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Das Spielchen, das nervt

Blasmusik am Beckenrand, Bürgermeister im Wohnzimmer, Krabbelkind im Gemeinderat, rasende Wildsau im Kreisverkehr, Feste-Marathon ohne Marktgleichgewicht, Fußballdebatte mit Eigentor und singender Fahrschullehrer mit Mut – so sah die Woche der Waldkraiburger Nachrichten aus: laut, lustig, nervig und vielseitig.

Zuerst das Nette: Kraiburg ist familienfreundlich. Das will der Gemeinderat nicht nur mit der Stärkung von Familien mit Kindern bei der Baulandvergabe unter Beweis stellen. Nein, auch im Rathaus geht es kinderlieb zu. Adrian Hilge, Gemeinderat und junger Papa, hatte keinen Babysitter und brachte Töchterchen Ophelia einfach ins Gremium mit. Das 14 Monate alte Mädchen lockerte die Sitzung sehr niedlich auf. Als Bürgermeister Herbert Heiml pro forma fragte, ob es Einwände gebe, gegen das Protokoll der vergangenen Sitzung, quäkte die Kleine. „Gut“, sagte Heiml, „Einwand notiert“. Papa Adrian musste zwischendurch auf stumme Aufforderung des Töchterchens aus dem lila Plastik-Tässchen „Tee schlürfen“. Bei der schwülen Hitze soll man schließlich viel trinken.

Schweißperlen standen auch ihm auf der Stirn: Fabian Walgenbach aus Ampfing. Im Rahmen einer Radio-Aktion hatte er sich aus Liebe zu seiner Frau Tina einen öffentlichen Auftritt eingebrockt – und ersang so am Ende drei Tickets für das ausverkaufte Ed-Sheeran-Konzert am Sonntag im Olympia-Stadion. Wer nicht singen kann – und da gehört der 34-jährige Fahrlehrer auch dazu – der weiß, wie schrecklich es ist, vor Publikum aufzutreten. Die Zuschauer und Fans belohnten seinen Mut; seine Frau hat sich sicher ein zweites Mal in ihn verliebt.

Kein Ed Sheeran, dafür die Egerländer Trachtenkapelle tritt am heutigen Samstag im Waldbad auf. Ab 10 Uhr gibt es Blasmusik am Beckenrand. Das ist eines von vielen Ersatzhäppchen aus der ausgefallenen Aqua-Gaudi. Die Idee stammt vom Waldbad-Förderverein, der an den Ferienwochenenden Attraktionen anbietet, für all jene, die ihren Urlaub daheim verbringen. Und damit die Ferien im Waldbad besser genutzt werden können, gibt es längere Öffnungszeiten. Möglich machen das die zusätzlichen Rettungsschwimmer, die der Förderverein stellt. Manche ließen sich sogar selbst ausbilden. Das nennt man Einsatz.

Einsatz zeigt auch Bürgermeister Robert Pötzsch, der diese Woche einen Sitzungsmarathon nach dem anderen zu bewältigen hatte. Und noch unkonventionelle Ideen hat: Er besucht die Bürger daheim, weil in den Bürgersprechstunden viele Themen zu kurz kommen. Daher gibt es nun „Auf a Wort – Der Bürgermeister zu Gast in Ihrem Wohnzimmer“. Man muss dafür drei Leute zusammentrommeln – und eine Tasse Kaffee vorbereiten. Fast wie bei einer Tupper-Party. Vielleicht lädt ihn Kollege Heiml ein, um sich mit ihm über die Frage „wie gehe ich mit Renitenz und Unbelehrbarkeit um?“ auszutauschen. Eisiger Wind weht beiden wegen der Vollsperrung des Kreisels in Niederndorf entgegen. Heiml muss sich – und das ist nicht gerechtfertigt – anhören, er habe sich nicht genügend für eine andere Lösung eingesetzt. Solche Gerüchtestreuer sind für ihn „Heckenschützen“, die ihn zur „rasenden Wildsau“ machen.

Nicht hören wollen die Kritiker, dass das Straßenbauamt eine übergeordnete Behörde ist, die die betroffenen Kommunen nur anhört und am Verfahren beteiligt. Ober sticht Unter – so einfach ist das. Alle wollen auf intakten Straßen fahren. Die müssen eben auch mal hergerichtet werden. Und die Forderung nach einer Ersatzstraße – für 14 Tage – ist unrealistisch. Die Umleitung via Mühldorf ist der offizielle Weg, von allen Behörden, Einrichtungen und Kommunen gemeinsam fest gelegt. Wer glaubt, die Umleitung könne durch das Wohngebiet in Niederndorf geführt werden – die Zufahrtsstraße ist ein Radlweg, gesichert mit einem Stempen – macht sich keine Vorstellung, wie dieses Verkehrsaufkommen die Siedlung rebellisch machen würde, ganz abgesehen davon, dass der Weg zu schmal und ungeeignet ist. Wer kann, pendelt mit dem Radl zwischen Kraiburg und Waldkraiburg. Alle anderen nehmen die Insider-Route über die Wasserburger Straße und kommen via Jettenbach ans Ziel.

Pötzsch hat jetzt mal kurz Urlaub. Die Frage, warum das Volksfest heuer eher mau besucht war, wird ihn vielleicht auch da noch beschäftigen. An mangelnden Mühen seitens der Verwaltung hat es nicht gelegen. Es kam einfach viel zu viel zusammen. Wegen der Fußball-WM wurde der Volksfest-Start nach hinten verschoben und kollidierte in der zweiten Woche mit dem Aschauer Fest. Einzug war zeitgleich zum Waldkraiburger Tag der Jugend, diverse Abschlussbälle und Klassenfahrten und etwa die 1250-Jahr-Feier in Gars fanden statt. Marktgleichgewicht – so nennt man die Situation, wenn die Menge des Angebots gleich der Menge der Nachfrage ist. Von einer Gleichgewichtsmenge bei Festen und Festbesuchern kann nicht die Rede sein. Wenn dann noch ein Burschenverein feiert, kann man gleich dicht machen.

A propos Markt: Für den deutschen Markt ist der zurückgetretene deutsche Nationalspieler Mesut Özil unter anderem nach dem umstrittenen Foto mit Erdogan und seinem schlechten Spiel bei der Fußball-WM verbrannt. Er hat zu lange geschwiegen und am Ende platzte alles aus ihm raus. Dass er nicht gut genug gekickt hat, steht außer Frage. Wie der DFB anschließend mit ihm umging, war unwürdig. Und dass er, wegen des Fotos, die Stimmung im Team vergiftet und dadurch das WM-Aus verursacht habe, ist unerträglich dämlicher Blödsinn. Die Debatte außenrum, in der Schweigen bei den wichtigsten Beteiligten ein beliebtes aber untaugliches Stilmittel ist, ist schon lange nur noch hysterisch. Hier gibt es nur Verlierer. Außer Erdogan, der reibt sich die Hände. Er zieht seinerseits die Rassismus-Karte, wie die Nationalisten in Deutschland ihrerseits. Boah, wie dieses Spielchen nervt! Andrea Klemm

Waldkraiburger Wochenschau

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