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Film-Star glänzt als Alleinunterhalter

Göttern wird der Prozess gemacht: Sky du Mont bringt „Ring des Nibelungen“ nach Waldkraiburg

Sky du Mont führte als Moderator gekonnt und gewitzt durch den Abend.
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Sky du Mont führte als Moderator gekonnt und gewitzt durch den Abend.
  • Erika Fischer
    VonErika Fischer
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Zwei großartige Darsteller waren für Christian Reinischs „Ring des Nibelungen“ im Waldkraiburger Haus der Kultur angekündigt, doch Sky du Mont musste mit Bedauern bekanntgeben, dass Edda Moser für die nächsten sechs Wochen alle Termine abgesagt hat. Die Sopranistin, an allen Opernhäusern und Musikfestivals zuhause, ist erkrankt.

Waldkraiburg – So wurde der Abend um den Talkblock gekürzt, in dem sie sich mit du Mont über die musikgeschichtliche Bedeutung Richard Wagners unterhalten sollte. Und du Mont bewältigte die Situation als Alleinunterhalter grandios.

Der sympathische Schauspieler, in Buenos Aires geboren und 1952 mit seiner Mutter nach Europa zurückgekehrt, ist bestens bekannt durch seine Rollen in Krimiserien, drehte Filme in Hollywood unter anderem mit Gregory Peck oder Tom Cruise und ist vielen noch in Erinnerung als „Gentleman-Verbrecher“ Santa Maria in Bully Herbigs „Schuh des Manitu“.

Doch auch mit seinen bisher sechs Romanen machte sich der Bambi-Preisträger einen Namen. Mit klassischer Musik aufgewachsen, liebt er Rock und Pop und hat bis heute großen Spaß an Dingen, die völlig untypisch sind, so auch am Moderieren. Dazu hatte er an diesem Abend reichlich Gelegenheit.

Als Gerichtsrepoerter vor Wagners Götter und Helden

Als Gerichtsreporter führte er durch die Verhandlung, in der Richard Wagners Götter und Helden angeklagt sind, denn sie haben keine Schandtat ausgelassen. „Worum geht es im ‚Ring‘ nun wirklich?“, fragte du Mont, „um nichts weniger als die viertägige Entstehung der Welt inklusive ihren Untergang, mit Rücksicht auf Sie, das Publikum, auf zwei Stunden verkürzt.

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Und in diesem Zeitraum wird geraubt, gemordet und Unzucht getrieben. Nach den heutigen Vorschriften zum Schutz der Jugend dürfte das Werk eigentlich erst ab 18 freigegeben sein“, so du Mont.

Großartige Musik Wagners

Der großartigen Musik Wagners solle nichts genommen werden, obwohl der Komponist selber behauptet habe, dass die Oper ein Irrtum sei. „Das muss er wohl auf die 15 Stunden bezogen haben, die der ‚Ring‘ dauert“, so der Moderator. Immer wieder zeigte er die juristischen Hintergründe auf, wie die im Grunde schwachen Götter mehr Macht haben wollen als ihnen zusteht und dabei gegen Recht und Moral verstoßen.

In den Videoeinspielungen auf der Großleinwand wurden dem Publikum Ausschnitte aus dem berühmten „Jahrhundert-Ring“ von Patrice Chereau der Bayreuther Festspiele 1976 gezeigt. So wogten und wallten Nebel im ersten Film, als Alberich mit krimineller Energie den drei Rheintöchtern das Rheingold entreißt, und du Mont kommentierte: „Nach Paragraf 249 des Strafgesetzbuchs käme er nicht unter einem Jahr weg.“

Protzbau von Walhall kritisiert

Auch der Protzbau von Walhall, dem Versailles der Götter, und ohne Genehmigung entstanden, sei zu kritisieren.

Nach dem langen „Rheingold“ folgten für die Zuhörer die vier Abende. Vielleicht habe Wagner mit Zahlen so wenig umgehen können wie mit Geld. Auch stelle die inzestuöse Liebesgeschichte von Siegmund und Sieglinde jede Hollywoodschnulze in den Schatten, was die Videoeinspielung mit Peter Hofmann bewies. Ebenso seien neun fesche Mädels Seitensprünge Wotans, was Gattin Fricka poltern ließ „wie Ursula von der Leyen und Alice Schwarzer zusammen“.

Mit Siegfried, dem Drachentöter, habe es einen Bruch in der Handlung gegeben: „Den Göttern ging der Saft aus. Ohne Moos nix los“ und sie wurden wegen Habsucht und Raub bis hin zum Mord straffällig. Im vierten Teil, der „Götterdämmerung“, kommt es schließlich zur handfesten Auseinandersetzung von Brünhilde, der Walküre a.D., mit Gunther, was wegen Entführung und Nötigung unter Paragraf 237 fallen würde.

Lang anhaltender Applaus am Schluss

In den beiden letzten Filmszenen rückten die Potentaten von Walhall dem Untergang näher, und der Streit um Siegfrieds Erbe wird zum Countdown für das Ende der Welt: Die drei Rheintöchter bekommen den Ring, der Göttertempel stürzt ein. Doch Richard Wagner hatte ein Einsehen: Im Schlussplädoyer lässt er Gnade vor Recht ergehen.

Peter Hofmann in einer Videoeinspielung wie auch 250 Walhall, die Götterburg

„Gerade die Filmeinspielungen haben für mich die Handlung verständlicher gemacht“, so eine Besucherin, „da haben wir große Oper gleich mitgeboten bekommen.“

Immer wieder hatte es für Sky du Mont Zwischenbeifall gegeben, nicht nur für seine ironischen Erläuterungen, sondern auch für seinen ruhigen, überzeugenden Vortrag – fern aller Starallüren. Dies zeigte sich vor allem im lang andauernden Schlussapplaus.

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