundschüler absolviert. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Kultus und Unterricht.

Die Hunde mussten schon auf Begleithundeniveau ausgebildet sein, der Grundgehorsam sollte funktionieren, um bei der vereidigten Tierärztin für Verhaltensbegutachtung ausgebildet zu werden, erklärt Ritzer. Sam und Spike wurden dabei etwa auf ihre Gelassenheit getestet. "Sie wurden bedrängt, angeschrien, mussten durch Luftballons und etwa einen belebten Pausenhof gehen", so die junge Lehrerin. Das hat die beiden "coolen Hunde" nicht aus der Ruhe gebracht und jetzt sind sie bereits seit einem knappen Jahr fester Unterrichtsbestandteil.

"Hunderegeln" bestimmen den Umgang mit Sam und Spike, die selbst bestimmen dürfen, bei welchem Schüler sie gerade sein wollen. "Wir dürfen Sam nicht zu uns rufen und nur füttern, wenn es Frau Ritzer erlaubt, denn er ist verfressen und muss sein Gewicht halten", erklärt Marcel beim Tag der offenen Tür an der Mittelschule den Besuchern. Eine der wichtigsten Regeln, so der Bub: nicht laut sein, weil Hunde ein empfindliches Gehör haben.

Und das "Projekt Schulhund" funktioniert, denn die Kinder profitieren in vielerlei Hinsicht. So lernen sie beim "Hundedienst" den richtigen Umgang mit dem Tier und Verantwortung zu übernehmen. "Sam ist nicht nur ein schönes Streicheltier, er muss auch gefüttert und Gassi geführt werden", ergänzt Schulleiter Klaus Nessler, der dem Projekt positiv gegenüber steht. Dass sich die Disziplin in der Klasse verbessert hat, ist auch ihm schon zu Ohren gekommen.

"Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Therapietiere Stress bei den Schülern abbauen. Ich bin immer wieder fasziniert, was Sam bewirkt", sagt Gefion Ritzer und spricht von einer angenehmen Klassen- und Lernatmosphäre. Durch den Hund sprechen die Kinder mehr miteinander; er sei auch ein Leseförderer, weil sie ihm gerne vorlesen und er geduldig zuhöre, auch wenn es sich noch etwas holprig anhöre. Sams Anwesenheit beruhigt die Kinder bei Proben, sie sind konzentrierter und haben weniger Krankheitstage.

"Kinder, die sonst eher zurückhaltend sind, können aufblühen und ihre Stärken im Umgang mit dem Hund zeigen", erklärt Ritzer weiter. Und Migranten, die noch kein Deutsch sprechen, kommen über den Hund leicht mit den neuen Mitschülern in Kontakt und lernen so erste Begriffe. Der Pädagoge auf vier Beinen leistet also gute Arbeit. kla

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