IM KAMPF GEGEN CORONA

So erlebt ein Freiwilliger die Kontaktverfolgung am Gesundheitsamt Mühldorf

Kontakte ermitteln und informieren: Verwaltungsmitarbeiterin Anna Schneider und Aschaus Dritter Bürgermeister Ernst Doleschal (rechts) unterstützen das Gesundheitsamt bei der Kontaktverfolgung. Bürgermeister Christian Weyrich verschafft sich einen Eindruck von der Arbeit.
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Kontakte ermitteln und informieren: Verwaltungsmitarbeiterin Anna Schneider und Aschaus Dritter Bürgermeister Ernst Doleschal (rechts) unterstützen das Gesundheitsamt bei der Kontaktverfolgung. Bürgermeister Christian Weyrich verschafft sich einen Eindruck von der Arbeit.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Die Kontaktverfolgung ist eines der Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Jeden Tag kommen neue Kontaktlisten hinzu, die Arbeit ist aufwendig. Aschaus dritter Bürgermeister Ernst Doleschal kennt die Abläufe gut: Er hat im Gesundheitsamt ausgeholfen.

Waldkraiburg/Aschau– Sie gilt als eines der zentralen Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie: die Kontaktverfolgung. Jeden Tag kommen neue Kontakte hinzu, die nächsten Personen werden in die Quarantäne geschickt. Eine Aufgabe, die immer größer wird, je höher die Infektionszahlen sind. Aschaus dritter Bürgermeister weiß, welche Arbeit bei der Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt geleistet wird. Im Januar greift Ernst Doleschal dort bereits zum zweiten Mal zum Telefonhörer.

Mit jedem neu Infizierten geht die Arbeit von vorne los: Quarantäne verordnen, Kontaktpersonen ermitteln und mit ihnen einen Fragebogen abarbeiten und die Personen möglicherweise unter Quarantäne stellen. Am nächsten Tag beginnt die Arbeit wieder von Neuem. Einen guten Einblick hat Ernst Doleschal bekommen. Der dritte Bürgermeister von Aschau war im Dezember zwei Wochen am Gesundheitsamt und hat bei der Kontaktverfolgung mitgeholfen. Im Januar ist er erneut zwei Wochen im Einsatz.

Es gibt auch Graubereiche bei der Corona-Kontaktverfolgung

„Manchmal sind schwierige Entscheidungen zu treffen, die einem nicht leicht fallen“, erzählt er. Bei manchen Personen ist die Sachlage klar, eine Quarantäne unausweichlich. Doch es gebe auch Graubereiche, bei denen genau abgewogen werden muss: Quarantäne – ja oder nein? „Eine Quarantäne auszusprechen ist eine schwerwiegende Entscheidung und die trifft man nicht leichtfertig“, sagt Ernst Doleschal. Eine Situation, vor der er anfangs „Bammel“ hatte.

Wie ein Call-Center müsse man sich die Arbeit im Gesundheitsamt vorstellen: Personen anrufen und Daten in den PC eingeben. Doch die Arbeit ist hier um ein Vielfaches wichtiger, schließlich geht es darum, Infektionsketten zu unterbrechen.

Das Gesundheitsamt Mühldorf arbeitet auf Hochtouren

Wer sich an die gängigen Hygienemaßnahmen hält, hat gute Karten, nicht als Kontaktperson 1 eingestuft zu werden. Das Schwierige daran aber sei, dass man auf die ehrlichen Antworten angewiesen ist. Auch die erfolgreiche Kontaktverfolgung ist davon abhängig. Wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, erschweren falsche oder unvollständige Angaben zu Kontaktpersonen von Covid-Personen die Arbeit.

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14 Tage hat Ernst Doleschal im Dezember im Gesundheitsamt zunächst ausgeholfen. Eine Zeit, wie er selbst sagt, die gerade dazu ausreicht, genügend Erfahrungen zu sammeln. „In der ersten Woche trifft man keine Entscheidung. Auch bei den ersten Fällen, die man selbst betreut, hält man im Zweifel gerne noch mit den Kollegen Rücksprache.“ Deshalb sei es auch so wichtig, länger als zwei Wochen den Telefonhörer in die Hand zu nehmen. Für ihn geht es jedenfalls im Januar weiter damit, Kontakte zu ermitteln und zu informieren.

