ASCHAUER KIRCHENVERWALTUNG MUSS ENTSCHEIDEN

Was soll aus dem Pfarrhof werden?

Die Zukunft des sanierungsbedürftigen Pfarrhauses sorgt derzeit für viele Diskussionen in Aschau. Pfarrei

Was soll aus dem Pfarrhof werden? In dieser Frage scheiden sich in Aschau die Geister. Während der Pfarrer, Pater Bernhard Stiegler, das Pfarrhaus, das wegen Schimmelbefalls leer steht, aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben möchte, steigt Kirchenpfleger Matthias Salzeder auf die Bremse. Er wolle keine Entscheidung, die man später bereuen könnte, sagt er.

Aschau – Die Aschauer Kirchenverwaltung steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Braucht sie den Pfarrhof für die Seelsorge, oder gibt sie ihn an die Pfarrpfründen-Stiftung zurück, der das Gebäude gehört? Pater Bernhard Stiegler, der Leiter des Pfarrverbands, hat sich in dieser Frage festgelegt. Er spricht sich dafür aus, den Pfarrhof aufzugeben. Die Notmaßnahme, das Pfarrsekretariat und das Büro des Pfarrers in das Pfarrheim zu verlagern (siehe auch blauen Kasten), hat sich aus seiner Sicht bewährt. Die Büros seien gut integriert. Das Arbeitsklima, die Nähe zur Kirche und die Arbeitsbedingungen hätten sich dadurch insgesamt verbessert. Jugend und Senioren, deren Räume durch die Büros belegt sind, finden nach seinen Worten Platz in einem Teil des Pfarrsaals, der abgetrennt werden kann.

Pfarrer und Ordinariat wollen den Aschauer Pfarrhof aufgeben

Wirtschaftlich sei das Festhalten am Pfarrhof nicht sinnvoll, findet der Salesianerpater, der sich im Einklang mit den zuständigen Stellen im Erzbischöflichen Ordinariat weiß. Diese raten der Pfarrei ab, so viele Gebäude zu unterhalten. Schriftlich habe das Ordinariat der Kirchenverwaltung angekündigt, dass es einem Bauantrag auf Sanierung des Pfarrhauses nicht zustimmen werde.

Kirchenpfleger sieht noch Gesprächsbedarf

Der Leiter des Pfarrverbands: „Wir können nicht in ein Haus, das uns nicht gehört, so viel Geld investieren.“ Als Pfarrer stehe er in der Verantwortung, mit Kirchenmitteln sparsam umzugehen. Stiegler verweist in diesem Zusammenhang auch auf notwendige Sanierungsmaßnahmen an den Kirchen in Fraham und in Aschau.

„Aus Pfarrmitteln können wir nicht das ganze Gebäude sanieren“, weiß auch Matthias Salzeder. „Ich will den Pfarrhof nicht auf Biegen und Brechen halten, aber, ja, ich bin ein Bremser“, beschreibt der Kirchenpfleger seine Position.

Für ihn ist das letzte Wort nicht gesprochen. Er sieht noch Gesprächsbedarf mit den Verantwortlichen im Ordinariat, auch unter Einbeziehung von Weihbischof Bernhard Haßlberger.

Salzeder weist darauf hin, dass die Büros im Pfarrheim Räume belegen, „die für was anderes vorgesehen waren“, als Jugend- und Seniorenräume genutzt werden sollten. Der Einwand, es gebe derzeit keine Jugendgruppe, stellt den Kirchenpfleger nicht zufrieden. „Muss das so bleiben?“ Und auch für den Pfarrhof wirft er die Frage auf: Was ist, wenn eines Tages doch eine Wohnung für einen pastoralen Mitarbeiter gesucht wird? Die Pfarrei könne nicht davon ausgehen, dass die Salesianer immer einen Pfarrer für Aschau stellen können.

Es muss eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung her. Das weiß auch der Kirchenpfleger. Die könnte seiner Meinung nach aber auch darin bestehen, dass die Pfarrei das Haus saniert und vermietet. Allerdings ohne Unterstützung durch das Ordinariat wird das nicht gehen.

Was Salzeder umtreibt, ist die Frage, was mit dem Haus passiert, wenn es nicht mehr seelsorgerlich genutzt wird. „Welchen Einfluss haben wir noch?“ Darauf, wer es künftig nutzt, wer es erwerben kann. Geschieht das im Sinne der Pfarrei oder meistbietend? „Das hätte ich gerne vorher geklärt.“

Aus Sicht von Pater Stiegler drängt die Zeit. Im November wird eine neue Kirchenverwaltung gewählt. Eine so schwerwiegende Entscheidung müsse das bestehende Gremium treffen.

Gemeinde hat sich noch nicht festgelegt

Der Geistliche zeichnet eine klare Vision für die Zukunft des Pfarrhauses: „Um den Bestand, ein schönes Ensemble in der Mitte von Aschau“, zu erhalten, könnte die Gemeinde Grund und Gebäude zum Verkehrswert erwerben und einer einheitlichen Nutzung zuführen.

Bürgermeister Alois Salzeder legt sich nicht fest. Auf Anfrage teilt er mit, dass es dazu keinen Beschluss des Gemeinderates gebe. Er will sich in einer Versammlung am 21. September, in der über die Zukunft des Pfarrhauses informiert wird, die Meinungen der Bürger anhören. „Dann werden wir unsere Stellungnahme abgeben.“

Nach Informationen unserer Zeitung zeichnet sich in der Kirchenverwaltung eine Mehrheit ab, den Pfarrhof aufzugeben.

Auch interessant

Kommentare zu diesem Artikel