Nach Klage von Fitnessstudio-Betreibern in Bayern

Ärger über Sperrung der Tennishallen in Mühldorf und Waldkraiburg: „So was ist praxisfremd“

Die Tennishalle in Mühldorf leuchtet in der Nacht. Jetzt sind auch dort die Lichter erloschen.
+
Die Tennishalle in Mühldorf leuchtet in der Nacht. Jetzt sind auch dort die Lichter erloschen.
Alle Autoren
    schließen
  • Josef Enzinger
    Josef Enzinger
  • Markus Honervogt
    Markus Honervogt
  • Hans Grundner
    Hans Grundner

„So etwas ist praxisfremd, mit diesem Vorlauf! Wie soll ich das organisieren?“ Johann Kreidl, Leiter der Tennissparte des VfL Waldkraiburg ist richtig sauer über den neuen Corona-Erlass von Ministerpräsident Markus Söder, Individualsport aus Gleichheitsgründen gegenüber Fitness-Studios schon ab Freitag in der Halle zu verbieten.

Waldkraiburg/Mühldorf/Neumarkt-St. Veit – Nur wenige Stunden vor Beginn der neuen Einschränkung für den Individualsport war die Regeländerung bekannt geworden, mit der die Staatsregierung auf ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts zum Eilantrag eines Fitness-Studioinhabers reagierte. Das Gericht hatte bemängelt, dass die Schließung der Fitnessstudios unrechtmäßig sei, weil sie eine Benachteiligung gegenüber anderen Indoor-Sportstätten darstelle, in denen Einzelsportarten unter Einhaltung der geltenden Regeln noch erlaubt waren.

„Wir haben 20 000 Kubikmeter umbaute Luft. Das kommt fast Freiluftsport gleich“

Jetzt ist in Bayern alles zu. Auch die Waldkraiburger Tennishalle, die die VfL-Sparte betreibt. Kreidl: „Wir haben einen Einzugsbereich von fast 50 Kilometern. Und nicht alle sind per Mail erreichbar.“

Lesen Sie auch:

Rosenheimer Indoor-Sportveranstalter reagieren verständnislos auf Betriebsschließung

Zuletzt war das Interesse am Tennis Spielen in der Halle nach seinen Worten „sehr rege. Das letzte Wochenende war fast komplett ausgebucht.“ Die Bevölkerung habe die Ausweichmöglichkeit, unter sicheren Bedingungen Sport zu treiben, dankbar angenommen. „Wir haben 20 000 Kubikmeter umbaute Luft. Das kommt fast Freiluftsport gleich.“

Auch in Mühldorfer Tennishalle gehen die Lichter aus

Noch am Donnerstagabend leuchtete die Tennistraglufthalle im benachbarten Mühldorf hell in die Nacht, jetzt ist auch sie zu. Mühldorfs Tennisspieler packten ihre Schläger und Bälle wieder ein. Und nicht nur die, sagt Stefan Schörghuber, Vorstand des TSV Mühldorf. „Das ist eine Katastrophe für alle, die sich gerne bewegen.“

Weitere Einzelsportler betroffen

Beim TSV, dem einzigen Sportverein, der in Mühldorf noch offen hatte, trifft das neben den Tennisspielern auch Kraftsportler, die ein Zeitfenster buchen und alleine unter Anleitung eines Trainers üben durften. Auch die Karatekas kamen noch zum Einzeltraining. „Unter dieser Entscheidung müssen alle leiden, die Individualsport unter Hygienebedingungen anbieten konnten.“

Laut Schörghuber hat das nicht nur Konsequenzen für die Gesundheit, sondern auch für die Finanzen. „Der Betreiber der Tennishalle, wir als Verpächter, die Trainer: Alle haben keine Einnahmen mehr.“