Im Gesundheitsamt arbeiten alle Mitarbeiter auf Hochtouren. Bis zum Abend sollen jeden Tag möglichst alle Kontakte ermittelt und informiert sein. Am späten Nachmittag kommen die letzten Ergebnisse des Tages ins Haus. „Manche erreicht man nicht gleich, aber trotzdem versuchen alle im Team, noch alle Personen vor dem Feierabend zu erreichen. Der Teamgeist ist groß“, sagt Doleschal. Mit jedem Fall, den er betreut, gewinnt er an Sicherheit hinzu. Die brauche man auch, um am Telefon sicher aufzutreten. Die Kontaktverfolgung ist aufwendig, ganz wichtig dabei: „Man braucht ein Gespür für die Leute.“

Nicht alle reagieren mit Verständnis

Denn die Reaktionen könnten teilweise nicht unterschiedlicher sein. „Wenn jemand bereits Symptome entwickelt hat, reagiert er mit Verständnis.“ Ganz anders aber können die Reaktionen ausfallen, wenn jemand als Kontaktperson in Quarantäne müsse, ohne aber infiziert zu sein.

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Mit der Kontaktermittlung ist die Arbeit nicht getan. Denn die Mitarbeiter halten während der Dauer der Quarantäne Kontakt zu den Leuten. „Manche empfinden es als Kontrolle. Aber eigentlich wollen wir nur wissen, ob Symptome aufgetreten sind und weitere Maßnahmen nötig sind“, erklärt Doleschal. Manche aber freuen sich über die Anrufe und die damit verbundene Abwechslung. Vor allem Personen, die alleine leben. „Wir haben auch schon die Gemeinden darüber informiert, wenn jemand alleine ist, falls derjenige Hilfe brauchen sollte.“

Das Schönste an der Arbeit: Jemanden wieder aus der Quarantäne zu entlassen.

70 Mitarbeiter ermitteln die Kontakte

Ende vergangenen Jahres ist im Landkreis die Zahl der Neuinfektionen deutlich angestiegen. Und damit auch die Zahl der Kontaktpersonen, die informiert werden mussten. Im Gesundheitsamt wurde deshalb die Zahl der Mitarbeiter aufgestockt, um auch „höhere Inzidenzwerte zu bewältigen“, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt. Etwa 70 Personen in Vollzeit und Teilzeit sind im Gesundheitsamt mit der Kontaktnachverfolgung befasst. Dabei handelt es sich um 40 Mitarbeiter vom Gesundheitsamt, Landratsamt sowie RKI-Scouts und CTT-Stellen, fünf Personen von der Bundeswehr, neun Polizisten und 16 Personen von anderen Behörden und Gemeinden.

Für Aschaus Bürgermeister Christian Weyrich war es eine Selbstverständlichkeit, das Landratsamt zu unterstützen. Neben Ernst Doleschal hat auch Verwaltungsmitarbeiterin Anna Schneider Kontakte ermittelt und informiert. Im Januar ist sie ebenfalls erneut im Einsatz. „Für uns war es kein Thema, für diese Arbeit jemanden ans Gesundheitsamt abzustellen. Die Corona-Pandemie ist eine Notsituation, in der es Solidarität braucht und alle zusammenhelfen sollten.“

Gemeinden aus dem Landkreis stellen Personal fürs Gesundheitsamt ab

Auch im Waldkraiburger Rathaus hat man nicht lange gezögert. Anfang Dezember wurden zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung für vier Wochen ans Gesundheitsamt abgeordnet. Seit 11. Januar sind drei Mitarbeiter für die Kontaktverfolgung eingesetzt. Zwei davon erst einmal bis Ende Januar, eine Mitarbeiterin bis Mitte Februar. Die Mitarbeiter sind normalerweise im Haus des Buches und im Haus der Kultur beschäftigt, die aktuell wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind. „Als die Anfrage vom Landratsamt kam, war es für uns selbstverständlich zu helfen und zu unterstützen. Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt leisten seit Monaten Außergewöhnliches,“ sagt Bürgermeister Robert Pötzsch.

Aktuell sind im Mühldorfer Gesundheitsamt fünf Bedienstete von Gemeinden im Einsatz, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt.

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