Damit gehen Mittel für die Förderung des Jugendsports verloren

Auf etwa 10 000 Euro monatlich beziffert Johann Kreidl die Einnahmen, die dem Tennis in Waldkraiburg durch die Schließung der Halle entgehen. Das sei ein schwerer Schlag für den Verein. „Wir subventionieren mit den Einnahmen aus der Halle unsere breite Jugendarbeit. Als ehrenamtlicher selbstständiger Unternehmer bekommen wir ja keine Zuschüsse.“

Lesen Sie auch:

Coronavirus: Neuer Lockdown bedroht EHC Waldkraiburg in Existenz

Corona: Gericht kippt überraschend Lockdown-Regel in Bayern - Söder-Regierung zieht Verschärfung vor

Andere Abteilungen des VfL Waldkraiburg sind laut Geschäftsführer Hubert Kamrad von der jüngsten Entscheidung nicht betroffen. „Sämtliche Hallen der Stadt und des Landkreises sind seit Anfang des Monats für Vereinssport gesperrt.

20.000 Kubikmeter umbaute Luft – in der VfL-Tennishalle herrschen sichere Bedingungen fast wie beim Freiluftsport, findet Abteilungsleiter Johann Kreidl. Kein Wunder also, dass die Halle zuletzt äußerst rege genutzt wurde.

Dem TSV Neumarkt-St. Veit entstehen durch die neuen Einschränkungen ebenfalls keine weiteren Nachteile. Die Tennisabteilung hatte die Sommersaison ohnehin schon beendet. Und die Möglichkeit, dass zumindest die Tischtennisspieler die Halle nutzen konnten, davon habe der TSV keinen Gebrauch gemacht, so Vorsitzender Harry Eberl. Denn: Der TSV verfügt über keine eigene Halle, die Mehrzweckhalle der Mittelschule fällt in den Zuständigkeitsbereich der Stadt.

Wird der Lockdown schon am Montag verlängert?

Johann Kreidl, der am Freitag noch voll und ganz mit dem „enormen Verwaltungsaufwand“ wegen der Hallenschließung beschäftigt war, fürchtet, dass es bei der Hallensperrung nicht bei einem Monat bleiben wird. „Womöglich kommt am Montag schon die Verlängerung des Lockdowns.“ Allen Hallennutzern, die er am Freitag telefonisch erreichte, habe er deshalb schon mal ein gutes neues Jahr gewünscht.

Fitnessstudio-Inhaber: „Ich versteh den ganzen Zirkus nicht“

Die Schließung der Fitnessstudios, die seit Anfang des Monats aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen staatlich verordnet wurde, hält Helmut Huber für ein Riesenproblem und aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar. Huber, der ein Fitnessstudio im Waldkraiburger Gewerbegebiet betreibt: „Ich versteh den ganzen Zirkus nicht. Ich halte die Hygieneregeln ein, hab deshalb investiert, aber die Leute dürfen nicht ins Studio. Gleichzeitig sind sie eng zusammengedrängt in Bussen und in Zügen unterwegs.“

Gerichtsurteil hätte Studios nichts gebracht

Neben dem wirtschaftlichen Schaden verweist er auf die negativen Auswirkungen auf Kunden, die den Sport im Fitnessstudio für ihre Gesundheit brauchen.“ Sein Mitgliederstamm habe einen Altersdurchschnitt von rund 45 Jahren. „Die brauchen das Training, um ihr Immunsystem aufzubauen und fitter zu werden.“

Freilich, auch das Urteil des Verwaltungsgerichtes hätte den Fitnessstudios nichts gebracht. Ein Betrieb unter den eng gesteckten Rahmenbedingungen hält er für „undurchführbar“. Huber: „Ich habe bis zu 300 Leute an einem Tag, wie soll ich das denn organisieren. Entweder gscheit oder gar nicht, alles andere hilft uns nicht weiter.“ Das einzige Mittel, das den Studios helfe, sei die angekündigte Entschädigung für Selbstständige und Unternehmer, die vom „Lockdown light“ betroffen sind und bis zu 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes erhalten sollen. „Aber da wissen wir noch nicht, wie das gehandhabt wird.“

Kommentare